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Wie deutsche Privatanleger mit ETFs umgehen   Facebook be



01.11.2010
 
Risiko wird "realistisch eingeschätzt"

Die Hochschule Konstanz zeigt in einer Studie, dass Privatanleger Short- und Hebel-ETFs in Deutschland sehr massvoll einsetzen. „Die Ergebnisse legen nahe, dass Privatanleger in den überwiegenden Fällen wissen, welche Chancen und Risiken mit dem Einsatz von Short- und Hebel-ETFs verbunden sind“, sagt Leo Schubert, Professor für Betriebswirtschaftslehre in Konstanz, der die Studie geleitet hat. Schubert konnte erstmals Daten über Käufe und Verkäufe von Short- und Hebel-ETFs von der Mehrzahl der führenden Direktbanken in Deutschland auswerten. Zu den Teilnehmern der Studie, die von db x-trackers, dem ETF-Anbieter der Deutschen Bank, initiiert wurde, zählen die Mehrzahl der führenden deutschen Online-Brokerage-Institute. „Wir haben die Kritik ernst genommen, dass Short- und Hebel-ETFs nicht für Privatanleger geeignet seien. Nun können wir erstmals zeigen, dass diese Produkte sehr wohl verstanden und risikobewusst eingesetzt werden“, sagt Thorsten Michalik, verantwortlich für db x-trackers. Insgesamt wurden 26.394 Käufe und anschließende Verkäufe von Short- und Hebel-ETFs zwischen dem 1. 1. 2008 und dem 1. 4. 2010 untersucht. In diesem Zeitraum handelten Privatanleger mit 39 verschiedene Short- und Hebel-ETFs von sechs ETF-Anbietern.

Die wichtigsten Ergebnisse im Einzelnen:

Haltedauer von Short/Hebel-ETFs ist meist kurz: Die im Rahmen der Studien untersuchten Short- und Hebel-ETF wurden überwiegend nur über einen begrenzten Zeitraum gehalten. Nach 15 Tagen waren bereits 50 Prozent, nach spätestens drei Monaten sogar schon 85 Prozent aller Engagements wieder beendet, „Wir haben seit Auflage unserer ersten Short- und Hebel-Produkte stets betont, dass diese sich vor allem zum kurzfristigen Einsatz eignen. Die Ergebnisse zeigen, dass dies auch so von Privatanlegern gesehen wird“, stellt Michalik klar. Auch die eingesetzte Summe bei Short oder Hebel-ETFs ist übersichtlich. 50 Prozent der privaten Investoren legten weniger als 5000 Euro an. Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Studie ist, dass bei ETFs mit einem höheren Hebel deutlich weniger Kapital eingesetzt wird als bei nicht gehebelten Produkten. „Zudem nimmt das investierte Volumen auch mit zunehmender Haltedauer stetig ab“, fasst Schubert zusammen. Alle Punkte sprechen für eine realistische Bewertung der eingegangenen Risiken durch die Anleger.
Extremwerte bei Renditen treten nur selten auf: Die Analyse der erzielten Renditen während der Haltedauer der Short- und Hebel-ETFs bestätigt den verantwortungsvollen Umgang von Privatanlegern mit diesen Produkten. In 90 Prozent aller untersuchten Fälle lagen die Renditen zwischen plus 20 und minus 22 Prozent nach Veräußerung des ETFs. Bemerkenswert ist, dass die Renditen bei ETFs mit Hebel weniger stark streuen als beim Short-ETF ohne Hebel. „Dieses Resultat ist überraschend, da die Hebelfunktion genau das Gegenteil erwarten ließ. Die deutlich verkürzten Haltedauern bei ETFs mit höherem Hebel scheinen hier ursächlich zu sein“, bemerkt Schubert. Zudem sprechen die Auswertungen dafür, dass Short-ETFs gezielt gekauft wurden, um Aktiengewinne abzusichern. Diese positiven Ergebnisse würden in diesem Fall Verluste mit Short-ETFs sogar noch ausgleichen.
Konzentration auf marktführende Produkte: Mehr als zwei Drittel der untersuchten Aktivitäten bezogen sich auf den Lyxor ETF LevDax, einen gehebelten ETF auf den Aktienindex Dax, sowie den db x-trackers ShortDax daily ETF, der die Wertentwicklung des DAX auf täglicher Basis invers abbildet. Diese ETFs sind mit einem Volumen von 213 Millionen beziehungsweise 586 Millionen Euro die grössten Produkte in der jeweiligen Kategorie Hebel- und Short-ETFs (Stand 8. Oktober).
Die Ergebnisse der Studie belegen, dass der Markt für Short- und Hebel-ETFs für Privatanleger in Deutschland nicht mit dem entsprechenden Angebot in den USA verglichen werden kann. In den USA werden auch ETFs mit einem Hebel von bis zu vier angeboten, die auf ohnehin schon sehr volatilen Indizes basieren. Solche Produkte haben aufgrund ihrer hohen Preisausschläge viel Kritik auf sich gezogen. Die vorliegende Studie zeigt, dass sich der Markt in Deutschland substantiell unterscheidet und von Anlegern auch realistisch eingeschätzt wird.


 
 

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