Der Übergang Europas und der USA zu einer neuen Ordnung der Weltwirtschaft wird nach Einschätzung der Allianz noch mehrere Jahre andauern. Für das vierte Quartal raten Allianz Experten bei weiterhin niedrigem Zinsniveau Anlegern zu flexiblen Portfoliostrukturen - und Geduld.
"Die tief greifenden Veränderungen der Weltwirtschaft werden uns sehr wahrscheinlich noch auf Jahre hinaus begleiten", erklärte Martin Bruckner, Vorstand der Allianz Investmentbank und Chief Investment Officer der Allianz Gruppe in Österreich. "Für die nächsten drei bis fünf Jahre erwarten wir eine Entwicklung der Weltwirtschaft, die von niedrigeren Wachstumsraten sowie einer Machtverschiebung zugunsten systemisch wichtiger, aufstrebender Länder, wie zum Beispiel Brasilien und China, geprägt sein wird."
Die Dämpfung der Rezession sei vor allem auf Rettungspakete der Regierungen sowie konzertierte Aktionen globaler Institutionen wie IWF und Weltbank zurückzuführen. Positiv sei festzuhalten, dass die gemeinsamen Maßnahmen gegriffen haben. Die Dynamik der Konsolidierungsschritte der letzten Monate werde an Fahrt gewinnen und damit eine Phase niedrigeren Wachstums einläuten, in der die Politik weiterhin an Bedeutung gewinne. Als Risken dieser Entwicklung charakterisiert Bruckner, dass kurzfristig notwendige staatliche Interventionen langfristig zu einer exzessiven Regulierung ausarten könnten, die, gemeinsam mit Steuererhöhungen, auf lange Sicht die Wachstumschancen der jeweiligen Volkswirtschaften schmälern.
"Niedriges Wachstum geht mit niedrigen Zinsen einher", erklärt Martin Maier, Geschäftsführer der Allianz Invest KAG. Das derzeitig tiefe Zinsniveau stimme auch mit den Inflationserwartungen überein. Der Übergang zum "New Normal" manifestiere sich derzeit vor allem in einem Rückgang der Renditen an den wichtigsten Anleihemärkten. Das enorme Volumen der öffentlichen Schuldenaufnahme in den Peripheriestaaten werde weiterhin für Unsicherheit und hohe Volatilitäten sorgen. "Trotz des allgemein niedrigen Zinsniveaus würden wir nicht dazu raten, die hohen Spreads, wie zum Beispiel in Irland und Portugal, zu kaufen, sondern zu einer ausgewogenen Gewichtung raten: Flucht in die Peripherie ist keine optimale Strategie", erklärt Maier. Bei den Märkten löse das aufgrund des geringen Wirtschaftswachstums historisch niedrige Zinsniveau eine Reduktion der erwarteten Erträge aus. Doch selbst bei weiterhin tiefen Zinsniveaus werden immer noch Zinserträge erwartet, welche über der Inflation liegen. Hier zahle sich eine langfristige Veranlagung aus: So erzielte beispielsweise der Allianz Invest Vorsorgefonds in den letzten zehn Jahren eine durchschnittliche Performance von 5,5 Prozent p.a. "Wir raten weiterhin zu Anleihen aus dem Unternehmensbereich und Emerging Markets", so Maier. Als Begründung für die Schwellenländer führt Maier stärkeres und stabileres Wachstum und gesündere Staatshaushalte an, was für langfristig höhere Erträge in Relation zu den Industrieländern spricht.
Für den Gesamtausblick auf das nächste Quartal rät die Allianz, sich im "New Normal" auf neue Rahmenbedingungen einzustellen. Wer als Privatanleger seine Risken in einem volatilen Umfeld begrenzen möchte, sollte auf Diversifikation und Flexibilität setzen. Aber auch Geduld sei ein Gebot der Stunde: "Man kann nicht heute Apfelbäume pflanzen und schon im nächsten Jahr die Früchte ernten", erklärt Bruckner.
Für die Asset Allocation im vierten Quartal empfehlen die Allianz Anlageexperten, Aktien und Anleihen ausgewogen zu gewichten. Auf der Aktienseite würden sie Europa und Emerging Markets über- sowie USA und Japan untergewichten. Im dritten Quartal haben sich die volatilen Aktienmärkte von den Auswirkungen der Staatsschuldenkrise erholt. Gute Unternehmensergebnisse, vermehrte M&A-Aktivitäten und hohe Dividendenrenditen überwiegen scheinbar die aufgekommenen "Double Dip"-Risiken. In Japan verlangsame sich der Aufschwung, in den USA liegen die Aktienbewertungen über jenen anderer Regionen. In Europa gebe es günstige Bewertungen und hohe Dividendenrenditen, die Staatsschuldendiskussion sei jedoch noch nicht vom Tisch. In den Emerging Markets bestätigen die Wirtschaftsdaten die Wachstumserwartungen, die Aktien in diesem Segment erfahren hohe Zuflüsse. Auf der Anleihenseite empfehlen die Experten, USA, Europa und Japan unter- sowie Emerging Markets und Unternehmensanleihen überzugewichten. In den USA sind Zinserhöhungen weiterhin nicht zu erwarten, in Japan bleibt das absolute Zinsniveau weiterhin unattraktiv. In Europa verzeichnen Peripherieländer einen deutlichen Aufschlag gegenüber Deutschland, Anleihen aus den Emerging Markets bieten vor allem im Segment der Lokalwährungsanleihen und Corporates Chancen.






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