Kommentrar

"Abwärtswellen stellen für uns taktische Kaufgelegenheiten dar"   Facebook be



09.09.2010
 

Stefan Keitel, Global Chief Investment Officer für Private Banking und Asset Management der Credit Suisse, und sein aktueller Marktkommentar:

Nachdem die makroökonomischen Indikatoren bereits seit der frühen Jahresmitte Ermüdungserscheinungen aufwiesen, hat sich die Lage über die letzten Tage und Wochen massiv eingetrübt. Insbesondere in den USA kommen sowohl von der Häuser- als auch von der Arbeitsmarktfront sehr schwache Daten. Des Weiteren lagen diverse Indikatoren für wirtschaftliche Aktivitäten nochmals deutlich unter den ohnehin schon sehr vorsichtigen Erwartungen. Dieser klare konjunkturelle Abwärtstrend in Verbindung mit immer wiederkehrenden Deflationsängsten lastet aktuell wieder schwer auf dem Investorsentiment und sorgt für Rücksetzer an den Aktienmärkten. Während diese ein deutliches Abkühlungsszenario bereits eingepreist haben, bewegen sich die Rentenmärkte sogar bereits auf «Double-Dip-Kurs». Lediglich Teilsegmente wie Unternehmens-, Hochzins- sowie Schwellenländeranleihen spiegeln wirtschaftliche Normalität wider. Wir erwarten nach einem deutlichen Wachstumsrücksetzer im zweiten Halbjahr 2010 aber eine Phase moderater Wiederbeschleunigung im Jahr 2011.

Die hohen Unternehmensausgaben, positives Überraschungspotenzial bei den stark sparenden Konsumenten sowie diverse Abkopplungseffekte in anderen wichtigen Regionen (Emerging Markets, partiell Europa, Kanada, Australien) in Verbindung mit einer immer noch stark stimulierenden Notenbankpolitik sollten den Boden dafür bereiten. Allerdings rechnen wir kurzfristig noch mit Marktschwankungen und etwas Abwärtsrisiko. Solche Abwärtswellen stellen jedoch für uns eher taktische Kaufgelegenheiten dar. Wir bleiben daher aktuell bei Aktien neutral positioniert und würden Rückschläge zur visiblen Aufstockung von Positionen nutzen. Unser Fokus bleibt dabei auf unseren favorisierten Märkten wie den Schwellenländern und der Eurozone.

An Japan halten wir fest, da wir für die nächsten drei bis sechs Monate aufgrund der Spätzyklik, des Einpreisungseffekts hinsichtlich der Yen-Stärke sowie der sich stark verbessernden Bewertung hier besondere Chancen sehen. Auf der anderen Seite sehen wir den Rentenmarkt als überhitzt an. Die aktuellen Niveaus sind mit unserem makroökonomischen Bild nicht vereinbar - sprich teuer - und zeigen gemäss unserer Analyse ein Überschiessen, das durch massive Wachstums- und Deflationsängste getrieben wird. Spätestens im vierten Quartal sollte analog zum Aktienaufwärtstrend ein temporärer Renditeschub entstehen. Wir erwarten jedoch, dass diese Bewegung weder nachhaltig noch zu massiv sein wird, da die Gesamtsituation noch zu fragil und der Unterstützungspfad der Notenbanken noch zu ausgeprägt ist. Wir bleiben demnach in der kurzen Duration und mischen andere Subsegmente wie Unternehmensanleihen weiterhin bei. Bei den Währungen sehen wir aktuell keine grossen Trendverschiebungen. Wir erwarten aber für die nächsten Monate entsprechend unseres konstruktiven Gesamtszenarios eine erneute Schwächeperiode des US-Dollars, der zum Euro in Richtung 1,40 driften könnte. Unsere reduzierte, aber noch immer strategisch übergewichtete Positionierung im Gold bleibt bestehen. Im breiten Rohstoffsegment warten wir auf bessere Kaufgelegenheiten.


 
 

>> Diesen Artikel kommentieren


Weitere interessante Artikel
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


© boerse-express.com
loading..