Basel III

Ringen um Basel III - Gerücht um 9-Prozent-Quote, Bankaktien gedrückt   Facebook be



08.09.2010
 
Mindestkapitalanforderung steigt wohl auf 6 Prozent - Mit Puffer 12 Prozent

Neue Sorgen um die Kapitalausstattung europäischer Banken haben deren Aktien am Dienstag belastet und auch die US-Aktienbörsen zum Start der Handelswoche ins Minus gedrückt. Händler zeigten sich verunsichert über Medienberichte, dass die neuen Kapitalregeln "Basel III" die europäischen Institute zu massiver Kapitalaufstockung zwingen könnten. Aus dem "Baseler Ausschuss" drangen am Nachmittag Details über die künftigen Kapitalanforderungen durch. "Zeit-Online" spricht von einer künftigen Tier-1-Quote von 9 Prozent - inklusive Risikopuffer wären es sogar 12 Prozent.

Zudem hieß es in einem Bericht des "Wall Street Journal", die Bestände der Banken an möglicherweise gefährdeten Staatsanleihen seien bei den europäischen Stresstests für die Branche zu niedrig angesetzt worden.

Banken müssen laut "Zeit-Online" mit harten Eigenkapitalregeln rechnen, wie aus einer ihr vorliegenden Entscheidungsgrundlage für den Basler Ausschuss hervorgehe. Danach müssten die Institute künftig eine Eigenkapitalquote ("Tier 1") von 9 Prozent vorhalten.

Bankenaufseher und Notenbanker aus 27 Ländern trafen sich am Dienstag in Basel, um über die künftigen Kernkapitalquoten und die Zusammensetzung des Eigenkapitals der Banken zu beraten. Sie wollen die Branche weltweit widerstandsfähiger gegen Krisen machen - eine Lehre aus der Finanzkrise, in der zahllose Banken von den Staaten gerettet werden mussten. Können sie sich nicht einigen, müsste der Gouverneursrat des Baseler Ausschusses am Sonntag nochmals Hand anlegen.

Für Aufruhr sorgt laut Händlern ein Artikel im "Wall Street Journal" (WSJ), demzufolge in dem europäischen Bankenstresstest die möglichen Belastungen durch den Ausfall staatlicher Kreditnehmer ("sovereign risks") nicht in ausreichendem Maße berücksichtigt worden seien. Dies bringt Händlern zufolge neue Unsicherheit. Der UBS-Analyst Alastair Ryan äußerte sich in einer Branchenstudie vorsichtig: Die europäischen Stresstests für die Bankenbranche und die absehbare Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften Basel III sollen für die Banken der Euro-Zone eine solide Basis für die langfristige Sicherung ihrer Gewinne darstellen. Allerdings werde dies geraume Zeit in Anspruch nehmen und das Risiko einer verstärkten Abhängigkeit von der Europäischen Zentralbank EZB steige.

Insgesamt komme auf die neue europäische Bankenwelt ein weniger zuverlässiger und dafür teurerer Finanzierungsbedarf für das Geschäft zu. In einigen Ländern wie Spanien dürfte es schwer werden, die bilanziellen Anforderungen zu finanzieren, zog der Analyst ein Fazit.

Weil das "harte Kernkapital" (Core Tier-1) - im Wesentlichen Grundkapital und einbehaltene Gewinne - der Vorlage zufolge rund 80 (bisher nur 51 Prozent) des Kernkapitals ausmachen soll und damit an Bedeutung gewinnt, verlieren Stille Einlagen und andere hybride Papiere als Kapitalbasis drastisch an Wert.

Der Vorlage zufolge sollen die Banken nur drei Jahre Zeit bekommen, um sich auf die neuen Mindestkapitalquoten einzustellen.

Die Institute müssten nach der Beschlussvorlage, über die auch die Online-Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" berichtete, künftig eine Mindestkapitalquote (Tier-1) von 6 Prozent der risikogewichteten Aktiva einhalten. Bisher sind es 4 Prozent. Dazu soll ein Kapitalerhalts-Puffer von weiteren 3 Prozent kommen, der nur in Krisen angetastet werden kann und mit einem Ausschüttungsverbot verbunden ist. In Boomzeiten müssten sich die Banken sogar mit einem "antizyklischen Puffer" von weiteren 3 Prozent für den folgenden Absturz der Konjunktur wappnen. Damit müssten Banken insgesamt bis zu 12 Prozent Kernkapital vorhalten.

"Die Verunsicherung wegen des neuen Regelwerks ist groß", sagte ein Händler. "Eine Mehrheit der europäischen Banken läge definitiv oberhalb der Kriterien. Einige wären offenbar darunter, aber für das System scheint das machbar", sagte Analyst Antonio Ramirez von Keefe, Bruyette & Woods. Andrew Lim von Matrix glaubt, dass Institute wie HSBC, Barclays oder UniCredit Schwierigkeiten hätten, den Kapitalerhaltspuffer bis 2013 aufzubauen.

(APA)


 
 

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