Chinesische Aktien stehen vor einer “erheblichen” Rally, sagt RCM Asia Pacific. In diesem Jahr ist die chinesische Börse bisher jedoch das Performance- Schlusslicht unter den grossen Märkten. Aber das dürfte sich ändern, wenn die Regierung ihre Straffungsmassnahmen lockert, prognostiziert RCM Asia Pacific.
“Da die Investoren bisher untergewichtet sind, könnte es eine erhebliche Bewegung geben”, wenn die Regierung ihre Kredit-und Immobilienbeschränkungen zurückdreht, erwartet Mark Konyn, der Vorstandsvorsitzende von RCM Asia Pacific. “Es geht um die Wankelmütigkeit der Anleger. China ist da das beste Beispiel. Nachdem Ende letzten Jahres alle enthusiastisch waren, erwies sich 2010 bisher als Desaster.” Unter den 93 weltweiten Aktienindizes, die Bloomberg verfolgt, verzeichnete der Shanghai Composite Index das drittgrösste Jahresminus. Um Blasen bei Vermögenswerten einzudämmen, hat die chinesische Regierung in diesem Jahr die Anzahlungsquoten für Eigenheimverkäufe erhöht und die Banken angewiesen, mehr Kapital als Reserven vorzuhalten.
Seit dem Jahrestief vom 5. Juli hat der Shanghai Index 12 Prozent gewonnen, da Investoren darauf spekulieren, dass die Regierung die Geldpolitik lockern werde, um das Wirtschaftswachstum anzuschieben. Damit reduziert sich der diesjährige Verlust auf 19 Prozent. Der Shanghai-Index legte am Montag 0,7 Prozent auf 2.673,75 Zähler zu, angeschoben von Spekulationen, dass die US-Regierung Massnahmen zur Konjunkturstützung ankündigen werde und US-Arbeitsmarktdaten für August am Freitag besser als erwartet ausfielen. Damit verbessern sich die Aussichten für die chinesischen Exporte. Allerdings sagte Konyn nicht, wann die Regierung ihre Politik lockern dürfte. Morgan Stanley prognostizierte am 2. August, dass die chinesische Politik im vierten Quartal wachstumsfördernd werden dürfte. Hingegen sind Ökonom Jun Ma von der Deutschen Bank AG und Aktienstratege Hao Hong von China International Capital Corp. der Meinung, dass die Regierung angesichts des Inflationsdrucks die Geldpolitik in naher Zukunft wohl nicht lockern werde.
Die chinesischen Märkte brauchen mehr Klarheit über den politischen Kurs und Anzeichen für eine Konjunkturerholung, erst dann können sie steigen, schrieb Macquarie Securities in einer Studie vom 3. September. Das verarbeitende Gewerbe in China wuchs im August stärker, nachdem es im Juli die schwächste Entwicklung seit Anfang 2009 aufwies. Das spricht dafür, dass die Konjunkturabschwächung sich stabilisiert. Das Wirtschaftswachstum dürfte sich im vierten Quartal auf 8,2 Prozent abschwächen, nach 11,9 Prozent im ersten Quartal und 10,3 Prozent im zweiten Quartal, erwartet Citigroup Inc. Die chinesische Wirtschaft hängt “immer noch sehr stark vom Aussenhandel ab. Die Schuldenkrise war ein grosser Rückschlag für die Konjunkturerholung in China”, erläutert Konyn.
Erwin Sanft, Stratege bei BNP in Hongkong, erklärte, er sei bei chinesischen Aktien weiterhin “übergewichtet”. Der Aktienmarkt dürfte anziehen, wenn der freie Cash-Flow sich wieder im positiven Bereich bewege, was im vierten Quartal der Fall sein dürfte, schrieb er in einer Mitteilung an Kunden. Die seit Juli andauernde Erholung bei den chinesischen Aktien dürfte sich diesen Monat fortsetzen, da die Bewertungen bereits die Abschwächung bei den Gewinnen für das zweite Halbjahr widerspiegeln und die Konjunktur bereits den Tiefpunkt erreicht habe, erklärte Industries Securities Co. in einer Analyse.
(Bloomberg)


