Von Nathan Gibbs, Fondsmanager Japanische Aktien bei Schroders
Im Juni dieses Jahres gelang China der Sprung zur zweitgrößten Wirtschaft der Welt. Dies ist für sich genommen zwar eine interessante Schlagzeile, doch für Investoren lautet die wahre Frage, welche Auswirkungen und Perspektiven dieses Wachstum dem Investor in China bietet.
Die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal betrug in Chinas insgesamt 1,337 Billionen US-Dollar, während sich die Japans auf 1,288 Billionen US-Dollar belief. China überholt Japan zwar nicht zum ersten Mal, aber voraussichtlich ist 2010 das Jahr, in dem die chinesische Wirtschaftsleistung diejenige Japans erstmals für ein volles Kalenderjahr übersteigt.
Das auf das Jahr hochgerechnete BIP-Wachstum Chinas im zweiten Quartal belief sich auf 10,3 Prozent. Sollte China diese Wachstumsrate beibehalten, würde das Reich der Mitte die weltweit größte Wirtschaftsnation werden und irgendwann gegen Mitte des Jahres 2020 auch die USA überholen. Aber obwohl sich China somit zur weltweit führenden Produktions- und Exportmacht gemausert hat, bleibt der Wohlstand im Land noch immer ungleichmäßig verteilt und die Wirtschaft im Vergleich zu Mitbewerbern äußerst ineffizient.
China – endlich erwacht der Gigant
Tatsache ist, dass China, ein unvorstellbar großes Land, in wirtschaftlicher Hinsicht extrem ineffizient arbeitet. Was die Einwohnerzahl des Landes betrifft (sie liegt bei 1,3 Milliarden und ist damit ziemlich genau zehn Mal höher als die Einwohnerzahl Japans) würde man erwarten, dass Chinas Wirtschaft größer wäre. Eines darf jedoch nicht vergessen werden: Selbst wenn China sein derzeitiges Wachstum über einen Zeitraum von 25 Jahren halten könnte – was sehr unwahrscheinlich ist – würde es nur knapp Japans Bruttoinlandsprodukt pro Kopf entsprechen. Das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner in China beträgt gerade einmal 3.600 US-Dollar. Das ist weniger als ein Zehntel des japanischen von 40.000 US-Dollar.
Die Wirtschaft Chinas ist auf niedrigem Niveau angelaufen, sie war und ist auch heute noch in vieler Hinsicht höchst ineffizient strukturiert. Japan hat das entgegen gesetzte Problem. Eine sehr effiziente Wirtschaft, der es durch gesättigte Märkte allerdings an Schwung fehlt.
Japan hat viele Probleme – das im Vergleich zu China geringere BIP gehört allerdings nicht dazu
Der Nikkei 225 ist seit Januar ungefähr 13 Porzent gefallen: 2010 ist für Japan bisher ein schwieriges Jahr. Eine schwache Wirtschaft, eine erlahmende inländische und ausländische Nachfrage und ein starker Yen haben die Gewinne exportorientierter japanischer Unternehmen abgewürgt und zu enttäuschenden BIP-Werten im zweiten Quartal geführt. Dennoch gibt das kräftige Wachstum in den Schwellenländern Anlass zu Optimismus.
Das schnelle Wachstum Chinas stellt eine riesige Chance für Japan und ganz Asien dar. Schon heute ist China der wichtigste Wirtschaftspartner Japans, sowohl in Bezug auf Ein- und Ausfuhren als auch im Hinblick auf Investitionen. Da sich das Wachstum in China von der reinen Kapitalbeteiligung hin zum persönlichen Konsum verschiebt, werden voraussichtlich sowohl japanische als auch asiatische Unternehmen weiterhin von dieser Wirtschaftsbeziehung profitieren.









