Der EZB-Rat hat am Morgen in Frankfurt seine regulären Beratungen über den weiteren Kurs der Geldpolitik begonnen. Analysten sind sich darin einig, dass die Währungshüter den Leitzins bei 1 Prozent belassen werden. Ganz oben auf der Agenda der Notenbanker steht dieses Mal die Frage, wie lange die Europäische Zentralbank (EZB) die Banken der Euro-Zone noch an ihrem Tropf lässt und ihnen soviel Geld wie sie auch bei ihr abrufen zum Festzins zur Verfügung stellt. Im Frühjahr hatte die EZB diese sogenannte Vollzuteilung wegen der Probleme in Griechenland und anderen südeuropäischen Ländern bis Oktober verlängert.
Nun muss der EZB-Rat entscheiden, wann er die Rundumversorgung des Finanzsystems aufrechterhalten will. Die öffentliche Diskussion angestoßen hatte der Deutsche Bundesbank-Chef Axel Weber, der sich kürzlich in einem Interview dafür ausgesprochen hatte, den Liquiditätstropf nicht vor dem neuen Jahr abzuhängen. Nach Einschätzung von Experten dürfte die Mehrheit im EZB-Rat sich Weber anschließen. Der im Frühjahr verschobene Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik würde dann spätestens Anfang 2011 erneut Thema werden - falls die Konjunkturerholung stabil weitergeht und bis dahin keine neuen Brandherde im Finanzsystem aufflammen.
(APA)


