Eine aktuelle Studie des britischen Vermögensverwalters Schroders zeigt, dass in Bezug auf internationale Investitionen Bauchgefühl und Kopfentscheidungen bei österreichischen Privatanlegern auseinanderklaffen. Das erstmalig in Zusammenarbeit mit der GfK in Österreich durchgeführte Schroders Investmentbarometer zeigt, dass 70 Prozent der Befragten China als die ökonomische Supermacht von morgen sieht und über die Hälfte (53 Prozent) es für sinnvoll hält, dort in den nächsten 24 Monaten zu investieren. Umsetzen wollen diese Erkenntnis aber nur 15 Prozent.
Als Grund für die Nichtberücksichtigung internationaler Kapitalanlagen nennen 55 Prozent der Anleger ein zu hohes Risiko, 43 Prozent geben an, sich zu wenig auszukennen. Die Neigung zu Anlagen aus dem Heimatmarkt reflektiert diese Risikoscheu: 85 Prozent der Befragten waren 2010 überwiegend in Österreich investiert, 47 Prozent in Europa. Als Anlageziel spielen China mit einem Anteil von zwölf Prozent, Indien (acht Prozent), das übrige Asien (elf Prozent) sowie Lateinamerika und Russland mit einem Anteil von fünf und acht Prozent eine untergeordnete Rolle. 15 Prozent der Befragten gaben sogar an, dass ihnen noch nie internationale Kapitalanlagen angeboten wurden.
Verstärkt wird die Sicherheitsneigung privater Investoren vor allem durch die Angst vor einer globalen Rezession (49 Prozent geben dies als das größte Risiko für Kapitalanlagen an). Österreichische Privatanleger fürchten außerdem eine hohe Inflation (38 Prozent) und sinkende Kurse am Aktienmarkt (36 Prozent). „Das Investitionsverhalten vieler Privatanleger bleibt von Angst geprägt“, erläutert Joachim Nareike, Direktor Vertrieb Österreich bei Schroder Investment Management, „die notwendige Diversifikation wird weiterhin vernachlässigt. Anlegern entgehen dadurch nicht nur Renditechancen, sondern durch die geringe Streuung erhöhen sie auch das Risiko in ihrem Portfolio.“ Denn obwohl 19 Prozent der Anleger das drohende Auseinanderbrechen der Eurozone als derzeit größtes Risiko für Kapitalanlagen betrachten, werden die Investitionen außerhalb Europas kaum verändert. Anleger erkennen offenbar Gefahren, handeln aber nicht entsprechend.
Der Anteil „absolut sicherheitsorientierter“ Privatanleger liegt bei in Österreich 61 Prozent, ist im Vergleich zu Deutschland aber weniger stark ausgeprägt (79 Prozent in Deutschland). Auch in der Produktpräferenz ist der österreichische Privatanleger weniger konservativ als der deutsche. 61 Prozent der Österreicher besitzen Festgeld beziehungsweise Tagesgeldkonten und jeweils 60 Prozent halten Investmentfondsanteile und Aktien. „Es gibt nach wie vor ein starkes Informationsdefizit bei Anlegern,“ resümiert Joachim Nareike, „hier wartet viel Arbeit auf die Kapitalanlagebranche, denn solange Anleger nicht selbst über die nötigen Kenntnisse verfügen, sind sie auf fundierte Beratung und hohe Produktqualität angewiesen.“ Die wichtigsten Aufgaben der Berater sind die Aufklärung über die Vorteile einer breiten Diversifikation, gerade wegen der Finanzkrise und der entstandenen Unsicherheiten.









