One-on-One mit Sanjiv Duggal, Investment Director, Equities bei HSBC Global Investment zum Thema Indien
Könnte ein Anstieg der Inflation und steigende Löhne die Wettbewerbsfähigkeit Indiens negativ beeinflussen?
Sanjiv Duggal: Eine hohe Inflation und steigende Löhne würden Indiens Wettbewerbsfähigkeit negativ beeinflussen, sowohl absolut betrachtet aber auch, im Vergleich zu anderen wichtigen Handelspartnern.
In Bezug auf die Inflation erwarten wir in diesem Quartal (3. Quartal, 2010) einen Höhepunkt und einen darauf folgenden Abfall, trotz der relativ hohen Lohninflation, hervorgerufen durch die schnell wachsende Wirtschaft. Zukünftig erwarten wir, dass die Löhne weiterhin steigen sollten.
Vor ein paar Monaten hob Indien die Regelung auf, dass an staatlichen Unternehmen mindestens 25% der Anteile privatwirtschaftlich gehalten werden müssen. Was war der Grund für diese Entscheidung und welche Auswirkungen sind zu erwarten?
Duggal: Indien hob nach nur zwei Monaten die Regelung auf, dass staatliche Unternehmen mindestens 25% ihrer Anteile privatwirtschaftlich handeln müssen. Nun sind staatliche Unternehmen dazu verpflichtet in drei Jahren ein Minimum von 10% privater Anteilseigner zu haben. Die private Beteiligung an nicht staatlichen Unternehmen muss aber weiterhin mindestens 25% betragen.
Wir sind uns nicht ganz sicher, welche Gründe zur Umkehrung dieser Regelung geführt haben. Dennoch sind wir von dieser Entscheidung enttäuscht, da eine 25%-ige Streubesitzregelung einen Rückgang der Staatsbeteiligung an öffentlichen Unternehmen zur Folge gehabt hätte. Dadurch wäre es möglich gewesen, Gelder zur Reduktion des Haushaltsdefizits aufzubringen.
Die State Bank of India hat den Sensex Index dieses Jahr signifikant übertroffen. Ist sie immer noch unter den Top-5-Positionen des Indian Equity Fonds? Wie ist ihre Einschätzung zum Bankensektor?
Duggal: Die State Bank of India, die größte Bank des Landes, war in diesem Jahr unter den Top-5-Positionen des Indian Equity Fonds. Die Wertentwicklung der Aktie war in den ersten Monaten dieses Jahres eher schleppend, sie hat aber in den letzten Monaten stark zugelegt. Seit Jahresbeginn ist die Aktie um rund 23% gestiegen und übertraf damit den Sensex Index, der um 5,4% gestiegen ist (Daten per 19.8.2010). Die State Bank of India ist eine der staatseigenen Banken, in die ausländische Anleger weiterhin unbeschränkt investieren können. Alle anderen Banken im öffentlichen Sektor haben bereits die zulässige Investitionsschwelle für ausländische Anleger erreicht. Demzufolge können ausländische Investoren hier keine weiteren Anteile erwerben. Der Aktienkurs der State Bank of India erreichte Mitte August ein Rekordhoch, nachdem es die höchste Gewinnsteigerung der letzten vier Quartale gemeldet hat. Das beschleunigende Wirtschaftswachstum trieb die Kreditnachfrage und die Gewinne der Retail Banken an. Das Nettoeinkommen stieg um 25% auf 622 Millionen US Dollar im zweiten Quartal 2010, welches die Markterwartungen übertraf. Basierend auf diesen Ergebnissen denken wir, dass die State Bank of India weiterhin eine relativ starke Performance erzielen wird.
Im Bankensektor bleiben wir untergewichtet, da die Bewertungen der Banken im privaten Sektor sehr hoch sind. Dennoch haben wir unsere Untergewichtung im Bankensektor durch den Erwerb der State Bank of India Aktien reduziert.
Im Juli erzielten die Autoverkäufe in Indien ein Rekordhoch. Wie sind ihre Erwartungen in dem Sektor?
Duggal: Grundsätzlich bleiben wir positiv gestimmt und sind seit dem Börsengang von Maruti Suzuki in 2003 übergewichtet in der zyklischen Konsumbranche. Nach unseren Einschätzungen könnte die inländische Automobilnachfrage, die historisch um 13 bis 15% p.a. gewachsen ist, auf circa 20% p.a. ansteigen. Wir sind der Meinung, dass Indien sich hinsichtlich der Automobilnachfrage an einem Wendepunkt befindet, was auf die steigenden Einkommen und das robuste Wirtschaftswachstum zurückzuführen ist. Wir sehen Maruti Suzuki als einzige reine Automobilfirma, welche auf dem inländischen Markt agiert. Aktien der Automobilbranche machten im Juni rund 8% des Portfolios aus.
Berichten zufolge erzeugt Indien sechs mal weniger Elektrizität als China. Gibt es einen Energieengpass in Indien? Wie ist Ihre Einschätzung?
Duggal: Indien hat in der Tat einen Versorgungsengpass durch die rasant wachsende Wirtschaft, begünstigt durch Entwicklungen wie die Urbanisierung, steigendem Konsum sowie einer steigenden Nachfrage nach weißer Ware. Dieser Engpass wird einige Zeit andauern, obwohl der private Sektor sehr bemüht ist weitere Kapazitäten neu zu schaffen. Deshalb stehen wir dem Energiesektor positiv gegenüber. Eine unserer Top-5-Positionen, neben der State Bank of India und Maruti Suzuki, ist Jindal Steel & Power, einer der größten Energiehändler des Landes. Aufgrund der Marktstellung von Jindal Steel & Power erhalten sie, anstelle des staatlich regulierten Tarifs, den Marktpreis für die Energie die sie verkaufen.
Demzufolge sind wir im Energieversorgersektor zuversichtlich und haben unsere Position in diesem Unternehmen weiter aufgestockt. Insgesamt betrachten wir dies als weiteren Ausbau unserer zunehmenden defensiven Positionierung des Portfolios.
Welche wesentlichen Portfolioveränderungen gab es im Juli und welchen Gründe unterlagen diesen Entscheidungen?
Duggal: Im Juli hat es keine wesentlichen Portfolioveränderungen gegeben. Wie zuvor bereits erwähnt, werden wir schrittweise eine tendenziell defensivere Ausrichtung einnehmen. Aufgrund der aktuellen Marktentwicklung hat es eine Reduzierung der Portfoliogewichtung von Maruti Suzuki gegeben. Dies geschah nachdem negative Neuigkeiten zu einer starken Korrektur im Aktienkurs geführt hatten.
Ungeachtet dessen, ist der Juli meiner Meinung nach einer der besten Monate des Jahres bzw. einer der wenigen Monate, in denen wir die Benchmark schlagen konnten. Diese Entwicklung setzt sich auch im August fort und gegenwärtig liegt das Portfolio seit Jahresbeginn ebenfalls vor der Benchmark. Die außergewöhnlich starke Entwicklung der letzten drei Monate hat dazu beigetragen, dass der Fonds sich erneut in Richtung erstes Quartil im Peergroupvergleich bewegt. Während der Fonds auf Jahresbasis betrachtet etwas schwächelte und im vierten Quartil eingeordnet war, gehe ich davon aus, dass der Fonds bis Mitte August in das dritte Quartil aufsteigen wird.


