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Kreditkarten-Wucher in den USA   Facebook be



26.08.2010
 
Satte Zinsen beim Plastikgeld (von Daniel Schnettler, dpa)

Seine Kreditkarte ist schon so manchem US-Amerikaner zum Verhängnis geworden. Das Plastikgeld verleitet zum ungebremsten Shopping. Das böse Erwachen kommt beim Blick auf die monatliche Rechnung. Die Amerikaner sind gnadenlos überschuldet.

Anders als in Deutschland, wo der Händler über eine kleine Gebühr die Zeche zahlt, gesellen sich in den USA zu den Ausgaben auch noch satte Zinsen. Im Durchschnitt mussten die Kreditkartennutzer im zweiten Quartal 14,7 Prozent berappen, wie der Marktforscher Synovate ausgerechnet hat. Das ist der höchste Stand seit 2001. Im Vorjahreszeitraum wurden noch 13,1 Prozent fällig.

Der Hintergrund für den Sprung: Seit dem Wochenende gelten schärfere Gesetze, um die Kreditkartennutzer davor zu bewahren, in die Schuldenfalle zu tappen. US-Präsident Barack Obama hat es den Kreditkartenfirmen und Banken erschwert, die Zinsen im Nachhinein klammheimlich anzuheben. Auch müssen sich die Finanzunternehmen bescheiden, was Strafgebühren angeht, wenn ein Kunde etwa seine Rechnung zu spät bezahlt.

Um die Einnahmeverluste auszugleichen, haben die Institute die Zinsen für die Kreditkarten in den vergangenen Monaten angehoben. Bei der US-Großbank JPMorgen Chase werden bei einem Neuabschluss nun im günstigsten Falle 12,99 Prozent fällig, im schlimmsten Falle satte 22,99 Prozent. Der Konkurrent Capitol One verlangt sogar bis zu 24,90 Prozent.

Wie hoch die Zinsen genau liegen, das hängt ganz von der Kreditwürdigkeit des Kunden ab. Was einen Menschen kreditwürdig macht, darüber haben die amerikanischen Banken aber ihre ganz eigenen Ansichten. In den USA gilt: Nur wer viel auf Karte einkauft - also Schulden macht -, ist auch ein guter Kunde und bekommt die niedrigen Zinssätze. Punktabzüge gibt es für denjenigen, der seine Rechnungen nicht pünktlich zahlt.

Das Zauberwort lautet "Credit History". Ohne einen lupenreinen Finanz-Lebenslauf sind die Vereinigten Staaten ein teures Pflaster bei Einkäufen auf Pump. Nicht nur säumige Zahler bekommen das zu spüren, auch Neuankömmlinge. Frisch zugezogene Ausländer müssen erst mal den Höchstsatz hinnehmen - sofern sie überhaupt eine Kreditkarte bekommen.

Trotz der jüngsten Preiserhöhungen erfreut sich das Plastikgeld wachsender Beliebtheit. Die Rezession scheint bei vielen Menschen vergessen, stattdessen kaufen sie wieder fleißig ein. Bei American Express kam der durchschnittliche Kunde in den USA im zweiten Quartal auf Ausgaben von 3.288 Dollar (2.607 Euro). Im Vorjahreszeitraum, als die Wirtschaftskrise schwer wütete, waren es 2.712 Dollar. Auch Branchenprimus Visa meldete zuletzt bessere Geschäfte.

Dabei liegt die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten immer noch bei rund 10 Prozent. Und so können viele Kreditkartennutzer ihre Schulden weiterhin nicht zurückzahlen. Die Ausfälle gehen in die Milliarden. Die Zeche zahlen letztlich die pflichtbewusst zahlenden Kartennutzer - durch hohe Zinsen.

(dpa/APA)


 
 

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