Mangels brauchbarer Indizes auf Silberminen wurde 2006 von silberinfo.com der SIX Silberminenindex ins Leben gerufen. Er umfasst derzeit 16 Gesellschaften, die nicht mit ihrer Börsenkapitalisierung, sondern mit den Faktoren 1 und 2 gewichtet sind. Dies entspricht bei der aktuellen Indexgestaltung einem Gewicht von rund 3,6% und 7,2%. 10 dieser Unternehmen sind primär in Canada börsennotiert, 3 in New York, 2 in London und eines in Frankfurt. Für die Aufnahme in den Index gelten folgende Mindestvoraussetzungen:
1. 90% der Förderung in geopolitisch stabilen Regionen oder Ländern.
2. Es müssen bereits Ressourcen nachweisbar oder aufgrund der Bohrergebnisse plausibel sein.
3. Das Management muss in der Vergangenheit bereits Erfolge bei der Metallförderung in dem Minenbetrieb gehabt haben
4. Die Stammaktie oder das GDR muss kapitalmarktfähig sein und auch in Frankfurt notieren
5. 30% der Einkünfte müssen vom Silber kommen oder der künftige Folkus muss auf Silber liegen
6. Es dürfen nicht mehr als 20% einer Jahresproduktion oder 5% der Ressourcen vorwärtsverkauft sein.
Details gibt es dazu hier: http://www.silberinfo.com/
Den Chart und die Indexzusammensetzung findet man hier: http://www.silberinfo.com/
Der 2006 mit 100 begonnene Index überschritt 2007 mehrmals knapp 140 Punkte, fiel Ende 2008 bis auf rund 25 (!) Punkte und notiert aktuell knapp unter 100 (Mitte 2010 knapp 110). Dies zeigt die große Volatilität der Silberminen, die spekulativ sehr interessant erscheinen, aber auch gute Nerven erfordern (hierbei ist allerdings anzumerken, dass die Frankfurter Kurse der Minenaktien in volatilen Börsenzeiten deutlich von den Kursen auf den Hauptbörsen abweichen können, sodass der Index basierend auf den Primärnotierungen eine geringere Volatilität hätte).
Interview mit Joachim Schwarze, Geschäftsführender Gesellschafter von silberinfo.com GbR
Börseexpress: Was war der Anlass, den SIX Silberminenindex zu gründen?
silberinfo: Wir haben den SIX aufgelegt, weil es zum Zeitpunkt der Gründung am 15.09.2006 zwar zahlreiche Goldminen-Indices gab, reine Silberminen-Indices allerdings fast nicht zu finden waren.
BE: Warum hat man eine zweistufige Gleichgewichtung der Komponenten gewählt, anstatt eine Börsenkapitalisierungs-Gewichtung?
silberinfo: Der Silbermarkt ist sehr klein, die 'Großen' der Branche (hinsichtlich der Börsenkapitalisierung) kann man an einer Hand abzählen. Wir wollten nicht, dass diese Firmen, bei welchen wir nicht notwendigerweise das beste Chancen-/Risikoverhältnis sehen, eine zu große Gewichtung erhielten.
Der SIX wurde bewusst als aktiv gemanagter Index aufgelegt; würden wir uns (sowohl bezüglich der Auswahl der Firmen, als auch bezüglich der Gewichtung) zu stark an der Börsenkapitalisierung orientieren, so würde sich der Index kaum von anderen (passiven) Silber-Indices unterscheiden. Die Existenzberechtigung wäre letztendlich nicht gegeben, da jedermann (auch ein Computer) z.B. die 15 größten Silbergesellschaften herauspicken und entsprechend ihrer Börsenkapitalisierung zu einem Index verrechnen kann.
BE: Was auffällt, ist, dass Unternehmen, die eigentlich meist bei den Silberminen erwähnt werden, im Index fehlen: Industrias Penoles (ich nehme an, ist zu breit gestreut und ihre Beteiligung Fresnillo ist ja erfasst?) Polymetal, Couer d'Alene, Hecla, Minefinders, Scorpio Silver)
silberinfo: Dies läuft letztlich auch auf die Antwort zu Frage 1 heraus - es handelt sich um einen aktiv gemanagten Index, in welchen wir gewisse Unternehmen bewusst aufgenommen haben (auch wenn sich diese z.B. von der Börsenkapitalisierung her nicht aufdrängen) und andere Gesellschaften eben nicht. Gründe für die Aufnahme, bzw. Nichtaufnahme können je nach Gesellschaft folgende sein (nicht abschließend): Qualität der Projekte, Einschätzung des Managements, Bilanz der Gesellschaften (Schuldensituation etc.), politische Risiken, etc. Ein Ausschlusskriterium für uns sind auch größere Vorwärtsverkäufe (Hedging). Auch mangelhafter Zugang zu Informationen kann ein Grund sein, weswegen eine Gesellschaft nicht aufgenommen wurde (z.B. Industrias Penoles, welche daneben wie Sie es sagen für uns zu weit gestreut sind und deren Silberteil durch Fresnillo weitgehend erfasst wurde).
BE: Welche Silberminenindizes gibt es eigentlich noch?
silberinfo: Uns sind eigentlich keine reinen Silberminenindizes bekannt, welche übergreifend verwendet und akzeptiert werden. Natürlich haben viele Banken Indices und Baskets kreiert, um mit Zertifikaten etc. vom Edelmetall-Boom zu profitieren. Aber es gibt für Silberminen unseres Wissens nichts Vergleichbares zum HUI bei den Goldminen. Das ist ja auch der Grund für die Auflage des SIX.
BE: Wird der SIX in irgendeinem Produkt abgebildet (d.h. gibt es Fonds, Zertifikate, die sich an ihm orientieren)?
silberinfo: Derzeit nicht, allerdings wurden diesbezüglich Pläne an uns herangetragen. Vielleicht ändert sich das.
BE: Gibt es außer dem jüngst aufgelegten GlobalX Silver Miners ETF überhaupt noch aktive oder passive Silberminenfonds.
silberinfo: Es gibt natürlich sehr viele Minenfonds, welche gemischt Gold- und Silberminen im Inventar haben. Dann gibt es z.B. den Stabilitas Weissmetall-Fonds, wo der Fokus auf die weißen Edelmetalle gelegt wurde. Daneben gibt es von Banken definierte Baskets auf Silberminen - letztendlich ist aber wirklich nicht viel am Markt, das sich auf Silber fokussiert. Angesichts der Chancen auf dem Silbermarkt eröffnet sich hier eine Marktlücke, welche wir mit dem SIX (zumindest teilweise) abdecken möchten.
BE: Was ist Ihre Meinung zum GlobalX Silver Miners ETF? Über die Hälfte der Assets sind in Fresnillo, Silver Wheaton, Penoles, Pan American. Wird damit der Silberminenmarkt angemessen abgebildet?
silberinfo: Damit sind sicher die wichtigsten im Sinne von 'größten' Silbergesellschaften abgedeckt worden. Und ohne Zweifel sind dies qualitativ hochwertige Gesellschaften. Der Fonds ist allerdings sehr stark auf die 4 genannten Gesellschaften fokussiert, was wir als Nachteil ansehen, insbesondere auch hinsichtlich der Tatsache, dass Industrias Penoles und Fresnillo mit großen Anteilen gewichtet sind. Unsere Antwort dazu ergibt sich eben teilweise schon aus unserer Antwort zu Frage 1 - wir denken, dass mit einer Auswahl, welche sich weniger an der Marktkapitalisierung orientiert, allenfalls langfristig bessere Ergebnisse eingefahren werden können. Ein ETF muss sich allerdings wohl stärker als wir am "Silber-Mainstream" orientieren.
BE: Wie groß ist eigentlich die gemeinsame Börsenkapitalisierung der SIX-Minenunternehmen?
silberinfo: Per 16.08.2010 beträgt die Marktkapitalisierung 41,5 Milliarden USD, was in etwa 32,5 Milliarden Euro entspricht. Die enthaltenden Werte und den jeweiligen Tagesumsatz könne Sie auf unserer Webseite unter http://www.silberinfo.com/ einsehen.
BE: Vielen Dank
(cr)


