Dieses Eindrucks kann man sich nicht erwehren, wenn man folgendes Statement der Kommission liest, welche die Verwendung der Mittel aus dem ursprünglich 700 Mrd. USD umfassenden Rettungsfonds Tarp überwacht.
"Frankreich und Deutschland gehörten zu den größten Begünstigten der Hilfsaktion für AIG, dennoch liegt das gesamte Risiko von 70 Mrd. Dollar im Zusammenhang mit den Kapitalhilfen für AIG bei der US-Regierung", kann man im jüngsten Bericht des Gremiums erfahren. "Die meisten anderen Nationen richteten ihre Rettungsaktionen enger auf Institute aus, die in vielen Fällen keine großen Aktivitäten in den USA hatten", beschwert sich Kommissionsvorsitzende Elizabeth Warren. ( http://www.ftd.de/ ).
Das Risiko dieser Transaktion sei nämlich größer als das gesamte französische Rekapitalisierungsprogramm Frankreichs und nahezu halb so groß wie das deutsche. Beide Länder hätten von der Rettungsaktion profitiert, ohne dafür einen Teil des Risikos zu tragen.
Über diese ziemlich anmaßenden Beschwerden kann man sich nur wundern. Schließlich hat die gesamte Kreditkrise in den USA ihren Ausgang genommen (und nicht in Europa), indem amerikanische Banken faule Kredite bündelten und weiterverkauften (wobei etliche europäische Banken dumm genug waren, sich diesen Müll aufschwatzen zu lassen). Zudem hat sich in den Untersuchungen herausgestellt, dass den Verantwortlichen bei gewissen US-Banken zumindest zum Teil sehr wohl klar war, wie es um diese Kredite bestellt war.
Aber politische Unverschämtheit jenseits des Atlantiks ist schließlich nichts Neues. Basiert schließlich das gesamte amerikanische Wirtschaftswunder seit den 70er Jahren zu einem guten Teil nur darauf, dass das ganze Land über seine Verhältnisse lebt und in Europa und Asien Güter und Leistungen (und vor allem Öl) einkauft, die mit wertlosen Dollars bezahlt werden, die man sich nach Belieben drucken kann. Bereits die Aufgabe der Gold-Devisendeckung durch Nixon 1971 war ein Betrug an den Dollar-Gläubigern, die plötzlich auf massiv abgewerteten Dollars saßen (bis dahin konnten Devisenausländer die Dollars in Gold tauschen). Der Status des Dollars als Weltreservewährung und der Mißbrauch dieses Privilegs ermöglichten auch erst das Führen der unzähligen schmutzigen Kriege und das Mitmischen in lokalen Konflikten sowie die exorbitante Aufrüstung in den letzten vier Jahrzehnten, indem ein Teil der Kosten dafür über den verfallenden Dollar den Gläubigerländern aufgebürdet wurde. Doch wie es aussieht, sind die Tage des Dollars als Weltreservewährung gezählt und entsprechend nervös wird man jenseits des Atlantiks. Ist es doch über kurz oder lang vorbei mit dem Leben im Schlaraffenland auf Kosten der anderen. Wermutstropfen ist, dass darunter natürlich auch die gesamte Weltwirtschaft leidet, wenn ein Großimporteur wie die USA ausfällt. Und man kann nur hoffen, dass als letzter Ausweg nicht wieder ein Krieg ähnlich dem Irak-Krieg angezettelt wird, um die Vormachtstellung des Dollars zu verteidigen und von den inneren Problemen abzulenken. Marc Faber ist bekanntlich in dieser Hinsicht wenig optimistisch.
(cr)









