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Gold(minen)

Gold und Goldminen sind zwei Paar Schuhe - Interview mit Martin Siegel   Facebook be



10.08.2010
 
Derzeit geringere Goldnachfrage - aber Griechenland, Spanien, Portugal, Irland, Italien, GB und die USA sind so bankrott wie vor 3 Monaten

BE: Im Manager-Magazin war unlängst ein Artikel zu lesen, dass für jemanden, der die Goldhausse versäumt habe, Goldminenaktien eine Alternative wären, weil sie kaum gestiegen seien ( http://www.manager-magazin.de/ ). Nun hat sich allerdings der XAU-Index seit 2001 verfünffacht, der HUI verzehnfacht. Andererseits sind die Goldminenindizes in etwa auf dem Niveau von 2006, während Gold seither deutlich gestiegen ist. Halten Sie ein Investment in Goldminen als Ersatz für ein Goldinvestment sinnvoll? Was soll jemand tun, der erst jetzt Gold als Investmentmöglichkeit entdeckt hat?

Martin Siegel: Grundsätzlich sind Gold und Goldminenaktien unterschiedliche Investments und nicht einfach austauschbar. Goldminenaktien unterliegen dem unternehmerischen Risiko. Da sich die Aktienkursentwicklung der Goldminen aber an der Gewinnentwicklung und nicht nach dem Goldpreis richtet, weisen Goldminenaktien gegenüber dem Goldpreis einen Hebel auf. Zwischen 2006 und 2010 sind die Produktionskosten teilweise schneller gestiegen als der Goldpreis, so dass die Gewinne der Goldminenaktien zeitweise trotz des gestiegenen Goldpreises rückläufig waren. Im Vergleich zu früher werden die Goldminenaktien aktuell aber auch mit einem niedrigeren KGV bewertet, so dass durchaus Gewinnpotential – auch bei einem gleichbleibenden Goldpreis- besteht.


BE: Bis in die letzte Zeit waren etliche (auch große) Goldminen so gehedget, dass sie von steigenden Goldpreisen nicht profitierten, im Gegenteil. Angeblich wurden auch etliche Goldminen von der "Wallstreet-Mafia" (d.h. von gewissen großen Geschäftsbanken) mittels der bei ihnen ausstehenden Kredite gezwungen, auf fallende Goldpreise zu setzen (was z.B. Ashanti-Gold in den Konkurs trieb. Wie sieht es inzwischen aus? Sind diese Hedgepositionen endlich aufgelöst oder kann es dem Anleger immer noch passieren, eine Goldmine zu erwischen, die bei steigenden Goldpreisen Geld verliert?


Martin Siegel: Tatsächlich haben die Vorwärtsverkäufe der Goldminenproduzenten bei vielen Gesellschaften die Gewinne aus dem steigenden Goldpreis in die Kassen der Banken gespült. Mittlerweile gibt es nur noch wenige Goldproduzenten, die größere Teile ihrer Produktion auf Termin verkaufen oder noch unter früher eingegangenen Vorwärtsverkaufspositionen leiden. Bei der Analyse muss dieser Punkt auch weiterhin geprüft werden.


BE: Was tut sich derzeit überhaupt bei den Goldminenfonds? Nachdem noch 1999 - vor Beginn der Hausse - die meisten geschlossen wurden - gibt es seither einen großen Zuwachs an Goldminenfonds bzw. im Volumen bei den vorhandenen?

Martin Siegel: Die größten Kapitalzuwächse wurden in den Jahren 2001 bis 2003 und zwischen 2005 und 2007 verzeichnet. Die Anzahl der Fonds hat sich in den letzten 10 Jahren etwa verdreifacht, das Volumen sicherlich verzehnfacht.

BE: Die Goldförderung wird immer teurer, weil die Vorkommen schwinden, die Umweltauflagen steigen usw. Wo sehen Sie den Goldpreis, der aktuell eine durchschnittliche Goldmine positiv wirtschaften lässt?

Martin Siegel: Um die aktuelle Jahresförderung aufrecht erhalten zu können muss der Goldpreis dauerhaft auf ein Niveau von etwa 1.600 $/oz ansteigen.

BE. Worauf sollte ein Anleger achten: Bei der Goldminenfondswahl bzw. wenn er direkt veranlagen möchte, bei der Goldminenaktienwahl?

Martin Siegel: Die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl der Goldminenaktien sind die Gewinnfähigkeit, die Goldreserven, die Qualität des Managements und das Länderrisiko. Bei Goldminenaktienfonds sollten die Chancen und Risiken in den investierten Goldproduzenten ausgewogen sein. Darüber gibt die Performance in der Vergangenheit einen guten Hinweis, da die Anlagestrategie in der Regel nicht geändert wird.

BE: Zuletzt noch eine Frage an Sie als Goldhändler: Wie stellt sich aktuell die Lage nach dem Goldboom wegen der Griechenlandkrise dar? Befindet sich die private Goldnachfrage noch auf einem hohen Niveau?

Martin Siegel: Während der akuten Phase der Krise stieg die Goldnachfrage zwischen 300 und 500 % und hat sich in der Zwischenzeit wieder normalisiert. Dabei sind Griechenland, Spanien, Portugal, Irland, Italien, Großbritannien und die USA genau so bankrott wie vor 3 Monaten und jetzt kann in aller Ruhe und zu niedrigeren Preisen der Goldbestand aufgebaut werden, um beim nächsten Schritt der Abwicklung unseres maroden Papiergeldsystems dem Goldpreisanstieg gelassen zuschauen zu können.

BE: Danke für das Interview



++++++

Martin Siegel ist ein bekannter Goldmarktexperte und verfasste zwischen 1993 und 1998 insgesamt 8 Bücher über die Analyse des Goldmarktes und der Goldminenaktien. Er war zwischen 1988 und 2008 Herausgeber der Zeitschrift "Der Goldmarkt", wurde mehrfach als Berater des PEH-Q-Goldmines Fonds ausgezeichnet (bester Goldminenfonds 2001 und 2007) und ist bekannt durch Vorträge, Artikel in Zeitschriften und Fernsehinterviews. Heute berät er den Stabilitas Pacific Gold + Metals Fonds (bester Goldminenfonds 2009). Martin Siegel ist Gründer und Geschäftsführer der Westgold GmbH & Co KG (www.westgold.de)
(cr)


 
 

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