Double Dip

Die Krise II wetzt schon die Messer - kritische Experten sind pessimistisch   Facebook be



06.08.2010
 
Jubel über (Schein)erholung verfrüht

Der Optimismus, der zunehmend verbreitet wird, dass die Wirtschaftskrise vorbei sei, ist wohl mehr Wunschdenken als Realität. Auch positive Konjunkturindikatoren wie Einkaufsmanagerindizes und bessere Industrieauslastung sollten darüber nicht hinwegtäuschen. Im Untergrund brodelt die Krise weiter und wartet nur auf den nächsten Ausbruch. Mit selten so klaren Worten beschreibt dies FTD-Kolumnist Wolfgang Münchau: „Wer diese Krise jetzt schon hinter sich wähnt, hat deren tief liegende Ursachen nie begriffen. Und diese wesentlichen Gründe bestehen nicht nur fort, sie werden sich in den nächsten Jahren zum Teil noch verschärfen.“ In den USA fallen nicht nur die Immobilienumsätze wieder, auch die Preise geben laut Immobilienhändlern bereits wieder nach. „Was wir jetzt erleben, sind die Vorboten eines Double Dip, einer doppelten Rezession im Häusermarkt“, warnt Münchau ( http://www.ftd.de/ ). Und solange der US-Immobilienmarkt nicht zur Ruhe kommt, wird sich weder der Bankensektor noch die Gesamtwirtschaft nachhaltig erholen.

Klare Worte hat auch Analyst Jim Willie, der über die US-Wirtschaftspolitik schreibt: „Das Land wird von Dummen beherrscht“ und: „Bernankes Track-Rekord ist fast vollständig: nie richtig bei Prognosen, keine effektiven Resultate, ständig auf dumme („silly“) Maßnahmen fixiert, den Congress belügend. Priorität für die Macher der Geldpolitik hat einzig der Nutzen für das Wall Street-Finanzsyndikat. „Der FED sind die Werkzeuge ausgegangen – es bleibt nur noch massive monetäre Inflation.“ Seine Konklusio: „Das führt zu sinkenden Immobilienpreisen, wie nach dem Tag die Nacht kommt. Der Verfall der US-Wirtschaft wird sich verschlimmern und in eine großangelegte zweite Runde quantitativen Easings münden. Das wird die Aufmerksamkeit auf die rasch verfallenden und verrottenden Währungen lenken und den Goldpreis nach oben drücken“ (den vollen Artikel im Original findet man hier: http://news.goldseek.com/ , in deutsch hier: http://www.goldseiten.de/ ).

David Rosenberg, einer der wenigen US-Ökonomen, der nicht mit der Masse läuft, sieht das internationale Währungssystem ebenfalls nicht aus der Krise kommen und erwartet entsprechende Anstiege im Goldpreis, wobei er die derzeitigen Rückschläge als Kaufgelegenheit ansieht ( http://seekingalpha.com/ ).

Auch der Guru-Status genießende Bill Gross (Chef des weltgrößten Anleiheinvestors PIMCO) sieht auf die Anleger harte Zeiten zukommen: „Obwohl in den vergangenen Jahrzehnten drei Milliarden neue Konsumenten aus China, Indien und anderen Ländern hinzugekommen sind, mangelt es an gesamter globaler Nachfrage oder es herrscht gar ein Unwille oder eine Unfähigkeit, sie weiter zu finanzieren. Langsames Wachstum in der entwickelten Welt, unzureichend hohe Konsumnachfrage aus den Emerging Markets und scheinbar unerklärlich niedrige Erträge in den Investmentsportfolios – bei Aktien und Anleihen – liegen vor uns.“ ( http://de.pimco.com/ ). Für einige Staaten Südeuropas sieht er auch keinen Weg an einer Umschuldung (d.h. Bankrott) vorbei.

Marc Faber
hat in seinem jüngsten Gloom, Boom & Doom Report“ vom 29. Juli seine Auffassung über eine kommende Inflation bekräftigt: ... die Lebenshaltungskosten werden weit stärker steigen, als es der Verbraucherpreisindex ahnen lässt.“ Ursachen sind laut Faber zunehmende Steuerbelastungen, steigende Kosten für die Meeres-Ölförderung und die Gesundheitsfürsorge. Und: „... die Preise für Waren aus China werden kaum noch viel weiter fallen, da sich die Inflation bei den Löhnen vermutlich beschleunigt.“ Dass die Produktionskosten in China vielen Herstellern bereits zu hoch sind, liest man inzwischen fast täglich. Seine Konklusio: „...die deflationären Kräfte der 80er und 90er Jahre liegen im Wesentlichen hinter uns“.
(cr)


 
 

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