BE: Herr Fasching, Goldkonten sind in Österreich wenig bekannt, wie viele Anleger investieren eigentlich bei Ihnen über Goldkonten?
Fasching: Das machen relativ wenige, weil es kein Sondervermögen im Konkursfall ist. Es ist juristisch nicht möglich, das auszuschließen, wenn man es nicht explizit als zugewiesenes Metallkonto führt, wir haben es bereits versucht. Wenn wir ein Goldkonto führen, hat dies für den Kunden einige Vorteile: Er erspart sich die Lagerung, den Transport, die Versicherung, hat eine bessere Geld/Briefspanne, und kann jederzeit kaufen und verkaufen. Erst im Fall der physischen Ausfolgung werden die Kosten verrechnet (aktuell je 1000g Barren 40 Euro, je 500g 33 Euro, je 250g 26 Euro, die Lieferzeit beträgt maximal 5 Tage). Der Vorteil für die Ögussa ist umgekehrt, dass wir mit dem Gold arbeiten (so wie eine Bank mit den Geldeinlagen). Daher bringt es uns nichts, wenn wir das Gold als Sondervermögen mit einem Namensschild des Eigentümers im Regal liegen hätten. Das heißt nun aber nicht, dass dieses Gold deshalb ungedeckt ist. Was das Risiko betrifft: wir spekulieren nicht. Die Ögussa ist immer auf der sicheren Seite, wir unterscheiden ganz genau, was uns und was den Kunden gehört. Wir haben jede Menge Einlagen von gewerblichen Kunden, die Guthaben am Gewichtekonto haben. Bei den eigenen Beständen werden Käufe und Verkäufe ständig ausbalanziert, und geringe Abweichungen stets über die Börse ausgeglichen. Die ganzen Goldkontobestände sind versichert, gut verwahrt usw. Das einzige Problem ist, dass wir eben im Konkursfall das Risiko für den Kunden nicht ausschließen können. Wir sagen das jedem Kunden, vielen ist dies egal, einige wollen es aber nicht.
BE: Was wäre nun im Ernstfall? Angenommen die EU oder die Weltwirtschaft bricht zusammen und der Goldpreis steigt binnen Minuten um das Zehnfache? Könnte dann sein, dass das Gold weg ist, weil gerade ein Minusbestand besteht?
Fasching: Das größte Risiko, das wir haben, sind ein paar freie Positionen, da geht es um ein paar Kilo Gold auf oder ab. Selbst wenn wir die nicht mehr kaufen könnten, ist das egal, weil das für uns keine Größenordnung ist. Wir wissen zudem in jedem Augenblick aufgrund unserer Gewichtebuchaltung bis auf den Raum, wo sich wie viel Gold befindet.
BE: Warum führen Sie keine zugewiesenen Goldkonten?
Fasching: Die Variante der zugewiesenen Goldkonten interessiert uns nicht, weil wir eben dann mit dem Gold nicht arbeiten können, sondern wie eine Bank eine Verwahrungsdienstleistung anbieten würden. Bei unserem Modell dagegen verlangen wir keinen Kostenersatz, können dafür aber mit dem Gold arbeiten. Das sind die Vorteile, die der Kunde und wir aus dem Goldkontengeschäft haben.
BE: Bei den Schweizer Banken sind die Metallkonten im Normalfall genauso nicht gegen Insolvenz abgesichert.
Fasching: Das ist ein weltweites juristisches Problem. Es gibt eben welche, die sagen dies explizit dem Kunden (wie wir), andere schweigen es tot, und noch andere haben das Gold überhaupt nicht. Das ist für mich der Gipfel. Die haben dann wirklich ein Problem, wenn die Preise stark schwanken. Wer bei der Ögussa Gold aufs Konto kauft, kann sicher sein, dass wir im selben Moment Gold physisch kaufen.
BE: Ab welcher Größe machen Sie das?
Fasching: Wir wollen das nicht unter einem Kilo Gold machen. Wir haben einen administrativen Aufwand, erbringen aber im Gegensatz zu einer Bank, die immer kräftige Spesen verrechnen, diese Leistungen gratis. Wir müssen die Konten führen, Auszüge verschicken usw. Es gibt durchaus eine Handvoll Kunden, die wirklich große Mengen am Goldkonto haben.
BE: Haben Sie auch die üblichen Investmentbarren zu 12,5 kg?
Fasching: Nein, wir haben nur Barren bis zu 1 kg. Die Investmentbarren werden im Privatbereich kaum verwendet. Man merkt es auch daran, dass viele dieser Barren, die manchmal in den Umlauf kommen, sehr alt sind. Auch jetzt kommen kaum mehr in Umlauf.
BE: In welchem Ausmaß kann man eigentlich in Österreich anonym Gold kaufen`?
Fasching: Bis 15.000 Euro.
BE: Kann man dann jeden Tag kommen?
Fasching: Es geht nicht, dass man jeden Tag kommt und um diesen Betrag Gold kauft. Wir sind verpflichtet, darauf zu achten, dass das nicht passiert. Im übrigen kann das Finanzamt nicht im Rahmen einer Steuerprüfung, wo die Ögussa geprüft wird, Einsicht in die Goldkäufe von Kunden oder in die Goldkontenbestände nehmen. Das ist wie bei einer Bank. Sie können nur, wenn gegen einen bestimmten Kunden ein laufendes Verfahren eröffnet wurde, Auskunft über diesen einen konkreten Kunden erhalten. Wir legen auch nicht für jeden Kunden einen SAP-Stammdatensatz an, sondern schreiben das nur in ein Textfeld. Aber bei den Österreichern sitzt der Anonymitätswunsch immer noch sehr tief.
BE: ... weil befürchtet wird, dass das Gold im Ernstfall vom Staat einkassiert wird. Ist das Kundeninteresse inzwischen abgeflaut?
Fasching: Wie die Krise noch stärker in den Medien war, ist vor allem eine größere Masse an Leuten gekommen, jetzt sind es eher wieder Einzelpersonen, die aber größere Mengen kaufen. Die Goldmenge bleibt dabei in Summe relativ konstant, die gehandelt wird. Irgendwie ist das ein Barometer für die Stimmungslage. Etwas beunruhigend ist es immer, wenn wirklich gut informierte Leute, wie hohe Beamte oder UNO-Beamte, plötzlich vermehrt auftauchen und Gold kaufen.
BE: Gibt es diese Edelmetallkonten auch für Silber?
Fasching: Für Private führen wir nur Goldkonten. Silberkonten würden sich nicht lohnen. Vor allem kann man meines Wissens die MWST-Problematik dabei nicht ausschließen. Sonst wäre es interessant. Wenn, dann kann es nur mit Zollfreilager funktionieren. Doch der Gedanke bei Edelmetallinvestments ist, dass man das Metall auch physisch rasch bekommen kann, was durch so eine Konstruktion wieder stark erschwert wird.
BE: Glauben Sie, dass es wirklich bei Silber so eine große Shortposition gibt, wie immer behauptet wird, von einem Drittel einer Jahresproduktion?
Fasching: Also mir ist noch keine Silberknappheit aufgefallen. Aus Sicht des rein fundamentalen Geschäftes, das ich verstehe und das wir dauernd machen, habe ich noch nie von einer Silberknappheit innerhalb der Industrie gehört. Die Ögussa ist Teil des Umicore-Konzerns mit 15.000 Mitarbeitern und einer der Weltmarktführer und hat daher einen entsprechenden Markteinblick beim industriell gehandelten Silber. Ich habe noch nie erlebt, dass es bei Großkäufen von Silbern irgendwelche Probleme gäbe. Aber gerade bei Silber wird immer wieder versucht, spekulativ Stimmung zu machen.
BE: Danke für das Gespräch!









