Die am Freitag veröffentlichten Stresstest-Ergebnisse für wichtige europäische Banken haben heute an den Börsen weder für Kursstürze noch für -feuerwerke gesorgt. Die Banktitel sind zwar mehrheitlich im Plus - "aber das wird's wohl gewesen sein", sagte Alfred Reisenberger, Chefanalyst der Credit Agricole Cheuvreux Österreich, am Montag zur APA. Überhaupt zeigten sich heimische Analysten nicht sonderlich beeindruckt von dem Belastungstest. Die Ergebnisse sind "nicht so spektakulär ausgefallen", meinte RCB-Analyst Stefan Maxian. "Es wäre eine Überraschung gewesen, wenn es eine Überraschung gegeben hätte."
Reisenberger sieht das Vertrauen in den europäischen Bankensektor mit dem Stresstest wiederhergestellt. "Das hat sich an der Entwicklung der Banktitel an den Börsen im Vorfeld gezeigt." Auch Maxian sprach von einer "vertrauensbildenden Maßnahme". Erste-Analyst Günter Hohberger kritisierte in diesem Zusammenhang die Kommunikation vor der Veröffentlichung, etwa das "Hin und Her" um den genauen Publikationszeitpunkt und "ob überhaupt individuelle Ergebnisse vorgelegt werden". Letztendlich seien die Ergebnisse dann aber "doch so gut aufbereitet" worden, dass die Märkte positiv reagiert hätten.
Alle drei Experten wiesen darauf hin, dass die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) wegen des hohen Osteuropa-Engagements heimischer Banken wesentlich strengere Prüfkriterien angewandt habe als die europäische Bankenaufsichtsbehörde CEBS. Für einige CEE-Länder seien die Institute beim angenommenen Wirtschaftswachstum von Unterschieden von bis zu sieben Prozentpunkten ausgegangen, so Hohberger. Hinzu komme, dass die CEBS einige wichtige osteuropäische Länder wie Kroatien oder Russland zur Kategorie "Rest der Welt" gezählt habe. Die negativen Annahmen des sogenannten Adverse Scenario "sehen wir in keinster Weise", sagte Reisenberger.
Das "unterdurchschnittliche" Abschneiden von Raiffeisen und Erste Group beim Stresstest reflektiere die strengeren Annahmen der OeNB, konstatierte Reisenberger. Die Erste Group käme im Stress-Szenario mit einer Kernkapitalquote (Tier-1) von 8 Prozent auf Rang 50 zu liegen. Die Kapitalquoten der Raiffeisen Zentralbank (RZB) und der Bank-Austria-Mutter UniCredit würden in dieser Simulation nach zwei Jahren Wirtschaftsabschwung und Problemen mit Staatsanleihen in schuldenbeladenen Ländern auf 7,8 Prozent fallen. Diese Ergebnisse waren für die Analysten keine Überraschung, sei doch die Kapitalausstattung der getesteten Banken schon vorher bekanntgewesen, die Institute, so Maxian, bereits "gestreamt" worden.
Insgesamt seien die Prüfkriterien der CEBS "schon streng" gewesen, meinte Hohberger. Bei den Staatsanleihen müsse man jedoch beachten, dass die Tests hauptsächlich auf das Handelsbuch erfolgt seien. Viele Institute, gab er zu bedenken, haben Bonds im Bankbuch, das jedoch im Test verschont wurde. Aus Sicht von Maxian wäre es nun angebracht, sich als nächstes die Refinanzierungsmöglichkeiten der Banken anzusehen.
Der Test könnte dazu beitragen, dass künftig doch nicht so strenge Regulative eingeführt werden, wie dies die Banken seit Ausbruch der Krise befürchten, glaubt Reisenberger. Abgesehen von Basel III dürfte "wahrscheinlich nichts" kommen. Die neuen Kapitalvorschriften werden in den nächsten Monaten "die Bankaktien beschäftigten", prognostizierte Hohberger. Ganz allgemein seien Banktitel ein "massiver Indikator, was das makroökonomische Umfeld betrifft". Daher gelte es nun, die Staatsschulden zu reduzieren.
Raiffeisen International hat heute an der Wiener Börse bis zum frühen Nachmittag 1,41 Prozent zugelegt und notiert bei 33,38 Euro. Papiere der Erste Group stiegen um 1,34 Prozent auf 30,65 Euro.


