"Die Geschichte lehrt uns, dass derzeit keine Bear Market Rally stattfindet, sondern die erste Stufe einer mehrjährigen Rally. Weitere Sell-offs wird es sicher noch geben, aber wir sollten den S&P500 nicht mehr unter dem Tief vom 9. März dieses Jahres sehen. Das Abwärtsriskio für Anleger hat sich deutlich verringert, und weniger von uns müssen um ihre Jobs fürchten". Zu diesem Schluss kommt Charles Robertson (im Bild), Head of Chief Research and Chief Economist, EEMEA von ING Financial Markets.
Robertson war bis zuletzt nicht ein Anhänger dieser "Das Schlimmste ist vorüber"-Theorie. "Seit März/April haben wir die Ansicht vertreten, dass es sich um eine Bear Market Rally handelt. Wir fürchteten einen grossen Rückfall der Märkte", schildert er. Anhänger dieser Theorie gibt es freilich noch genug.
Ausschlaggebend für Robertsons Sinneswandel war - so eigenartig es klingen
mag - eine Buchlektüre. "Eigentlich ist es eine Buchbesprechung", sagt er daher über seinen heute erschienenen Emerging Markets Report. "Die exzellente Arbeit von Russell Napier in seinem Buch 'Anatomy of the Bear' brachte uns dazu, die aktuellen Daten durch sein Prisma zu betrachten". Russell analysierte die Bärenmärkte in 1921, 1932, 1949 und 1982 und versuchte Indikatoren aufzustellen, die ein Ende dieser Marktphase anzeigen.
Robertsons Ergebnis: "Wir kommen zu der Ansicht, dass der Markt im März 2009 aller Wahrscheinlichkeit nach das Tief getestet hat. Das Abwärtsrisiko für Aktien dürfte daher mit 25% limitiert sein. Das ist zwar noch immer signifikant, fühlt sich im Vergleich zu früheren Phasen doch besser an". Unter Berücksichtung der Einwände, dass gewisse Indikatoren in der Vergangenheit auch falsche Signale geliefert haben, geht er davon aus, "dass einige jener Assets, die bislang keine Erholung gezeigt haben, etwa CEE-Währungen, nun einen besseren Ausblick haben".
In Anlehnung an Napier untersucht Robertson die Indikatoren Kupferpreis, US-Autoverkäufe und Corporate Bond Yields. "Einer der wichtigsten Schlüsselindikatoren für eine globale Erholung ist der Kupferpreis", meint er. ING ist dabei der Ansicht, dass der jüngste Preisanstieg nicht auf einem Lageraufbau in China basiert, sondern auf echter Nachfrage. "Es ist nicht zu 100% überzeugend, aber vielversprechend".
Weiter zu den US-Autoverkäufen: Diese würden oft dann den Boden erreichen, wenn auch die Aktienmärkte das tun - und einige Zeit bevor die US-Arbeitslosigkeit das Hoch erreicht. Auch hier kommt Robertson zum Schluss: "Die Daten aus 2009 legen die Annahme nahe, dass sich der Ausblick für die globalen Märkte und daher auch für Emerging Markets Assets verbessert". Auch das dritte Signal, die Corporate Bond Spreads würden seine These unterstützen.






