Beim verstaatlichten US-Versicherungsriesen AIG hat Verwaltungsratspräsident Harvey Golub die Konsequenzen aus dem Dauerstreit mit Konzernchef Robert Benmosche gezogen und ist zurückgetreten. Konzernchef Benmosche habe dem Verwaltungsrat mitgeteilt, dass nach seiner Ansicht die Arbeitsbeziehung zwischen ihm und Golub "nicht funktionierte und nicht andauern konnte", erklärte Golub. In dieser Situation sei er zu der Auffassung gelangt, dass er seine Verantwortlichkeit verletzen würde, wenn er den Verwaltungsrat vor die Wahl zwischen ihm und Benmosche stellte. "Deswegen verkünde ich meinen Rücktritt, weil ich es für einfacher halte, eine Verwaltungsratspräsidenten zu ersetzen als den Konzernchef", erklärte Benmosche.
Die Unstimmigkeiten zwischen Golub und Benmosche waren notorischer Art und sorgten in der US-Finanzpresse schon seit Monaten immer wieder für deftige Schlagzeilen. Bereits im Juni hatten mehrere Medien von einem möglichen Rücktritt von Konzernchef Benmosche in Folge der Unstimmigkeiten mit Verwaltungsratspräsident Golub berichtet. Grund für die Streitigkeiten waren demnach unterschiedliche Ansichten über das Vorgehen beim Verkauf von Unternehmensteilen, um Staatshilfen der US-Regierung zurückzuzahlen. AIG war 2008 von der US-Regierung gerettet worden, wofür mehr als 170 Mrd. Dollar (133,8 Mrd. Euro) öffentlicher Gelder flossen.
Nachfolger von Golub als Verwaltungsratspräsident soll der 68-jährige Manager Steve Miller werden, der vom Autozulieferer Delphi kommt und Spezialist für Unternehmensumstrukturierungen ist. Miller erklärte, er wolle sein Augenmerk ebenfalls auf die Rückzahlung der Staatshilfen richten. AIG solle als einst weltgrößter Versicherungskonzern kleiner und besser aufgestellt werden, um das Vertrauen von Investoren zu stärken.
(APA)









