=> About: Michael Hasenstab, Portfolio Manager, Co-Director International Bonds , Franklin Templeton. Weitere Beiträge
Angesichts der jüngsten Marktturbulenzen möchte ich einige der Ursachen dieser Volatilität erläutern, sowie die Chancen, die sich nach unserer Überzeugung daraus für uns als Anleger noch in diesem Jahr 2010 ergeben.
Die neuen Daten stützen weiterhin unsere Ansicht, dass die globale Konjunkturerholung an Dynamik gewinnt und dabei die Wachstumsunterschiede in den Regionen und Ländern zunehmend erkennbar und bei der Markentwick-lung eine zunehmende Rolle spielen werden. Daher besteht der erste bedeutende Unterschied zwischen den ent-wickelten und den aufstrebenden Volkswirtschaften, wobei letztere aus der Krise deutlich stärker hervorgehen. Diese aufstrebenden Volkswirtschaften sind nicht mit den Problemen der entwickelten Welt belastet - dem bisher übertriebenen Vertrauen auf Fremdkapitaleinsatz oder der schwierigen Lage der Staatshaushalte. Vor allem Asien dürfte unverändert von stärkeren makroökonomischen Fundamentaldaten profitieren. Diese führen zu einem po-tenziell kräftigeren Wirtschaftswachstum, zu stärkeren Zahlungsbilanzpositionen und Kapitalzuflüssen. So entsteht bei den Währungen dieser Region eine nachhaltige Aufwertungstendenz gegenüber EUR, JPY und USD.
Selbst innerhalb der entwickelten Welt erwarten wir, dass die Unterschiede zwischen den Volkswirtschaften zu-nehmend an Bedeutung gewinnen, sobald sie klarer erkennbar werden. Wir haben das Frühstadium dieser Ent-wicklung erlebt, als sich der Markt auf die signifikanten Haushaltsprobleme einiger Länder der Eurozone konzent-rierte. Aber obwohl wir die fundamentalen Probleme Griechenlands erkennen und die bisher einmaligen Reformen, die wahrscheinlich erforderlich sein werden, um diese Staatsverschuldung nachhaltig zu gestalten, sind wir den-noch überzeugt, dass der Markt aufgrund der von der Ausbreitungsangst ausgelösten umfassenden Verkaufswelle die Fundamentaldaten der übrigen Volkswirtschaften vernachlässigt hat. Dies führte in bestimmten Peripherielän-dern Europas, die mit starken Fundamentaldaten glänzen wie z. B. Polen und Norwegen, aus unserer Sicht zu attraktiven Bewertungen. Im Gegensatz zu den stark verschuldeten Ländern der Eurozone dürfte Polen in diesem Jahr moderat wachsen und weist nur eine durchaus verkraftbare Staatsverschuldung auf. Der norwegische Staats-fonds ist derzeit vier Mal größer als die Staatsverschuldung des Landes. Die Konjunkturerholung rechtfertigt bereits eine Verschärfung der Geldpolitik.
Unbeschadet der von der Ausbreitungsangst ausgelösten Verkaufswelle unterscheiden sich viele der Probleme Europas von denen der USA. Im Vergleich zur übrigen Welt weht dem Wirtschaftswachstum in Europa wohl der problematischste und stärkste Gegenwind ins Gesicht. Durch die fehlende politische Abstimmung wird dies noch komplizierter. Natürlich verfügt Europa über eine gemeinsame Währungspolitik, aber nicht über eine einheitliche Haushaltspolitik und auch nicht über eine gemeinsame Struktur, um Haushaltsprobleme zu lösen. Ins Rampenlicht geriet diese Strukturschwäche angesichts der Schuldenkrise Griechenlands, infolge von langsamen und unter-schiedlichen Reaktionen der regionalen Regierungen und der dadurch entstandenen politischen Gegenreaktion. Im Gegensatz dazu trug die aggressive politische Reaktion in den USA dazu bei, die Konjunkturerholung zu fördern, die sich zusehends festigt. Die unterschiedlichen Reaktionen in den USA und Europa zeigen sich auch in der ag-gressiven Rekapitalisierung der Banken in den USA.
In Europa leiden die Banken dagegen noch immer unter einem massiven Fremdkapitalüberhang. So dürfte es für sie schwierig sein, Kredite auszureichen, was wohl die Erholung in der Region belastet. Und schließlich befindet sich der Arbeitsmarkt in Europa strukturell in einer wesentlich schlimmeren Verfassung als in den USA - teilweise aufgrund seiner Starrheit. Diese fehlende Flexibilität führte dazu, dass der anfängliche Anstieg der Arbeitslosigkeit in Europa geringer ausfiel als in den USA. Aber sie bedeutet auch, dass europäische Unternehmen noch immer versuchen, Kosten zu senken, während die Beschäftigung in den USA bereits wieder zunimmt, wenn auch nur moderat.
Zur Frage, wie die jüngste Marktvolatilität unsere Strategie beeinflusst - nun, unser Ansatz war schon immer der eines langfristigen Investors. Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass sich unter den Volkswirtschaften in den nächsten 1 - 2 Jahren starke Unterschiede zeigen werden. Dies wird sich bedeutend auf die Preise von Vermö-genswerten und insbesondere auf Währungen auswirken. Wir bleiben dabei: Beim Wirtschaftswachstum werden die USA wohl Europa und Japan übertreffen. Die Schwellenländer, vor allem in Asien, dürften die entwickelte Welt schlagen. Daher nutzen wir die jüngste Marktvolatilität, um bei den von uns bevorzugten Positionen in bestimmten Volkswirtschaften zu nach unserer Meinung attraktiven Bewertungen nachzukaufen.
Hinweis: Dieser Beitrag wurde für http://www.be24.at verfasst und von der foonds.com-Redaktion in den Nachrichtenfeed platziert









