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Fondsrating

Von S & P positiv geratete Fonds performen besser - Interview mit Heiko Nitzsche   Facebook be



24.06.2010
 
Konkreter Nutzen für den Anleger wissenschaftlich belegt

Fonds-Rating heißt mehr als Ranking-Listen aufgrund historischer Performance-Daten zusammenzustellen. Qualitatives Fonds-Rating ist vielmehr ein komplexer Prozess. Heiko Nitzsche erklärt den Ansatz von S&P für das Fonds-Rating.


BE: Herr Nitzsche, Fonds-Rating hat sich in Europa zu einem stark wachsenden Geschäftszweig mit etlichen Mitbewerbern entwickelt. Wie unterscheiden Sie sich von diesen?

Heiko Nitzsche: Als erstes verfolgen wir einen vorwärtsblickenden und unabhängigen qualitativen Ansatz. Die Mehrheit der Mitbewerber erstellt Fonds-Ratings, die nur auf einer risikobereinigten Performance-Analyse basieren und somit nur als Rankings anzusehen sind. Unsere qualitative Analyse dagegen beruht auf Face-to-Face-Interviews mit dem Fondsmanager, woraus ein Fondsmanagement-Rating samt einem Rating-Report erstellt wird. Dieser wird von den Investoren für ihre eigene Fondsauswahl verwendet und soll zu fundierteren Investment-Entscheidungen beitragen.
Zweitens kommen nur ungefähr 20% der Fonds in einer Peer-Gruppe für den Fondsmanagement-Ratingprozess in Frage.
Und letztlich ist es der lange und erfolgreiche Track-Record von 19 Jahren im Fondsservice-Geschäft mit einer durchschnittlichen Erfahrung von 10 Jahren pro Analysten in einem weltweiten Team von 35 Personen.

BE: Was sind die Mindestkriterien für einen Fonds, dass er für ein Rating in Frage kommt? Bzw. welche Fonds werden von Ihnen geratet?

Heiko Nitzsche: Ob sich ein Fonds für ein Ratingverfahren qualifiziert hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Zunächst muss der Fondsmanager unter Beweis gestellt haben, dass er mit seinem Track Record zu den besten 20% seiner Vergleichsgruppe gehört. Es werden Portfolio und Prospekt hinsichtlich Produktklarheit und Produktwahrheit analysiert. Hinzu kommt, dass der Fondsmanager über ausreichend Erfahrung im Management der relevanten Anlageklasse verfügt und auch einen entsprechenden Performancerfolg nachweisen kann.

BE: Wie wird auf einen Fondsmanagerwechsel reagiert? Was heißt das für ein Rating?

Heiko Nitzsche: Die Fondsgesellschaften sind verpflichtet, S&P von jedem Manager-Wechsel bei gerateten Fonds zu informieren, sodass wir angemessene und rechtzeitige Handlungen setzen können. Der Fonds wird „Unter Beobachtung - Under Review“ gestellt und ein detailliertes Interview mit dem neuen Manager angesetzt. Fondsreports werden mit einem entsprechenden Vermerk aktualisiert..
Nach der Bestellung des neuen Fondsmanagers interviewen wir diesen und sein Team, um herauszufinden, wie er den Fonds in Zukunft zu managen gedenkt. Die Interviewergebnisse werden dem Rating-Komitee vorgelegt. Gegebenenfalls wird ein neues Rating vergeben und ein aktualisierter Rating-Report veröffentlicht. Anleger können diese Informationen von der S&P-Fondsservice-Site www.fundsinsights.com herunterladen.
In vielen Fällen übernimmt der stellvertretende Fondsmanager vom vorangehenden die Agenden, sodass wir eine starke Kontinuität im weiteren Fondsmanagement sehen. In anderen Fällen übernimmt ein neuer Manager den Fonds. Eine reine risikobereinigte Performance-Analyse zeigt den historischen Performance-Einfluss mit einer Verzögerung von sechs bis neun Monaten, da der neue Fondsmanager anfangs die Performance seiner Vorgänger übernimmt, ehe die von ihm gesetzten Maßnahmen wirksam werden. S&P’s qualitatives Fondsmanagement-Research hebt diese Änderungen und mögliche Auswirkungen hervor, um für die Anlageentscheidungen der Investoren eine zusätzliche Informationsquelle anzubieten

BE: Gibt es Untersuchungen, ob positive S&P-Ratings wirklich zu einem Nutzen für Anleger führen?

Heiko Nitzsche: Um dies zu überprüfen, wurde die Universität Cambridge mit einer unabhängigen Untersuchung beauftragt. Dabei konnte bei positiven Ratings für die Jahre 2003 bis 2008 für US-Aktienfonds pro Jahr eine jährliche Outperformance von 3,5%, für europäische Aktien ohne UK von 1,25%, für Japan von 3,65% und für Großbritannien von 5,55% nachgewiesen werden. Im Durchschnitt ergibt sich eine jährliche Outperformance von 2%.

BE: Gemäß einer Blackrock-Studie vom Vorjahr schlagen nur 5 bis 10% der aktiven Manager ihre Benchmark über drei Jahre. Entspricht dies Ihren Erfahrungen?

Heiko Nitzsche: Dieses Resultat wird durch Standard & Poor’s Index Services erhärtet, welche im April die Resultate für 2008 ihres „Index Versus Active Fund Scorecard“ (SPIVA) veröffentlichten. Über den Fünfjahres-Marktzyklus von 2004 bis 2008 zeigt die SPIVA-Wertungsliste, dass der S&P-500 71,9% der aktiv gemanagten Large-Caps-Fonds schlug, der S&P MidCap-400 75,9% der Mid-Caps-Fonds und der S&P-SmallCap-600 85,5% der Small-Caps-Fonds. Diese Resultate sind ähnlich wie die der vorigen fünf Jahre von 1999 bis 2003.

BE: Wie sieht es mit Interessenskonflikten aus, da ja die Fondsgesellschaft für das Rating bezahlen muss?

Die Fondsgesellschaften bezahlen nicht für das Rating ! Wir erhalten auf vertraglicher Basis einen Auftrag, die sich zu qualifizierenden Fonds zu analysieren. Dabei stellen wir den analytischen Aufwand in Rechnung. Auch wenn im Ergebnis ein „NR“ – Not Rated“ herauskommt, wird dieses veröffentlicht. Die Rechnung wird im Vorfeld der Analyse beglichen. Bei Fonds, die in Luxemburg oder Irland registriert sind, werden die analytischen Kosten dem Fonds in Rechnung gestellt. Das heißt, dass der Investor die Kosten trägt und nicht die Fondsgesellschaft. Diese Kosten sind also Teil der Total Expense Ratio. Im Gegenzug erhalten die Investoren einen unabhängigen Ratingreport, den sie kostenfrei von unserer Website www.fundsinsights.com einsehen können, um eine besser informierte Anlageentscheidung zu treffen. Bei lokal domestizierten Fonds erfolgt die Begleichung des analytischen Aufwandes aus den Marketingbudgets der Fondsgesellschaften.

BE: Danke für das Interview!



Zur Person:
Heiko Nitzsche ist Direktor der Sparte „Business Development Continental Europe“ bei Standard & Poor’s. Von 2001 bis 2004 war er Senior Fund Analyst bei Standard & Poor’s und verantwortlich für das kontinentaleuropäische Analystenteam. Heiko Nitzsche war bekannt für seine Bloomberg TV Auftritte, wo er über Fonds-Rating-Themen sprach.

Zum Unternehmen:
Weltweit hat S&P über 8.500 Mitarbeiter, von welchen etwa 80 bei den Fund Services arbeiten. S&P ratet Fonds qualitativ seit fast 20 Jahren. Ein Analystenteam von 35 Personen interviewt regelmäßig die Fondsmanager. Aktuell ratet S&P über 1.300 Fonds, deren Palette von herkömmlichen Long-Only-Fonds über Absolute Return-Fonds bis hin zu 130/30 Fonds und Dachhedgefonds reicht.


 
 

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