Etwa 70% des Silbers des geförderten Silbers verschwinden jährlich. So lautete der letzte Satz von Teil 1. Und das ist auch der Schlüssel zum Preisanstieg des Silbers in der Zukunft.
Wie wir gesehen haben, sind die enormen Mengen von Silber, die mit der Demonetarisierung frei wurden, längst vom Markt absorbiert worden und zum Teil unwiederbringlich im industriellen Prozess verschwunden.
Silber ist der knappste unter den wichtigen Rohstoffen
Doch knapp sind alle Rohstoffe, wieso ist das jetzt bei Silber besonders erwähnenswert?
Bisher wurden ca. 50.000 Mio. Unzen Silber produziert (das sind rund 1,6 Mio. Tonnen oder ein Würfel von 53 Meter Kantenlange ( www.silberinfo.de ). Davon wurde rund die Hälfte industriell verbraucht, sodass noch rund 0,7 bis 0,8 Mio. Tonnen vorhanden sind (Würfelkantenlänge von 40 Metern – der Goldwürfel hat bekanntlich die Kantenlänge 20). Die Silberproduktion lag 2009 bei rund 22.000 Tonnen. Die Silberlagerbestände (Silver Inventories: Münzen und Barren) reichten in den 80er Jahren noch für 50 bis 60 Verbrauchsmonate (d.h. reichten für 60 Monate ohne Neuförderung), 1950 war es noch für 100 Monate, aber bereits im Jahr 2000 für nur mehr knapp 10 und in den letzten Jahren nur mehr für 3 bis 4 Monate (cpmgroup.com, Bloomberg).
Positiv für den Silberpreis stimmt auch die Reservenreichweite (wirtschaftlich abbaubar): Silber liegt mit 14 Jahren an unterster Stelle, gefolgt von Gold mit 17 Jahren, Blei/Zinn/Zink gut 20 Jahren, Kupfer 32 Jahren, Eisenerz 119 Jahren und Platinmetalle fast 180 Jahren (Quelle: USGS, http://www.silberjunge.de/ ).
Davon zu unterscheiden ist die Ressourcenreichweite (inkl. dzt. noch nicht wirtschaftlich abbaubaren Reserven), wo Silber mit 29 Jahren ebenfalls den kürzesten Wert hat (Gold 37 Jahre, Zinn 42 Jahre, Kupfer rund 160 Jahre, Platinmetalle rund 180 Jahre, Eisenerz fast 600 Jahre).
Noch pessimistischer ist die Uni Würzburg ( http://www.geographie.uni-wuerzburg.de/ ):
„Eine Pauschalaussage über die Lebensdauer der weltweiten Silberreserven lässt sich nur schwer treffen; zu variabel sind der Kenntnisstand über die bekannten Reserven sowie die jährliche Produktion. Daher kann eine Aussage über die statistische Reichweite der Reserven lediglich eine Momentaufnahme bedeuten. Der Autor wagt dies unter Berechnung der gegenwärtig bekannten Reserven und kommt hierfür auf einen Wert von 214569,858 t, basierend auf Raw-Material-Data-Daten. ...... Bei einer Förderrate von 21200 t in 2008 ergibt sich für diese Menge eine Lebensdauer von 10 Jahren, bei einer Steigerungsrate der Produktion von ca. 2,4% pro Jahr seit 1998 sinkt entsprechend die so errechnete Lebensdauer. Problematisch in dieser Rechnung wirkt sich weiterhin aus, dass die herangezogenen Daten auf keiner jährlichen Erhebung basieren, sondern Absolutwerte für die jeweilige Mine darstellen, die während der Explorationsphase gewonnen wurden; dies macht die Prognose sehr willkürlich, können doch keine verlässlichen Aussagen über potentiell nutzbare Ressourcen bzw. weitere nutzbare Reserven getroffen werden.“
Je Erdbewohner beträgt der Wert des bisher geförderten Silbers rund 140 USD; des Goldes rund 1000 USD.
Der Wert der noch verfügbaren Silberressourcen beträgt rund 25 USD je Kopf, der der Reserven rund 50 USD. Bei Gold erreichen beide Werte das rund Zehnfache (aufgrund des viel höheren Goldpreises). Diese Zahlen zeigen die große Knappheit an Silber und Gold je Einwohner.
Während nun aber Gold industriell kaum benötigt wird (rund ein Zehntel der jährlichen Förderung), wird Silber stark benötigt. Eine Verknappung der Silbervorräte bewirkt somit deutliche Preissteigerungen, weil das Silber nicht ersetzt werden kann und daher unbedingt beschafft werden muss. Sobald die industriellen Silberverbraucher merken, dass Silber knapp ist, wird eine Kaufpanik ausbrechen, da sonst ganze Produktionsprozesse zum Erliegen kommen.
Wozu wird Silber dringend benötigt?
Etwa 50 g Silber befinden sich in jedem Auto. In einem Handy sind 0,25 Gramm (bei 1 Milliarde Handys, die im Jahr produziert werden, sind dies 250 Tonnen, die Recyclingquote ist gering). In der Elektronik ist Silber als Teil des bleifreien Lötzinns kaum ersetzbar. In der Wasseraufbereitung wurden bereits 2006 rund 700 Tonnen benötigt. Als künftig wichtige Anwendungen gelten RFID-Transponder, antibakterielle Nanosilber-Anwendungen, Silberkatalysatoren in Alkali-Brennstoffzellen und neuerdings Silber-Zinkakkus, die wegen ihrer um 40% höheren Speicherdichte ein interessanter Ersatz für Notebook- und Handyakkus sein könnten. Für 2030 wird der Silberbedarf für Zukunftstechnologien vom Fraunhofer Institut auf fast 16.000 Tonnen geschätzt ( http://isi.fraunhofer.de/ Seite 302), was bereits drei Viertel der derzeitigen Produktion ausmacht (die vermutlich nicht mehr steigen wird). Silber wird ferner zur antibakteriellen Ausstattung von Bekleidung und in der Medizin verwendet. Der wirtschaftliche Aufschwung in China, Indien und Brasilien wird auch den Silberverbrauch entsprechend steigern.
Überblick über Silberanwendungen: http://www.silverinstitute.org/
Die Investmentseite: Silberanteil praktisch Null
Silber wird zudem auch von Investmentseite verstärkt nachgefragt. In Silber-ETFs sollten rund 13.000 Tonnen gebunden sein (sollten, denn man weiß nicht, ob das Silber vorhanden ist, oder verliehen); dies ist über eine halbe Jahresproduktion. Wertmäßig ist dies (es sind unter 8 Mrd. USD) im Vergleich zum weltweiten Anlagevermögen nur ein Bruchteil, der kaum der Rede wert ist. Eine Umschichtung von Anleihen/Aktien in Silber oder auch von Gold in Silber in nennenswertem Umfang ist kaum möglich, ohne den Preis enorm zu treiben. Allein das Volumen der weltweit begebenen Anleihen erreichte 2009 die astronomische Zahl von 90 Billionen USD. Die 8 Mrd. Silber in ETFs sind dagegen nicht einmal 0,1 Promille davon.
Auch die Silbermünzen-Nachfrage explodiert: Der Silber-Philharmoniker erreichte 2008 auf Anhieb 8 Mio. Stück bzw. Unzen oder 258 Tonnen. Und das ist nicht die einzige Silbermünze, die es gibt.
Und nicht zuletzt bewirbt der chinesische Staat neuerdings den Kauf von Silber durch seine Bürger als Anlage.
Silbermarkt-Manipulation
Die nächste große Frage ist: Gibt es überhaupt das ganze physische Silber? Wie sich beim CFTC-Hearing zur Edelmetallpreismanipulation im April herausstellte, ist der Markt, wie von einigen Marktkennern (Theodore Butler) seit langem behauptet wird, durch große Shortpositionen manipuliert, die einem Drittel der Jahresproduktion entsprechen. Berichte über für Kunden eingelagertes Silber, das gar nicht vorhanden sein soll, tun ein Übriges, die Seriosität des physischen Silbermarktes in Frage zu stellen.
http://www.foonds.com/
http://www.foonds.com/
Zusammenfassend kann man festhalten, dass Silber bei einer weiteren Goldhausse infolge der Papiergeldentwertung mit dem Gold mitziehen sollte. Aber auch wenn die von vielen vorausgesagte Papiergeld-Krise nicht eintritt, wird das Silber aufgrund seiner Knappheit und großen industriellen Bedeutung ebenfalls längerfristig zu den Gewinnern zählen.
(cr)






