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'Jetzt sind nie zuvor gesehene und schmerzliche Anpassungen erforderlich'   Facebook be



27.05.2010
 

Michael Hasenstab, Portfolio Manager des Templeton Global Bond Fund, im Gespräch zur Griechenland-Krise und den Anlagechancen in den Schwellenländern.

Wie werden sich die erfolgreichen geld- und haushaltspolitischen Maßnahmen der Schwellenländer 2010 auf die Anlagestrategien von Investmentfonds auswirken?

Michael Hasenstab: Aufgrund der strukturellen Verbesserungen in vielen Schwellenmärkten haben viele Investoren veranlasst, ihre traditionellen Annahmen zu überdenken. Viele entwickelte Länder haben zum Beispiel hohe Haushaltsdefizite und eine steigende Verschuldung im öffentlichen und privaten Sektor. Die meisten Schwellenmärkte befinden sich dagegen in viel besserer Verfassung, mit geringerer Verschuldung und nachhaltigen Haushalten. Darüber hinaus haben viele Schwellenmärkte weiterhin Leistungsbilanzüberschüsse, so dass künftig wesentlich stärkeres Wachstum zu erwarten ist. Anlagen aus diesen Schwellenmärkten dürften künftig von der besseren Wirtschaftslage profitieren.

Wie sehen Sie die Ereignisse in Griechenland und Südeuropa? Halten Sie griechische, spanische oder italienische Staatsanleihen?

Michael Hasenstab: Im Moment sehen wir den Euro negativ und halten weder griechische Anleihen noch Staatsanleihen anderer hoch verschuldeter Mitglieder der Eurozone. Griechenlands Staatsverschuldung kann nicht aufrechterhalten werden. Jetzt sind nie zuvor gesehene und schmerzliche Anpassungen erforderlich. Verschärft wird das Problem durch das schwierige politische Umfeld, in dem die Haushaltskürzungen und Steuererhöhungen vorgenommen werden müssen, sowie die mangelnde Glaubwürdigkeit der griechischen Regierung, die jahrelang falsche Statistiken gemeldet hat.
Für die Eurozone ist es eine schwierige Lage, doch wir rechnen nicht damit, dass dies darauf hinauslaufen könnte, dass ein Land aus der Eurozone ausscheidet. Angesichts der Schwierigkeiten, vor denen diese Volkswirtschaften stehen, ist es wichtig, genau zwischen den verschiedenen Anleihen zu unterscheiden. Ungarn und Litauen haben zum Beispiel bereits erkannt, dass Änderungen erforderlich sind, und wichtige Fortschritte bei der Korrektur der Ungleichgewichte, unter denen die Region in den Boom-Jahren litt, erzielt.
Griechenlands Probleme könnten zu ansteckungsbedingten Ausverkäufen in der Region führen. Wir würden dies jedoch gegebenenfalls als Kaufgelegenheit sehen, da wir davon ausgehen, dass eine systemische Krise in der Eurozone abgewendet werden wird. Die besseren Fundamentalwerte der Länder in Mittel- und Osteuropa dürften sich dem Druck, der auf Griechenland und anderen Ländern im Randbereich der Eurozone lastet, standhalten.

Angesichts der Marktreaktion auf die Griechenlandrettung und der zunehmender Besorgnis, dass die Staatsanleihen das nächste systemische Risiko sind, stellt sich die Frage, wie Ihr Fonds aufgestellt ist, um sich vor solche Risiken zu schützen?

Michael Hasenstab: Wir denken, dass sich aus dem Kontrast zwischen den Entwicklungsländern und den entwi-kelten Ländern 2010 ein wichtiges Thema für die Finanzmärkte ergeben wird: die wirtschaftliche Abgrenzung. Künftig wird es immer wichtiger werden, genau zwischen Volkswirtschaften mit starken Fundamentalwerten und solchen, die durch ihre schwierige Wirtschaftslage gefährdet sind, zu unterscheiden. Erste Beispiele für diesen Trend dürften Anleihen von stark verschuldeten Emittenten wie Dubai World und Griechenland sein.
Dagegen haben entwickelte Länder wie Australien, Norwegen und Israel, deren Wirtschaft weniger ins Ungleichgewicht geraten ist, bereits auf eine restriktivere Geldpolitik umgestellt. Schwellenländer wie China haben indessen schon im vierten Quartal 2009 wieder zweistelliges Wachstum verzeichnet. Die Bewertung der fundamentalen Wachstums- und Inflationsaussichten einzelner Länder wird deshalb eine wichtige Orientierung zur Positionierung auf den globalen Zins- und Währungsmärkten liefern. Insbesondere die asiatischen Währungen dürften unserer Einschätzung nach mittelfristig gegenüber den G3 (USA, Eurozone und Japan) gestützt sein, weil Asiens regionale Konjunktur sich wesentlich besser erholt.

Im Templeton Global Bond Fund besteht aktuell eine bedeutende Short-Position im Euro. Haben Sie einen bestimmten Zielkurs für Euro/USD im Visier?

Michael Hasenstab: Wir haben keine festen Zielvorgaben für unsere Anlagen. Es ist vielmehr so, dass wir unsere Positionen entsprechend der Entwicklung der Fundamentalwerte ständig überprüfen. Was den Euro angeht, so hat sich dessen Wert im Verhältnis zum US-Dollar jetzt näher dem Niveau genähert, das unseres Erachtens durch die Fundamentalwerte gestützt ist. Wir denken jedoch nach wie vor, dass der US-Dollar künftig gegenüber dem Euro aufwertet, weil die Konjunkturerholung in den USA stärker ist als in Europa.

Die europäische Schuldenkrise wird oftmals als „Europas Lehman Brothers“ bezeichnet. Halten Sie ein systemisches Scheitern für möglich, das letztlich den Fall des Euro mit sich bringt?

Michael Hasenstab: Unserer Ansicht nach bleibt der Euro eine überlebensfähige Währung. Sicherlich braucht man jetzt Haushaltsreformen und eine Art breiterer politischer Struktur zur Koordinierung der Haushaltspolitik. Europa hat hierfür jedoch wahrscheinlich 5 bis 10 Jahre Zeit.
Wir halten es für sehr unwahrscheinlich, dass ein Land den Euro freiwillig oder gezwungenermaßen aufgibt. Zurzeit ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, allerdings dürften diese Probleme das durch geringes Wachstum geprägte Umfeld weiter belasten. Diese Schwierigkeiten sind ein weiterer Grund für unsere pessimistische Einstellung zum Euro.

Meinen Sie, dass die Ängste um die Krise bei Staatsanleihen der Eurozone auch andere Rentenmärkte überschatten – und zwar sowohl die Unternehmens- als auch Staatsanleihen?

Michael Hasenstab: Eine gewisse Ansteckung haben wir bereits gesehen, da die Preise vieler Anlagen, bei denen hinsichtlich der Fundamentalwerte keinerlei Zusammenhang besteht, in letzter Zeit volatiler geworden sind. Wir achten – wie immer – vor allem auf die mittelfristigen Fundamentalwerte. Dabei nutzen wir diese Phase der Volatilität dazu, Positionen mit starken Fundamentalwerten auf attraktivem Kursniveau aufzustocken. Solche volatilen Phasen können sich länger hinziehen. Wir denken jedoch, dass wir von der Marktnormalisierung profitieren kön-nen, wenn wir an den Engagements festhalten, die uns gemessen an ihren Fundamentalwerten reizvoll erscheinen.

Welche Anlagestrategien bei festverzinslichen Wertpapieren sollten Anleger in Erwägung ziehen, wenn sie befürchten, dass der Wert der derzeitigen Rentenanlagen fällt?

Michael Hasenstab: Für Rentenanleger sind die weltweit steigenden Zinsen sowohl ein Problem als auch eine Chance. Dabei gilt es vor allem, aus den unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Konjunkturerholung in den verschiedenen Teilen der Welt Kapital zu schlagen. So haben wir bereits gesehen, dass Länder wie Australien, Norwegen sowie in letzter Zeit Brasilien ihre Zinsen anheben, weil der Aufschwung dort bereits an Tempo gewinnt.
Es überrascht daher nicht, dass deren Währungen besser abschnitten als die Währungen von Ländern mit weiterhin schwachem Wachstum, wo die Zinsen kurzfristig kaum steigen dürften. Diese Dynamik dürfte auch künftig die Währungen von Volkswirtschaften mit starkem Wachstum, wie z.B. asiatische Schwellenländer, gegenüber Regionen mit langsamerem Wachstum wie die Eurozone und Japan bevorzugen.
Abgesehen von Währungsrisiken sollten die Anleger auch auf die Laufzeiten achten, insbesondere in den Ländern, deren Staatsverschuldung wahrscheinlich steigen wird. Zurzeit halten wir keine US-Staatsanleihen oder japanischen Staatsanleihen, weil wir denken, dass die Renditen mittelfristig wahrscheinlich steigen werden. Außerdem können die Anleger Positionen begründen, durch die sie von steigenden Zinsen profitieren.
Eine wichtige Schlussfolgerung aus unserer derzeitigen Lageeinschätzung ist, dass es für die Anleger sehr wichtig ist, einen flexiblen Anlageansatz zu wählen. Wer sich entsprechend der Benchmark aufstellt, hat die größte Duration in den entwickelten Ländern mit der höchsten Schuldenlast. Wer von steigenden Zinsen profitieren will, muss vor allem flexibel sein und auf die Fundamentalwerte achten.


 
 

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