Inflation gegen Null könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Wann sie wieder zurückkommt, weiss niemand, aber sie wird kommen. Daher sei es in der nächsten Zeit vor allem ratsam, in Sachwerten und inflationsgeschützten Anlagen zu investieren, rät Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken Generali Invest, diese Woche auf der 15. Roadshow des Börse Express in Wien. "Ich bin ja seit Jahren ein Goldbulle", verrät der Fondsmanager so ganz nebenbei. „Ja, der Goldpreis ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Aber ich glaube auch, dass der Goldpreis in zwei, drei Jahren noch deutlich höher stehen wird“.
Das „grosse Weltbild“ ist nach der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise durcheinander gekommen. „Die Krise ist historisch, Ableitungen daraus daher mit Vorsicht zu geniessen“, so Wögerbauer. „Europa wird am schlechtesten aus der Krise herauskommen“, ist sich Wögerbauer sicher. Am besten werde die USA die Krise bewältigen, auch Asien habe wegen seiner demografischen Vorteile bessere Aussichten.
Eines der grössten Probleme für Europa werde die Inflation sein, ist Wögerbauer überzeugt. „Die muss noch nicht 2009 kommen, auch nicht Anfang 2010, aber in der weiteren Folge“, meint Wögerbauer, der auch den erfolgreichen 3 Banken Generali Österreich Aktienfonds managt. Dabei holt die Inflation für die Staaten jenes Geld zurück, dass nun so bereitwillig für Konjunktur- und Bankenpakete ausgeben werde, denn „Inflation ist eine Art Steuer für all jene, die festverzinsliche Anlagen haben“, sagt er.
Mittlerweile pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass die Inflation anziehen muss. Recht früh warnten einige Investmentgurus - etwa Marc Faber - eindringlich vor stark steigender Inflation. „Und die Prognoserichtigkeit dieser Gurus liegt bei fast 90%“, merkt Wögerbauer an.
Anleger mögen sich nun natürlich fragen, wo man eigentlich investieren soll. Wögerbauer dazu: „Wenn Sie an Deflation glauben, kaufen Sie zehnjährige Bundesanleihen. Wenn Sie an Inflation glauben, kaufen Sie alles ausser zehnjährige Bundesanleihen“. Der Fondsmanager erwartet jedenfalls deutlich steigende Zinsen am langen Ende - somit sinkende Renditen eben dort.
Die Bodenbildung an den Aktienmärkten „ist noch nicht abgeschlossen, aber ich denke, dass wir die Lows heuer bereits gesehen haben und glaube nicht, dass wir sie noch einmal unterschreiten könnten“, sagt Wögerbauer voraus. In den Tiefständen vom März sei bereits die Insolvenz der „ganzen Welt“ eingepreist gewesen, und das sei nicht zu erwarten.
Sicher nicht uninteressant seien in der gegenwärtigen Situation beständige Werte: „Kaufen Sie Sachwerte, Rohstoffe, inflationsgeschützte Anleihen“, um dem drohenden Gespenst Inflation zu entkommen, rät Wögerbauer. Dem stimmte auf der BE-Roadshow naturgemäss auch Peter Karl, Vorstand der Erste Immo KAG, zu. Gerade jetzt seien Direktinvestments in Immobilien besonders werthaltig.
Der von Wögerbauer gemanagte Österreich-Aktienfonds wird weiterhin Chancen suchen. „Wir sind ein reiner Stockpicker. Der Fonds hat in den sieben Jahren seines Bestehens noch kein Derivat gesehen, und das wird auch so bleiben“, unterstreicht der Fondsmanager. Auch hier sei man quasi in Sachwerten positioniert: EVN, Verbund und conwert, aber auch eine OMV sowie konjunkturresistente Werte wie Intercell oder Kapsch gehören zu den grössten Wetten. Sowohl bei Stahl als auch bei Banken seien die „Ertragsnivaus nicht dort, wo sie vor der Krise waren“, daher meidet Wögerbauer diese Titel derzeit. (nes)






