Die heimischen Bausparkassen plädieren für eine Verlängerung des "Sanierungsschecks" und zusätzliche Fördermitteln des Bundes für die thermische Sanierung. Die erste Tranche von 50 Mio. Euro für Privathaushalte aus dem zweiten Konjunkturpaket werde kommende Woche vergeben sein, derzeit seien bereits 9.000 von insgesamt 10.000 Anträgen erledigt, sagten Spitzenvertreter der Branche am Mittwochabend bei einer Podiumsdiskussion.
Weitere Fördergelder in diesem Bereich kämen den Bund billiger als später wegen der Nichteinhaltung des CO2-Kyoto-Ziels hohe Pönale nach Brüssel zahlen zu müssen, sagte Raiffeisen-Bauspar-Chef Erich Rainbacher als Hausherr der Diskussion. Er begrüßte es, dass Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) mit seinem Parteikollegen Finanzminister Josef Pröll über eine weitere Tranche zur thermischen Sanierung reden will. Dabei werden Privaten bis zu 20 Prozent ihrer Investitionen bzw. maximal 5.000 Euro staatlich gefördert.
Bedenke man, dass durch die erste Tranche allein im Privatsektor 250 Mio. Euro Investitionen ausgelöst würden, sei dies allein über das Mehrwertsteuer-Aufkommen "ein Geschäft für den Finanzminister" und außerdem auch eine willkommene Konjunkturstütze, argumentierte Rainbacher. Weitere 50 Mio. Euro sind wie berichtet für Betriebe vorgesehen.
Damit die Pflegevorsorge via Bausparen richtig anspringt, werden aus Sicht von Wüstenrot-Bauspark-Chefin Susanne Riess-Passer noch Aussagen der Politik nötig sein, dass sich hier künftig aufgrund der begrenzten öffentlichen Mittel "eine Lücke" auftue, "so wie die Budgets aussehen". Ernst Karner von der "s"-Bausparkasse verwies darauf, dass schon heute vielfach für die Pflege oder auch die Bildung und Ausbildung von Kindern oder Enkeln Bausparverträge abgeschlossen würden, ohne dass dies immer dazugesagt werde; es gebe also schon eine positive Entwicklung, die statistisch jedoch nicht zu erfassen sei.
Um den Vorsorgecharakter " etwa für die Pflege - stärker in den Vordergrund zu rücken, könnte Bausparen etwa bei über 55-Jährigen steuerlich absetzbar gemacht werden, schlug ABV-Generaldirektor Erich Hackl vor. Immerhin sei die staatliche Förderung bei der Zukunftsvorsorge höher als beim Bausparen. Neben einer höheren Subventionierung, zu der sich auch Riess-Passer bekannte, wäre bei der Pflegevorsorge sicher auch eine länger Vertragslaufzeit gut, meinte Karner.
Auf der Wunschliste der Bausparkassen steht auch eine Anhebung der Höchstvertragssumme von derzeit 150.000 auf 180.000 Euro, wie Rainbacher sagte. Zudem sollte der Höchstbetrag für nicht grundbücherlich abzusichernde Darlehen von 22.000 auf 25.000 Euro angehoben werden.
In der Finanzkrise habe sich das Bauspar-System absolut bewährt, betonten alle vier Spitzenvertreter. "Hätten die USA ein Wohnbaufinanzierungssystem wie wir, dann wären die ganzen Subprime-Probleme nicht entstanden", so Rainbacher. Die Bausparverträge seien "ein bewährtes, stabiles Produkt", betonte Riess-Passer, gerade in der Krise sei die Sicherheit für die Konsumenten besonders interessant. Früher habe man Bausparen als "nicht sehr sexy" abqualifiziert, sagte Karner, heute begrüße man die Kalkulierbarkeit und die Rendite von 3 bis 4 Prozent, für die man sich nicht schämen müsse.
Drei der vier Kassen, die ABV, Wüstenrot und Raiffeisen, sind derzeit "überliquid", haben also einen Einlagenüberhang, der laut Hackl aber bereits abschmilzt. Anders bei der "s", wo laut Karner 5 Mrd. Euro Einlagen 6 Mrd. Darlehen gegenüber stehen: Etwa 85 Prozent der Einlagen seien in Darlehen veranlagt, für Zwischendarlehen müsse man teils noch Geld am Markt aufnehmen. Nachdem man seit 3 Jahren mehr Darlehen als Einlagen verzeichnet habe, würden die Einlagen heuer bei der "s" erstmals seit 10 Jahren wieder stärker ansteigen als die Darlehen. Die Raiffeisen Bausparkasse sei derzeit in einem "Idealzustand", sagte Rainbacher, "wir haben 250 Mio. Euro Einlagenüberhang gegenüber den Ausleihungen". Die Anhebung der Bauspar-Bemessungsgrundlage habe allen vier Kassen dringend benötigte zusätzliche Einlagen gebracht.
(APA)






