Die Unsicherheit an den internationalen Finanzmärkten hat den Goldpreis heute auf einen historischen Höchstwert steigen lassen. Eine Feinunze (31,10 Gramm) Gold kostete am Mittwochvormittag in London zwischenzeitlich 1.241,93 Dollar und damit so viel wie noch nie. Seinen bisherigen Höchststand hatte der Goldpreis Anfang Dezember mit mehr als 1.226 Dollar erreicht. Auch die "psychologisch wichtige Marke" von 30.000 Euro für den Kilobarren Gold wurde zuletzt übersprungen.
In unsicheren Zeiten gilt Gold als krisenfeste Anlage, da das Edelmetall von einer Geldentwertung nicht betroffen ist. Angesichts der Krise in der Euro-Zone, des seit Wochen schwächelnden Kurses der europäischen Gemeinschaftwährung und schwankenden Börsen sind Anleger derzeit auf der Suche nach sicheren Investitionsmöglichkeiten. Gold dürfte noch weiter gefragt bleiben, meinen Experten.
In Euro gerechnet steigt das gelbe Edelmetall bereits seit Wochen von einem Rekord zum nächsten, nicht nur wegen des schwachen Euro. Investoren aus der Eurozone zahlten heute in der Spitze den Rekordpreis von 979,22 Euro. Händler führen dies in erster Linie auf Inflationssorgen zurück. So wird befürchtet, dass die Notenbanken ihre Geldpressen wieder anwerfen, um die Finanzierung der Rettungsschirme und Pakete zu erleichtern.
Zwar rangiert der Goldpreis schon länger auf einem sehr hohen Niveau. Allerdings hatte er sich in den letzten Monaten in einer vergleichsweise engen Spanne zwischen 1.050 und 1.150 Dollar bewegt. Aus dieser Handelsspanne ist der Goldpreis jetzt ausgebrochen, nicht zuletzt wegen des gigantischen Rettungsschirms für finanzschwache Euro-Länder von einer Dreiviertel Billion Euro.
Experten sehen nun die Gefahr einer Schuldenblase, was langfristig zu einer hohen Geldentwertung führen könnte. Dies treibt die Nachfrage nach Gold, das traditionell als Inflationsschutz gilt. Zu allem Übel steht auch noch die Unabhängigkeit der bisher so standfesten Europäischen Zentralbank (EZB) auf dem Spiel. Grund: Die Notenbank flankiert den europäischen Rettungsschirm durch den Kauf von Staatsanleihen - aus Sicht nicht weniger Experten ein Sündenfall.
Aber nicht nur die Schuldenproblematik in Europa, auch die hohe Staatsverschuldung in anderen großen Wirtschaftsräumen dürfte die Anleger weiter in das gelbe Edelmetall treiben. Vor allem die hohe Verschuldung der weltgrößten Volkswirtschaft USA, die an den Märkten noch vollständig ausgeblendet wird, dürfte die Goldnachfrage weiter nach oben treiben. Die jüngste Goldstärke erscheint dabei um so beeindruckender, als sie mit einem ebenfalls festen Dollar einhergeht. Normalerweise stellt eine starke US-Währung eine Belastung für den Goldpreis dar.
Gold dient aber nicht nur als Inflationsschutz, sondern auch als "sicherer Hafen" gegen riskante Entwicklungen. Nicht zuletzt die Angst vor Staatspleiten hat die Anleger immer stärker in Gold getrieben. Deutlich wird dies auch an den anhaltend hohen Zuflüssen in börsengehandelte Goldfonds (Exchange Traded Funds, ETF). Allein der weltweit größte Gold-ETF "SPDR Gold Trust" hält derzeit ein Rekordvolumen von knapp 1.200 Tonnen Gold, was einem Gegenwert von fast 47 Milliarden Dollar entspricht.
(APA/AFP/dpa/Reuters)






