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Papiergeld

Papiergeld – das unheilige Experiment (II) – Disziplinlosigkeit und Schuldenberge im 20. Jh.   Facebook be



01.05.2010
 
Papiergelddesaster im 20. Jahrhundert

Finanzkrisen gab es immer, auch mit Goldwährungen, doch kaum in so gehäufter Form und derartigem Ausmaß wie im 20. Jahrhundert, was sich im 21. Jahrhundert nahtlos fortsetzt. Vor allem Hyperinflationen sind ein Kind des ungedeckten Papiergeldes und somit ein Phänomen seit dem ersten Weltkrieg, wobei die Hyperinflation der Weimarer Zeit wohl die bekannteste ist. Die meisten Hyperinflationen der Vorzeit entfielen ebenfalls auf Papiergeldexperimente.

Aber selbst dort, wo keine Hyperinflation diese und jene Papierwährung hinwegraffte, gehen auch die quasi beständigen Papierwährungen den Weg alles Irdischen. Der Wert des US-Dollars hat sich binnen eines Jahrhunderts gezwanzigstelt, das britische Pfund ist seit der Loslösung vom Gold nur mehr ein Schatten seiner selbst und verlor selbst zum inzwischen zum Spielgeld heruntergekommen Dollar nochmals kräftig. Ja selbst die als stabil bezeichnete D-Mark verlor seit ihrer Einführung und Abschaffung, also in einem halben Jahrhundert fast drei Viertel ihres Wertes und dem Schweizer Franken erging es nicht besser.

Warum kann Papiergeld keinen Bestand haben?

Diese Frage beantwortete bereits der griechische Philosoph Aristoteles vor nahezu 2500 Jahren:
"An sich ist Papiergeld in Ordnung, vorausgesetzt unsere Obrigkeit ist perfekt und die Könige verfügen über eine göttliche Intelligenz“ (Aristoteles)

Da nun erfahrungsgemäß beide Prämissen nicht erfüllt sind (wer möchte schon Politikern eine besondere Kompetenz und Integrität zuschreiben), steht Papiergeld stets unter einem schlechten Stern. Geld kann seinen Wert nur bewahren, wenn seine Menge streng limitiert ist. Sobald die Erzeugung von Geld zum Spielball politischer Einflüsse wird, ist es mit der Wertbeständigkeit vorbei. Und da Politik weder von Heiligen noch von Weisen betrieben wird, ist dies, wie die Geschichte lehrt, unausbleiblich wie das Amen im Gebet. Einmal in stärkerer, einmal in schwächerer Form. Zu groß sind die Verlockungen, mit lockerem Geld Politik zu betreiben. Griechenland ist nur die Spitze des Eisbergs. Denn die Wirtschaft muss angekurbelt werden, ein warmer Geldregen pflegt sich im Zuge von Neuwahlen über das Wahlvolk zu ergießen, bald wird dies, bald wird jenes versprochen, um die Wiederwahl zu sichern. Bezahlt wird alles mit dem Eingehen von Schulden, und dafür eignet sich Papiergeld hervorragend. Papiergeld fördert Disziplinlosigkeit.

Sind Zentralbanken die Hüter der Währungen?

Die Sicherung der Währungsstabilität sei eine der primären Funktionen von Zentralbanken, wird zumindest ernsthaft behauptet. Doch die Realität ist eine andere. Praktisch keine Zentralbank, und sei dies noch so umsichtig in der Verfassung verankert, kann sich politischem Einfluss zur Gänze entziehen. „Keine Zentralbank agiert in einem luftleeren Raum. Es gibt politischen Druck, wenn die Geldpolitik den Interessen der Regierungen entgegenläuft. Je höher die Defizite, desto stärker wird der Druck auf die Zentralbank, diese Schulden zu finanzieren. Der Druck steigt, den Stabilitätskurs zu verlassen“, fasst dies der Tübinger Wirtschaftsprofessor Joachim Starbatty kurz und bündig zusammen ( http://www.faz.net/ ).

Es liegt im Interesse des Staates und der Geschäftsbanken, „dem normalen Bürger die Sicherheit des Finanzsystems solange wie nur irgendwie möglich vorzugaukeln. Die Aufrechterhaltung der Illusion von der Ungefährlichkeit, ja gar der Notwendigkeit des Papiergeldes für das Wirtschaftswachstum, wird so zur Chefsache“, schreibt der Wiener Ökonom und Buchautor Gregor Hochreiter.

Die FED – ein Trauerspiel für den Dollar

„Bisher basiert unsere Finanzarchitektur auf dem Dollar, aber der hat sich nicht als besonders guter Wertspeicher erwiesen“, meint Nobelpreisträger Josef Stiglitz gegenüber den Oberösterreichischen Nachrichten (http://www.nachrichten.at/ ). Dass für die US-Notenbank, die FED, auch Federal Reserve genannt (obwohl sie weder föderal ist noch viele Reserven hat), Geldwertstabilität wenig Bedeutung hat, dazu muss man nun allerdings kein mathematisches Genie sein. Seit ihrer Gründung im Jahre 1913 verlor der US-Dollar, wie oben erwähnt, über 95% seines Wertes (vorher war er dank Golddeckung ein Jahrhundert lang stabil). 100 Dollar damals sind 5 Dollar heute. Dies wird offensichtlich nicht gerne an die große Glocke gehängt, denn anders ist es kaum erklärbar, dass auch heute noch ein 100-Dollar-Schein die größte Banknote darstellt (die größte Schweizer Banknote (1000) hat den 10-fachen Wert, die Euro-Banknote (500) den zumindest 7-fachen, ähnlich die ehemalige 5000 Schilling-Note).

Sind Europas Währungen besser?

Über die Rolle der südeuropäischen Notenbanken (vor der Euro-Einführung) braucht man sich den Kopf nicht zu zerbrechen, diese Währungen waren ohnehin für ihre Instabilität bekannt, Lire, Drachmen und Peseten waren stets eine Art besseres Kinderspielgeld. Das britische Pfund hat einen Abstieg hinter sich, der seinesgleichen sucht (es war de facto die Welt-Reservewährung, bis es vom Dollar abgelöst wurde). Einzig die Deutsche Bundesbank, die OeNB und die Schweizer Nationalbank SNB hatten den Ruf, eine Hartwährungspolitik zu betreiben. Die Bundesbank und OeNB sind seit der Euro-Einführung währungspolitisch Geschichte und das Vertrauen in die EZB ist beschränkt. Verschwörungstheoretiker sehen in der Gründung der EZB ohnehin nur einen Trick, die Stabilitätspolitik der Bundesbank endlich aushebeln zu können. „Die europäische Währungsunion geht hervor aus der von Frankreich und Italien angeführten Bemühung, den Deutschen die Flügel zu stutzen“ (David Marsh: The Bundesbank, London 1992, zit. nach F. Lips). „Die Bundesbank zu kapern war deshalb in diesem europäischen Währungskrieg für sie [die französische Elite] der Siegespreis“ (Bernard Conolly: The Rotten Heart of Europe; London 1995, zit. nach F. Lips).

Die SNB hat seit dem Verkauf der Hälfte ihrer Goldreserven knapp am Goldpreistiefpunkt viel vom in sie gesetzten Vertrauen verspielt und mit ihr der Franken, der seine Sonderstellung als 40%-ig mit Gold gedeckte Währung eingebüßt hat (durch den IWF-Beitritt der Schweiz im Jahre 1992 musste die Golddeckung aufgegeben werden, da der IWF keine Golddeckung). Aber trotz Hartwährungspolitik ist – wie erwähnt – auch der Wertverfall des Frankens und der DM in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts enorm.

Beziehen wir uns als unverdächtige Quelle auf eine Statistik des IWF. Dieser zufolge entwickelte sich das Preisniveau zwischen 1952 (Basisniveau 100) und 2005 wie folgt:
Deutschland
: 411, Kaufkraftverlust somit: 76%
Schweiz: 427, Kaufkraftverlust somit: 77%
Österreich
: 588, Kaufkraftverlust somit: 83%
Japan: 652, Kaufkraftverlust somit: 85%
USA
: 736, Kaufkraftverlust somit: 86%

Oder mit anderen Worten: Allein von 1952 bis 2005, also in gut einem halben Jahrhundert, hat sich der Wert der oben genannten Währungen im besten Fall geviertelt, im schlimmsten gesiebtelt. Unter Stabilität stellt man sich allerdings etwas anders vor. Beschließen wir daher den kurzen Ausflug in die Papiergeldwelt mit einem Zitat Voltaires (1694 – 1778):
„Zuletzt kehrt Papiergeld immer zu seinem inneren Wert zurück – und der ist Null“.

(cr)

Abbildungen:
(a) 10.000 Drachmen
(b) 100.000 USD mit Präs. Woodrow Wilson, gültiges Zahlungsmittel, aber nicht im Umlauf. http://de.wikipedia.org/


 
 

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