Gold im 20. Jahrhundert
Die erste Dekade des 21. Jh. hatten wir im 1. Teil besprochen. Doch wie hat es nun im 20. Jahrhundert mit der Wertentwicklung von Gold ausgesehen?
Gold sei eine schlechte Anlage gewesen, liest man immer wieder, die Zahlen werden gleich dazu geliefert: Jeremy J. Siegel hat in seinem Buch „Stocks for the long run“ dankenswerter Weise ein paar Vergleiche gemacht: Wenn jemand im Jahr 1802 einen Dollar in US-Aktien investiert hätte, hätte er unter Wiederveranlagung der Dividenden 1992 3 Mio USD gehabt. Bei Staatsanleihen 6620 USD, und bei Gold magere 13 USD. Auf diese Berechnungen wird dann meist die groteske Behauptung aufgebaut, dass Gold als Anlage nichts taugt. Leider hat dieser „Beweis“ einen Pferdefuß: Der US-Dollar war bis 1913 goldgedeckt und bis 1972 bestand eine Devisengolddeckung. Somit waren Gold und USD eng aneinander gekoppelt und dank dieser Koppelung gab es über 100 Jahre keine Inflation (bis 1913). Und abgesehen von der Dollar-Abwertung durch Roosevelt im New Deal (1932), wo sich die Unze Gold von 20.67 USD auf 35 verteuerte, blieb die Gold-Dollar-Relation bis Ende der 60er Jahre stabil. Dass daher Gold in dieser Zeit keine Outperformance erzielen konnte, ist so klar, wie dass Geldscheine unter der Matratze keine Junge kriegen, sprich: Zinsen abwerfen.
Daher ist nur interessant, was seit 1970 passierte, als Bretton Woods arge Risse bekam und 1972 zerbrach.
Die „goldenen“ 70er Jahre
Im Jänner 1970 stand Gold noch bei seinem amtlich festgesetzten Preis von 35 USD (genau 34,94). Doch dann ging es los, denn es wurde immer klarer, dass die Amerikaner die als Devisen gehaltenen Dollars nicht mehr in Gold einlösen konnten bzw. wollten. Eine zügellose Gelddruckerei und Verschuldung hatte den Wert des Dollars längst untergraben (Vietnam-Krieg, Aufrüstung, Kalter Krieg usw.): Per 31. Jänner 1971 stand Gold in USD schon bei knapp 38. Anfang 1972 bei 45,75. Anfang 1973 bei 65. Anfang 1974 bei 129. Anfang 1975 bei 176 (alle Zahlen per Ende Jänner). Das Zwischenhoch lag bei 182. Gold war also in den 70ern ein geradezu phänomenales Investment. Nach einer kleinen Korrektur bis auf unter 110 ging es dann weiter: Ende Jänner 1978 war es wieder bei 173, ein Jahr später bei 227, und im Jänner 1980 bei 675. Mit anderen Worten: Seit 1970, innerhalb von 10 Jahren, hatte sich Gold fast verzwanzigfacht. Jährliche Rendite: Über 34%.
Gold 1970 – 2009 in USD
In den 80er ging dann der Goldpreis bis auf knapp unter 300 zurück, erholte sich bis auf fast 500, um dann eine längere Zeit dahinzusiechen. Als dann die Zentralbanken mit massiven Goldverkäufen begannen, allen voran Großbritannien, Österreich und die Schweiz (wozu brauchte man denn noch Gold, Keynes und seine Apologeten hatte allen lange genug eingetrichtert, welche „Barbarisches Relikt“ Gold sei), erreichte Gold das legendäre Gordon-Brown-Tief (vgl. http://www.foonds.com/ ) und war Mitte 1999 bei unter 260 USD angelangt. Seither ging es dann anfangs zäh, später etwas schneller, bergauf. 2009 erreichte Gold dann die 1200 USD Marke.
Gold hatte sich somit seit 1970, in genau 40 Jahren in USD gerechnet ver-34-facht. Jährliche Rendite: 9,2%. Davon kann nun jeder Aktienindex-Investor nur träumen:
Der Dow Jones stand am 1.1.1970 bei 785 Punkten. Anfang 2010 bei rund 10600 Punkten. Das ist eine Verdreizehnfachung oder 6,7% pro Jahr. Nun wollen wir allerdings nicht schwindeln, die Dividendenrendite auf Jahresbasis ist noch zu addieren. Diese liegt im Mittel um die 3% (brutto). Die Bruttodividendenrendite des S&P-500 war zB im Schnitt der letzten 50 Jahre 3,11% (http://epaper.fuw.ch/ ). Man kommt somit auf eine nur leicht bessere Entwicklung wie bei Gold, allerdings nur, wenn man nicht eine Dividendenbesteuerung miteinberechnet. Aber man hätte sich mit einem Goldinvestment viel Mühe und Steuern in Vergleich zu einem reinen Aktieninvestment erspart.
Gold in Euro 1970 bis 2009
Durch die Dollar-Misere in den 70ern stieg natürlich nicht nur der Goldpreis in USD, sondern auch die DM: In den 60er Jahren kostete ein USD 4 DM oder 2 Euro. Anfang 1970 stand der Dollar bei ca. 3,80 DM oder 1,90 Euro, Anfang 2010 bei 0,68 Euro. Legen wir das auf den Goldpreis um, so kostete Gold Anfang 1970 rund 66 Euro und Anfang 2010 knapp 800 Euro. In Euro/DM /ATS gerechnet hat sich der Goldpreis somit in den vergangenen 40 Jahren verzwölffacht, pro Jahr sind dies 6,4%.
Schauen wir im Vergleich dazu den DAX30 an (der als Performanceindex auch Dividenden enthält): Dieser stand Anfang 1970 (zurückgerechnet) bei ungefähr 600 Punkten. Anfang 2010 bei ziemlich genau 6000 Punkten, entsprechend einer Verzehnfachung oder 5,9% pro Jahr. Was wir damit sagen wollen: Seit 1970 ist Gold weder in USD gerechnet den amerikanischem Aktienmarkt, noch in Euro gerechnet dem deutschen Aktienmarkt unterlegen. Den Argumenten der Goldfeinde, dass Gold historisch betrachtet ein schlechtes Investment ist, kann somit nicht gefolgt werden. Die hinter ihrer Argumentation meist stehende Absicht, Gold schlechtzureden, zeigt sich besonders dann, wenn für Vergleichszwecke immer der Goldhöchststand aus dem Jahr 1980 bzw. 1983 herangezogen wird, z.B.: „Wer von 1980 bis zum bisherigen Höchststand am 3. Dezember 2009 auf Gold gesetzt hat, ist nach Berücksichtigung der Inflation sogar ärmer geworden. Der Wertverlust beträgt laut «Bloomberg» 79 Prozent“ ( http://www.tagesanzeiger.ch/ ). Und so wird bereits seit Jahren auf fallende Goldkurse gehofft, was mit zunehmender Dollar/Euro-Misere immer unwahrscheinlicher wird.
Silber
Silber schaut im Vergleich zu Gold deutlich schlechter aus. Bereits 1792 (!) stand es bei 1,29 USD und 1970 war es mit 1,70 nicht viel höher. Anfang 2010 war es bei rund 17 USD, was seit 1970 einer Verzehnfachung entspricht (Gold: 35x). Dazwischen gab es noch die Spekulationsblase durch die Gebrüder Hunt, die den Silberpreis kurz auf fast 50 USD (1980) katapultierte.
Die Werterhaltung durch Gold
Während nun keiner Nichtgold-Währung historisch betrachtet ein längeres Leben beschieden war, kann die Werterhaltung durch Gold über Jahrtausende verfolgt werden. Wer eine Kiste Gold ausgräbt, die vor 2000 Jahren versteckt wurde, kann damit noch etwas anfangen, wer eine Kiste mit Banknoten ausgräbt, die nur 100 Jahre alt sind, wird feststellen, dass sie entweder ungültig sind, oder so wie der Dollar, nur mehr wenige Prozent des damaligen Wertes haben. Beliebt ist das Beispiel, dass vor 2000 Jahren in Rom eine Unze Gold für den Kauf einer guten Toga samt Gürtel und Sandalen genügte und man auch heutzutage um eine Unze (rund 800 Euro) einen guten Anzug samt Gürtel und Schuhen bekommt. Ähnliche Vergleiche lassen sich auch für den Lohn von Handwerksstunden (1 Unze = 1 Woche Handwerkerlohn) oder Brotpreise finden. Wenngleich diese Beispiele mit gewisser Vorsicht zu genießen sind, zeigen sie aber doch, dass Gold auch über lange Zeiten eine Vermögenserhaltung erlaubte. Mit Silber funktioniert diese Angelegenheit nicht, denn in der Antike kostete Silber ein Zehntel, später ein Fünfzehntel von Gold, während es jetzt nur mehr 1/65 kostet. Was allerdings auch für ein großes Aufholpotential entspricht, denn Silber ist sehr knapp und wird industriell in großen Mengen benötigt.
(cr)






