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Goldbarren

„Gefälschte Goldbarren sind keine Legende“ (Interview mit Ögussa GF Marcus Fasching)   Facebook be



15.04.2010
 
Fälschungen bei Kleinbarren

Börse-Express interviewte den Geschäftsführer der Ögussa, Mag. Marcus Fasching, zu den kursierenden Gerüchten über Wolfram-Goldbarren


BE: Sind Ihnen jemals solche gefälschten Goldbarren mit Wolfram-Kern (beim Einschmelzen (oder sonst wie) untergekommen?

Marcus Fasching: Bisher sind uns bei der Ögussa nur falsche "Feingoldbarren" angeboten worden, die in Wirklichkeit aus Silber waren, das galvanisch vergoldet wurde. So etwas fällt uns aber bei der Ankaufsprüfung selbstverständlich sofort auf, weil die Dichte von Silber (10,49 g/cm3) nur etwa die Hälfte der Dichte von Gold (19,30 g/cm3) beträgt. Somit ist entweder der Barren bei Einhaltung der Originalabmessungen nicht schwer genug, oder aber der Barren mit Originalgewicht wäre viel zu groß. Ganz abgesehen davon, würde der dünne Goldüberzug beim Zerhacken sofort erkennbar. Eine sehr gut gemachte Fälschung eines Feingoldbarrens mit Wolframkern habe ich selbst schon einmal gesehen, das war allerdings kein 400 oz (12,5 kg) Goldbarren, sondern ein 1000 g "Feingoldbarren", der bei privaten Investoren ja viel verbreiteter als die Börsenhandelsbarren ist.

BE: Haben Sie jemals aus einer seriösen Quelle davon gehört, dass es solche Barren [12,5 kg] geben könnte?

Marcus Fasching: Wie gesagt, das ist tatsächlich keine Legende, sondern eine bekannte Tatsache. Allerdings habe ich in der Branche noch nie davon als ernsthaftem Problem gehört. Es kommt mir eher so vor, als hätte da jemand einmalig den Beweis einer "perfekten Fälschung" antreten wollen, die aber so perfekt nicht ist, dazu später.

BE: Wie aufwendig wäre die Herstellung derartiger Barren, d.h. kann das quasi in jeder Hinterhof-Schmelzerei gemacht werden oder benötigt es sehr aufwendige, teuere Ausrüstung (wegen des hohen Schmelzpunkts von Wolfram)?

Marcus Fasching: Bei einem Kilopreis von 28.000 Euro (für Gold) können Sie davon ausgehen, dass es sich aus Sicht des Fälschers auch lohnt, einen äußerst hohen Aufwand zu treiben. Einen Wolframbarren bei über 3.400 °C abzugießen, würde aber selbst von absoluten Profis mit den entsprechenden Anlagen durchgeführt im Ergebnis optisch dennoch nicht als "Feingoldbarren" durchgehen. Obwohl Gewicht und Abmessungen eines solcherart gefälschten Barrens nahezu identisch mit dem Original wären (Dichte Gold 19,32 g/cm3, Dichte Wolfram 19,25 g/cm3), würden die charakteristischen Erstarrungslinien eines Goldbarrens fehlen, die ebenfalls als Erkennungsmerkmal dienen können. Die chinesischen Erzeugnisse, über die im Internet heftig diskutiert wird, können einen Fachmann jedenfalls nicht überzeugen. Ganz abgesehen von dem bereits erwähnten nur dünnen Goldüberzug des gräulich-weißen Wolframs. Der Barren, den ich gesehen habe, hatte jedoch als Kern ein Paket aus mit Draht umwickelten Wolframstäben, das massiv mit Gold umgossen wurde und daher die Optik und Haptik eines Goldbarrens hatte. Der Fälscher müsste aber auch in diesem Fall nicht nur in der Lage sein, einen echten Goldbarren perfekt zu gießen und zu prägen, sondern auch den Wolframkern ohne Auswirkungen auf die Erstarrungslinien des Goldbarrens einbetten können. Also auch das ist kein Fall für eine x-beliebige Hinterhof-Schmelzerei. Abgesehen von den Aggregaten, die man zum Herstellen eines Goldbarrens benötigt, schlägt bei dieser Art der Fälschung sicher am stärksten die hohe verbrauchte Feingoldmenge ins Gewicht. Der Wolframkern wurde bei dem mir bekannten Exemplar so dick mit Feingold umgossen, dass rd. 1/3 des Barrengewichts aus Feingold bestanden hat.

BE: Wäre es denkbar, dass organisierte Kriminelle so ein Projekt durchführen?

Marcus Fasching: Ja, durchaus. Rechnen Sie sich einmal den möglichen Profit aus.

BE: Wie könnte man so einen Barren auf einfache Weise identifizieren (angenommen der Goldmantel ist so dick, dass man ihn nicht abkratzen kann und auch der Stempel noch ganz normal ausschaut!)? Bestimmung des elektrischen Widerstandes von einem Barrenende zu anderen (wäre wohl im Mikro-Ohm-Bereich und schwierig)? Schallgeschwindigkeit (würde man durch Anschlagen am Klang was merken?)?

Marcus Fasching: Leider ist Wolfram nicht magnetisch wie Eisen oder Kobalt, daher scheidet diese einfache Prüfmethode mit dem Handmagneten aus. Inwieweit ein Barren mit Wolfram-Kern und sehr dicker Goldummantelung mit freiem Ohr am Klang erkannt werden kann, wenn man mit dem Hammer darauf schlägt, kann ich nicht beurteilen. Einen nur dünn überzogenen Wolframbarren würde man im direkten Vergleich sofort man am helleren Klang des harten Wolframs erkennen, ganz abgesehen davon, dass man sich in diesem Fall auch mit dem Hineinschlagen einer Delle schwer tun würde. Wolfram hat eine Härte von 7,5 auf der Mohs'schen Ordinalskala, im Unterschied zum "butterweichen" Feingold mit 2,5 (nur zum Vergleich: auf dieser Skala hat Talk die Härte 1, Diamant die Härte 10). Diese eher simple Prüfmethode lässt sich aber wissenschaftlich verfeinern: Die Ögussa hat noch ein in unserem Konzern entwickeltes und bis Mitte der 90er Jahre verkaufte Digor II-Prüfgerät, das nicht zuletzt zur Entdeckung der diskutierten Betrugsmethode entwickelt wurde. Ein Oszillator erregt dabei den Barren innerhalb eines Ultraschall-Bereichs und ein Aufnehmer misst die werkstoff- und geometriespezifischen Resonanzfrequenzen. Genau dieses Verhältnis von Elastizitätsmodul zur Dichte ist bei Gold besonders klein im Vergleich zu anderen Metallen, insbesondere Wolfram, womit die Fälschung sofort und zweifelsfrei auffliegt. Hat man ein solches Gerät zur zerstörungsfreien Prüfung nicht, ist die einfachste und sicherste Prüfmethode schlicht und ergreifend das weitgehende Anbohren oder -sägen des Barrens - ganz abgesehen vom der uns als Scheideanstalt naheliegendsten Methode, dem Einschmelzen. Die Ögussa ist ja kein Händler, sondern Scheideanstalt. Wir schmelzen daher tatsächlich immer die zurückgekauften Barren ein und verkaufen je nach Bedarfslage wieder neu erschmolzene. Damit besteht für den Kunden die Gewähr, dass die Barren einwandfrei sind, und andererseits hält die Ögussa so ihren Edelmetallumschlag hoch (und die Kapitalbindung durch Vermeidung der Zwischenlagerung gering).
(cr)



Zur Person: Mag. Marcus Fasching ist Geschäftsführer/Managing Director der Ögussa Österreichische Gold- und Silber-Scheideanstalt Ges.m.b.H.

Zum Unternehmen: Die Ögussa, die Österreichische Gold- und Silberscheideanstalt, ist ein international agierendes Edelmetallunternehmen mit einem den gesamten Edelmetallkreislauf umspannende Wissen in Chemie, Metallurgie und Materialtechnologie. Sie bietet aus einer Hand: - die Rückgewinnung von Edelmetallen; - die Herstellung und den Verkauf von Edelmetallhalbzeugen, -halbfabrikaten und -präparaten; - ergänzende Dienstleistungen, wie z.B. Lohngalvanik und Schmuckguss; - und das dazugehörige Edelmetallmanagement Kundenspezifische Lösungen und anwendungstechnischer Service komplettieren die Leistungspalette. Dieser Fokus auf die Welt der Edelmetalle macht für Geschäftspartner einen wirklichen Unterschied aus: Aufbauend auf ihrer langjährigen Erfahrung nimmt die Ögussa daher in Österreich mit ihrem Filialnetz für die Schmuckbranche und Privatpersonen die führende Marktposition ein und wächst mit Industriemetallen in ausgewählten Nischenmärkten weltweit. Die Ögussa wurde 1862 in Wien gegründet, ist Teil der belgischen Umicore-Gruppe, beschäftigt rd. 130 Mitarbeiter und hat 2009 einen Umsatz von rd. 170 Mio. € erzielt.


 
 

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