Das Internet ist voll von Fälschungsberichten
Im Internet kursieren immer wieder Geschichten von gefälschten Goldbarren. Dabei soll es sich nicht um plumpe Fälschungen aus goldüberzogenem Silber oder Kupfer handeln, sondern um professionelle Fälschungen. In Asien sollen immer wieder handelsübliche Goldbarren (12 kg/400 oz) auftauchen, die gefälscht sind. Verschwörungstheoretiker behaupten gar, diese Goldbarren würden von gewissen Ländern absichtlich in Umlauf gebracht, um darüber hinwegzutäuschen, dass sie ihre Goldreserven längst verkauft haben.
Nun sind allerdings Goldbarren nicht so leicht zu fälschen. Palladium, Silber, Blei oder Kupfer sind viel zu leicht, ein derartiger Goldbarren ist entweder beim korrekten Gewicht um das rund 2-fache (vom Volumen) zu groß oder bei korrekter Größe um die Hälfte zu leicht.
Schon Archimedes konnte Fälschungen leicht feststellen
Das falsche spezifische Gewicht lässt sich ja mit der Archimedischen Methode auch für komplizierte Formgebungen wie bei Schmuckstücken sofort ermitteln. Archimedes wurde bekanntermaßen zum König Hieron II gerufen, um die Echtheit der Krone zu überprüfen, ohne sie dabei zu zerstören. Dazu musste er nur die Krone abwiegen, eine Menge Goldes desselben Gewichtes nehmen, beides links und rechts auf eine Hebelwaage hängen und beide Teile in Wasser tauchen. Das falsche Volumen wird dann durch den Verdrängungseffekt (Auftrieb) im Wasser sofort entlarvt, die vorher austarierte Waage ist im Ungleichgewicht.
Nur Metalle, schwer wie Gold, sind geeignet
Die Konsequenz daraus ist einfach. Man kann einen Goldbarren nur mit Metallen fälschen, die schwerer oder gleich schwer wie Gold sind (schwerere kann man durch Mischung mit leichteren ausgleichen). Geeignet dazu wäre Platin. Eine derartige Fälschung ist jedoch sinnlos, da Platin teurer als Gold ist (das war nicht immer so: Zur Zeit der spanischen Eroberungskriege war Platin wenig wert, und da man fürchtete, dass es für Fälschungen missbraucht würde, ließen es die Conquistadores in die Flüsse schütten). Von den wenigen Metallen, die schwerer als Gold sind, sind nun die meisten radioaktiv. Uran wäre etwa geeignet, doch abgesehen von Gefahren bei der Herstellung kann natürlich die Strahlung leicht gemessen werden. Rhenium, Iridium und Osmium sind selten und teuer. Sehr geeignet ist nun Wolfram. Wolfram hat fast dasselbe Gewicht wie Gold (19,27 kg/dm3 statt 19,30), kostet aber wenig. Da Wolfram für die Glühfadenherstellung verwendet wird, ist der Nachteil schnell erkannt: Es schmilzt erst bei 3400 Grad Celsius und ist darüber hinaus sehr hart. Mit einer Hinterhofbastelei lässt sich daher ein professionell aussehender Barren mit Wolframkern wohl nicht herstellen.
Gerüchte sind schwer von Tatsachen zu trennen
Dass kleine Goldbarren gefälscht sein können, wird vorkommen. Interessanter ist aber, ob die professionellen 12 kg-Barren gefälscht sind: Hier gibt es ein Video über einen kleinen gefälschten Goldbarren: http://www.youtube.com/
Der für gewöhnlich gut informierte Goldspezialist Jim Wille berichtet, dass im November 2009 in China Wolfram-Goldbarren amerikanischer Herkunft entdeckt worden seien. Angesichts der Ereignisse der letzten Zeit, wie Anleihebetrug bei der Subprime-Krise, überrascht ihn auch das Goldfälschen durch die „betrügerische Finanzindustrie“ nicht mehr. Er zieht insb. auch den Vergleich mit der Silbermünzenverfälschung der US-Regierung vor 45 Jahren. „Das amerikanische Finanzmanagement beruht auf der weltweiten Verbreitung betrügerischer Vermögensanlagen“ meint er klipp und klar. Goldhändler schätzen laut Wille die Zahl der Falschbarren auf etliche 100.000 bis eine Million. Nach toxischen Papieren nun auch noch toxisches Gold?
http://www.kitco.com/
Die Internet-Gerüchte sind so zahlreich wie manchmal skurril. Unter dem Stichwort „Tungsten Gold Bars“ wirft Google 130.000 Einträge aus. Etwa, dass der IWF in Wahrheit an Indien Wolfram-Barren verkauft habe (Indien kaufte ja im letzten Jahr 200 Tonnen Gold vom IWF), ist immer wieder ein Thema.
In Fort Knox befänden sich viele gefälschte Goldbarren, ist immer wieder zu lesen.
Auch die Bank of England soll in die Fälschungen involviert sein, wird vielfach behauptet. Wer sich Zeit und Mühe nimmt, wird noch viele andere Geschichten dazu finden.
Was bezwecken diese Meldungen?
Auch das ist unklar. Einerseits könnte man vermuten, es handle sich um eine Aktion, um den Käufern Goldinvestments madig zu machen, da ja von vielen Goldanhängern seit langem behauptet wird, kein Mittel sei zu schade, um den Goldpreis zu drücken. Andererseits kann damit genauso der Argwohn geschürt werden, die ganzen offiziell behaupteten Goldvorräte seien nur billiger Wolfram-Tand, das Gold existiere gar nicht, was natürlich den Preis eher beflügeln sollte.
Was ist die Wahrheit?
Wir haben einen Spezialisten bei der Ögussa befragt, wie es mit den Wolfram-Goldbarren wirklich aussieht. Gerücht oder Realität? Durch die Hände der Ögussa gehen jährlich Tonnen von Gold, die ein- und umgeschmolzen werden. Demnächst im Börse-Express.
(cr)
Bild: http://leuropa.eu/






