Wie viele Fondsgesellschaften verträgt ein kleiner Markt wie Österreich? Etwa 180 inländische und ausländische Fondsanbieter rittern seit Jahren um Marktanteile bei Österreichs Vermittlern und Endkunden. Meist mit bescheidenem Erfolg, wenn man die veröffentlichten Dachfondsstudien und Plattform-Statistiken betrachtet. Aber auch für die wenigen etablierten internationalen Fondsanbieter, mit eigenen Repräsentanzen in Wien, wird das Umfeld immer rauer.
Abschied von "Open Architecture" - Banken verkaufen wieder eigene Fonds
In der Boomphase Ende der 90er haben sich die Banken - die immer noch mit Abstand die größten Vermittler von Fondsprodukten sind - dazu durchgerungen sogenannte "Fremdfonds" (d.h. Fonds anderer Anbieter) in ihren Filialvertrieb mitaufzunehmen. Nicht freiwillig, sondern durch zunehmenden Druck der aufstrebenden "unabhängigen" Fondsvermittler wie Epicon , C-Quadrat und dem damals wichtiger werdenden Segment der Finanzberater. Das aggressive Marketing der ausländischen Fondsgesellschaften setzte die Banken zusätzlich unter Druck.
Zehn Jahre und zwei Krisen später ist alles anders. "Open Architecture" ist, wie es auch die Financial Times diese Woche konstatierte, gescheitert. Banken müssen aufgrund der Probleme in Ihrem Kerngeschäft (Finanzkrise) und dem zunehmenden Kostendruck in ihren eigenen KAGs, wieder auf eigene Fondsprodukte zurückgreifen. Devise: Die Wertschöpfung muss im Unternehmen bleiben. Unabhängige Finanzberater kämpfen hingegen mit dem Vertrauensverlust den Ihnen die eigenen Reihen (AWD, AvW) beschert haben. Verstärkt wird der Trend auch dadurch, dass sich die Fonds der ausländischen Konkurrenz Performance mäßig nicht wesentlich vom österreichischen Mitbewerb absetzen konnten, das Segment der unabhängigen Finanzberater nach Meinl und Immofinanz in der Krise steckt und sich ausländische Fondsgesellschaften marketingmäßig völlig zurückgezogen haben.
Es gilt wie immer: Der Mehrwert liegt im Vertrieb! Den kontrollieren fester als jemals zuvor die österreichischen Banken. Ausländische Fondsgesellschaften haben diese Chance verpasst und stellen fest, nichts geht mehr.
(Thomas Steiner)






