Dem Versicherungskonzern Swiss Life droht eine heftige Abschreibung auf seine deutsche Vertriebstochter AWD, wenn der Finanzmakler nicht bald bessere Ergebnisse abliefert. Analysten stellen immer öfter die Frage, ob AWD die 1,3 Mrd. Franken (889 Mio. Euro) noch wert ist, mit denen das hannoversche Unternehmen in den Büchern des größten Schweizer Lebensversicherers steht.
Der Absatzschub, den sich Swiss Life von dem gut 1,7 Mrd. Franken teuren Zukauf im Jahr 2008 versprochen hat, blieb bisher aus. Im Gegenteil, AWD geriet in den Sog der Finanzkrise, der Umsatz brach ein, das Ergebnis färbte sich tiefrot und die Kundenberater liefen in Scharen davon. Erst 2012 soll der Umsatz wieder in die Nähe des Niveaus von 2007 kommen. Von den Wachstums-Annahmen bei der Übernahme - ein Prozent jährlich - ist AWD weit entfernt.
Swiss Life betont, dass es keinen Abschreibungsbedarf gebe. Der Buchprüfer PricewaterhouseCoopers (PwC) habe die Werthaltigkeit auf Basis der überarbeiteten Geschäftspläne bestätigt, sagt ein Sprecher. "Der Verwaltungsrat und die Konzernleitung von Swiss Life sehen somit keine Veranlassung, auf der Beteiligung an der AWD Holding AG per 31. Dezember 2009 ein Impairment vorzunehmen."
Das Thema AWD sei für Swiss Life von essenzieller Bedeutung, sagt ZKB-Analyst Georg Marti. "Der Buchwert von Swiss Life liegt bei rund 200 Franken pro Aktie und der Aktienkurs nur bei etwa 140 Franken. Das legt nahe, dass der Markt bereits eine Abschreibung einpreist." Er hält eine Wertberichtigung im ersten Halbjahr oder im Jahresabschluss 2010 für denkbar.
Ein hohe Abschreibung mit entsprechend negativer Auswirkung auf den Gewinn wäre allerdings eine weitere schlechte Nachricht für die Aktionäre des Versicherers. Sie mussten bereits verdauen, dass ihnen Swiss Life sinkende Dividenden in Aussicht gestellt hat, weil die Geschäftsleitung einer Stärkung der Kapitalbasis und einem besseres A-Kreditrating Vorrang eingeräumt hat.
Die Swiss-Life-Aktien haben sich seit Anfang 2009 erholt, nachdem Sorgen wegen der im Zuge der Finanzkrise stark in Mitleidenschaft gezogene Kapitalstärke 2008 zu einem Wertverlust von über zwei Drittel geführt hatten. Die Titel stiegen im laufenden Jahr um knapp sieben Prozent und damit rund dreimal stärker als der europäische Sektorindex. Aktien von Schweizer Konkurrenten wie Zurich Financial haben allerdings noch stärker zugelegt.
Konzernchef Bruno Pfister steht unter Druck, am 30. März ein gutes Ergebnis vorzulegen, nachdem der Gewinn im Jahr 2008 um 75 Prozent auf 345 Mio. Franken eingebrochen war. Und AWD kostet Swiss Life auch ohne Abschreibung schon Geld: Mit rund 46 Mio. Euro wird der Umbau in der Rechnung für 2009 zu Buche schlagen, der den Finanzmakler 2010 in die Gewinnzone zurück- und wieder auf Wachstumskurs bringen soll.
Die Einschätzung, dass eine Wertberichtigung für AWD droht, teilen drei weitere Analysten, doch sie wollen sich nicht namentlich zitieren lassen. "Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, müssten sie abschreiben", sagte einer von ihnen. Und selbst jene, die für Swiss Life ein positives Anlageszenario haben, beobachten genau die Fortschritte des von den Schweizern an der AWD-Spitze installierte Manfred Behrens. So hält Helvea-Analyst Marc Effgen, der Swiss Life mit "Buy" einstuft, eine Wertberichtigung für unwahrscheinlich. Er sagt aber: "AWD muss dieses Jahr etwas leisten."
Der Finanzmakler spart - ähnlich wie der Konkurrent MLP - gegen die Auswirkungen der Finanzkrise an. Bis Jahresende sollen die Kosten um 70 Mio. Euro sinken. Und die hochfliegenden Wachstumspläne seines Vorgängers Carsten Maschmeyer hat CEO Behrens beerdigt. Hatte der AWD-Gründer noch erklärt, 2012 mit 8.500 Beratern einen Umsatz von einer Milliarde Euro zu erzielen, hofft Behrens nun auf 6.200 Berater und bis zu 690 Millionen Umsatz. Selbst falls dieses von Analysten zum Teil als ambitioniert eingestufte Ziel erreicht wird, würden die Erlöse noch unter den 718 Mio. Euro des Jahres 2007 liegen.
Maschmeyer ist nach dem Verkauf seiner AWD-Anteile an die Schweizer einer der Hauptaktionäre von Swiss Life und sitzt dort im Verwaltungsrat. Aus dem operativen Geschäft hat er sich vor einem Jahr zurückgezogen.
Für ZKB-Analyst Marti ist kaum abzuschätzen, welchen Betrag Swiss Life allenfalls für AWD abschreiben würde. Doch wäre es aus seiner Sicht positiv, wenn reiner Tisch gemacht würde. "Wenn sie es stückweise machen, werden die Investoren immer darauf warten", sagte Marti, der Swiss Life mit "Marktgewichten" einstuft.









