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Interview

Mark Mobius mag Afrika, aber nicht nur   Facebook be



10.03.2010
 

Welche Vor- und Nachteile haben Direktanlagen in Aktien und Anleihen aus Schwellenländern im Vergleich zu Papieren von Unternehmen aus entwickelten Ländern, die auch in Schwellenländern tätig sind?

Wer direkt in Aktien aus Schwellenländern investiert, profitiert voll von der Entwicklung dieser Länder. Wer dagegen in Unternehmen investiert, die zwar auch in Schwellenländern tätig, jedoch in entwickelten Ländern ansässig sind, nimmt nicht in vollem Umfang an deren Entwicklung teil und hält auch Länder mit langsamerem Wachstum und geringerem Wachstumspotenzial. Einige Unternehmen aus entwickelten Märkten bieten jedoch den Vorteil, dass sie weltweit tätig sind, so dass das Engagement des Anlegers etwas diversifizierter ist. Natürlich gibt es aber auch einige Unternehmen aus Schwellenländern, die ähnlich breit aufgestellt sind.

 

Wie wahrscheinlich ist es, dass China schon bald seine Geldpolitik weiter verschärft?

In welcher Form würden solche Massnahmen wohl erfolgen? Sehr wahrscheinlich wird die Geldpolitik in bestimmten Bereichen restriktiver, aber nicht allgemein. Die Chinesen haben klargestellt, dass sie sicherstellen wollen, dass die Wirtschaft weiter kräftig wächst. Das bedeutet, dass sie die Liquidität und die Geldmenge auf hohem Niveau halten wollen, allerdings mit der Massgabe, dass Kreditvergabe und Geldmenge bei steigender Inflation etwas eingeschränkt werden. Sie werden nach Möglichkeit versuchen, Massnahmen zu vermeiden, die das Wachstum des Landes gefährden könnten. Deshalb werden restriktivere Massnahmen speziell auf die Inflationsbekämpfung in bestimmten Bereichen zugeschnitten sein.

 

Und Ihr Ausblick für Afrika?

Die Aussichten für Afrika scheinen uns vor allem aus drei Gründen sehr gut: (1) reichlich Naturressourcen, (2) eine junge Bevölkerung und (3) steigendes Interesse der reichen Schwellenländer. Afrika hat einige der grössten Rohstoffvorkommen der Welt. Bislang wurde erst ein Bruchteil dieser Ressourcen erschlossen. Hinzu kommt die junge und wachsende Bevölkerung, die mit besserer Bildung und Ausbildung von grosser Bedeutung für den Ausbau der Produktions- und Bergbauunternehmen werden könnte. Diese Faktoren haben das Interesse von Ländern wie China und Indien geweckt, die für ihre wachsenden Volkswirtschaften auf Rohstoffe angewiesen sind. Aber auch Russland und Brasilien sind interessiert, weil sie ihre Unternehmen weltweit ausdehnen wollen. Länder in allen Teilen der Welt interessieren sich zunehmend dafür, in Afrika für den afrikanischen Markt zu produzieren. Dies gilt vor allem für Unternehmen aus Schwellenländern, die es gewohnt sind, unter schwierigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen zu arbeiten. Afrika ist eine interessante Region. Die Bemühungen südafrikanischer Unternehmen, ihren internationalen Marktanteil auszubauen und fähige Führungsteams einzusetzen, ist ein Zeichen für die Anleger, dass dort echte Schnäppchen zu finden sind. Die weltweit höhere Rohstoffnachfrage, die Erholung der Binnennachfrage wie auch die Vorbereitungen und Durchführung der Fussball-WM 2010 dürften dem Wirtschaftswachstum dieses Jahr mehr Halt geben. Abgesehen von Südafrika haben wir uns auch die weniger bekannten Grenzmärkte Afrikas angeschaut. Einige davon sind sehr grosse Länder wie etwa Nigeria. Auch regionale Märkte wie Ägypten und Kenia beginnen attraktiv zu wirken, und wir sehen bereits neue Märkte in dieser Region wachsen. Libyen zum Beispiel hat bereits einen Aktienmarkt und fördert die Privatisierung von Staatsunternehmen - dies ist eine Entwicklung, die sich in zahlreichen afrikanischen Ländern wiederholt.

 

Manche Beobachter meinen, die Grenzmärkte stellten zurzeit bestenfalls konträre Anlagen dar. Sehen Sie das auch so? Und falls ja: weshalb?

Ja, das ist sicherlich richtig. Viele Menschen würden zum Beispiel niemals in Nigeria investieren oder vielleicht nicht einmal das Land besuchen, weil sie Angst vor Gewalttätigkeit haben. Tatsächlich bieten sich dort jedoch hervorragende Anlagechancen. Es gibt also schon allein deshalb Chancen, weil diese Chancen anderen Anlegern nicht attraktiv erscheinen, da sie mit den dortigen Gegebenheiten nicht vertraut sind.

 

Katar, Kasachstan und Nigeria zählen zu den Ländern, die dieses Jahr als sehr interessant gelten. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Dies sind einige der Länder, von denen gesagt wird, man solle sie beobachten. Aber es gibt noch einige andere, etwa Vietnam, Rumänien und ein paar andere. Katar, Kasachstan und Nigeria sind alle wegen ihrer Naturressourcen interessant. Katar hat Gas, Kasachstan und Nigeria haben beide Öl.

 

Und gibt es bestimmte Sektoren innerhalb der Grenzmärkte, die Ihrer Meinung nach besser abschneiden werden als andere?

Unsere Anlagestrategie beruht auf einem wertorientierten, langfristigen Bottom-up-Ansatz. Wenn wir nach Anlagemöglichkeiten suchen, konzentrieren wir uns eher auf einzelne Unternehmen als auf Wirtschaftszweige oder Regionen. Im Zuge unserer Analysen berücksichtigen wir jedoch auch die Position des Unternehmens in seinem Sektor sowie die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen. Für uns stehen nach wie vor zwei Hauptthemen im Vordergrund: Verbraucher und Rohstoffe. Bei steigenden Pro-Kopf-Einkommen und hoher Nachfrage nach Konsumgütern sind die Aussichten dieser Aktien auf Ertragssteigerungen günstig. Auch Rohstoffaktien sehen gut aus, denn wir rechnen mit einem Aufwärtstrend der Rohstoffpreise, teils wegen des schwachen US-Dollar, aber auch, weil die globale Nachfrage nach Rohstoffen langfristig das Angebot übersteigen dürfte.


 
 

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