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Griechenland verschafft sich Luft   Facebook be



04.03.2010
 

Mit einem drakonischen Sparprogramm im Rücken hat sich Griechenland in seiner Schuldenkrise vorerst Luft verschafft. Die Regierung brachte am Donnerstag eine mit Spannung erwartete Anleihe im Volumen von 5 Mrd. Euro auf den Kapitalmarkt, die bei den Anlegern reissenden Absatz fand. Dies verschaffte dem unter Druck geratenen Euro-Kurs eine Verschnaufpause. Auch dürften die Mitgliedstaaten der Währungsunion aufatmen, da die Notwendigkeit bilateraler Hilfen an Griechenland mit der erfolgreichen Platzierung zunächst wieder nachgelassen hat.

Gleichwohl dürfte im Kreis der Eurostaaten unter Führung Deutschlands und Frankreichs ein Plan zur Rettung Griechenlands unter Dach und Fach sein. "Natürlich haben wir an Lösungen gearbeitet, aber wir brauchen diese im Moment nicht", sagte die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde. "Das steht derzeit nicht auf der Agenda."

Auch die griechische Regierung erklärte, die Notlage ohne Finanzhilfen der EU-Partner überwinden zu wollen. "Wir sind der Meinung, dass wir diese Krise alleine bewältigen können", sagte Vize-Aussenminister Dimitris Droutsas. Am Freitag kommt Ministerpräsident Giorgos Papandreou in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen, bevor er am Sonntag in Paris erwartet wird.

Für die 5 Mrd. Euro schwere Anleihe Griechenlands mit einer Laufzeit von zehn Jahren gab es nach Auskunft aus Bankenkreisen Angebote im Volumen von 16 Mrd. Euro. Die nationale Schuldenagentur berichtete von grossem Interesse der Anleger. "Die rege Nachfrage überrascht nicht", sagte Anleihenexperte Klaus Holschuh von der DZ Bank. "Die Anleger sehen, dass sie einen attraktiven Zinsaufschlag bekommen. Auch die Sparanstrengungen der Athener Regierung werden honoriert." Für die Anleihe wird als Risikoaufschlag ein Zinssatz von 3,1 Prozentpunkten über einem vergleichbaren deutschen Papier bezahlt.

Nach Ansicht Holschuhs zeigt dies, dass die Möglichkeit einer Staatspleite und damit eines Zahlungsausfalls am Markt als gering eingeschätzt wird. "Die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland von der EU, dem IWF und den grossen Euro-Ländern im Stich gelassen wird, wird vom Markt als vergleichsweise gering eingeschätzt." Der Euro notierte in Frankfurt bis zum frühen Nachmittag stabil bei 1,3677 Dollar. Die grosse Bewährungsprobe steht allerdings noch aus: Bis Mai muss Griechenland rund 20 Mrd. Euro Schulden umfinanzieren.

Griechenlands Vize-Aussenminister Droutsas betonte: "Wir können, wir wollen aus eigener Kraft unseren Staatshaushalt wieder sanieren." Es sei aber ein klares Vertrauensbekenntnis von EU-Partner wie etwa Deutschland nötig. Dies sei wichtig, damit die griechischen Staatsanleihen nicht zu teuer würden. Zugleich äusserte er sich zuversichtlich, dass die am Mittwoch beschlossenen zusätzlichen Sparmassnahmen im Umfang von knapp fünf Milliarden Euro ausreichen dürften, um die Ziele bei der Haushaltskonsolidierung zu erreichen.

EU-Wirtschaftskommissar Ollie Rehn warnte aber, für 2011 und 2012 seien zusätzliche Einsparungen nötig. Die Eurozone sei bereit, notfalls koordinierte Massnahmen zu ergreifen, um Stabilität zu garantieren, sagte er der italienischen Zeitung "Il Corriere della Sera". Griechenland will auf Druck der EU sein Defizit in diesem Jahr um vier Punkte auf 8,7 Prozent senken. Die prekäre Finanzlage löste Spekulationen über einen Staatspleite aus, was den Euro unter Druck gebracht und Sorgen vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion geschürt hat.

Auf Vorschläge aus CDU und FDP, dass Griechenland zur Lösung der Schuldenkrise auch Staatseigentum wie etwa unbewohnte Inseln verkaufen solle, ging Droutsas nicht weiter ein. Er habe auch einen Vorschlag gehört, Griechenland möge die Akropolis verkaufen. "Weitere Ratschläge sind hier nicht unbedingt geeignet zum jetzigen Zeitpunkt", sagte Droutsas.

Der Chef des renommierten Münchener ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, glaubt nicht an eine Lösung der Schuldenkrise Griechenlands in der Euro-Zone. "Griechenland wird kaum zu halten sein im Euro", sagte Sinn am Mittwoch in Frankfurt.

(APA/Reuters)


 
 

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