Aufsichtsbehörden und Politiker verschärfen den Kampf gegen Spekulationen auf einen Fall des Euro oder den Bankrott ganzer Staaten wie Griechenland. Das US-Justizministerium leitete eine Untersuchung gegen mehrere Hedgefonds ein, die sich Anfang Februar bei einer Dinnerparty über ein gemeinsames Vorgehen gegen die europäische Gemeinschaftswährung verständigt haben sollen, wie mehrere Personen aus der Branche Reuters sagten.
Der Euro hat seit November mehr als zehn Prozent an Wert verloren, nachdem sich die Nachrichtenlage über die Schuldenkrise in Griechenland und anderen Staaten wie Spanien und Italien verschlechtert hatte.
Kreisen zufolge hatte der kleine, weitgehend unbekannte Hedgefonds Monness, Crespi, Hardt & Co rund 18 Fondsmanager im vergangenen Monat zu einem Abendessen eingeladen, um sich - wie in der Branche üblich - über Handelsideen auszutauschen. Unter anderem sei dabei auch diskutiert worden, wie Hedgefonds von einem Fall des Euro profitieren könnten, sagten Teilnehmer des Treffens, das in einer Luxuswohnung im Manhattan stattgefunden hatte.
Ein Bericht des "Wall Street Journal" über das Stelldichein rief nun das US-Justizministerium auf den Plan: Die Behörde habe einige Dinner-Gäste in Briefen aufgefordert, sämtliche Emails und Aufzeichnungen, die sich mit dem Handel des Euro befassten, aufzubewahren, sagten mit dem Fall vertraute Personen am Mittwoch. Es werde geprüft, ob es bei dem Treffen der Fondsmanager zu betrügerischen Absprachen gekommen sei.
Auch in Spanien steigt der Unmut über die Spekulanten. Die Iberer wollen auf EU-Ebene eine Art Generalstaatsanwaltschaft durchsetzen, die den Euro gegen die hochspekulativen Geschäfte schützt. Die Krise in Griechenland habe gezeigt, dass die Justiz solche Attacken gegen die Gemeinschaftswährung bekämpfen müsse, sagte der spanische Generalstaatsanwalt Candido Conde-Pumpido am Mittwoch. Experten fürchten, dass Spanien, das unter einem Schuldenberg und einer massiven Arbeitslosigkeit ächzt, als nächstes ins Visier der Spekulanten geraten könnte.
Die rund 1,5 Bill. Dollar (1,1 Bill. Euro) schwere Hedgefonds-Industrie steht wegen des Verdachts auf Wetten gegen Währungen, Firmen, Anleihen und ganze Staaten schon lange am Pranger. Der Branche wird vorgeworfen, sich an der Notlage anderer eine goldene Nase zu verdienen. Neu ist das Geschäft mit solchen Spekulationen nicht: Starinvestor George Soros hat 1992 an nur einem Tag eine Milliarde Dollar verdient, weil er auf einen Fall des britischen Pfund gesetzt hatte. Kreisen zufolge war auch ein Repräsentant seiner Investmentfirma Gast bei der Dinnerparty der Hedgefonds.
Auch der Zusammenbruch der US-Banken Lehman Brothers und Bear Stearns wird von vielen Experten auf spekulative Geschäfte von Finanzinvestoren zurückgeführt. Die Fonds nutzen dafür in der Regel Leerverkäufe: Sie leihen sich Aktien von anderen Anlegern, verkaufen diese und versuchen sich anschließend billiger wieder einzudecken. Aufsichtsbehörden in Europa und den USA haben Leerverkäufe in der Finanzkrise teilweise verboten.
Auch gegen Spekulationen mit "Credit Default Swaps" (CDS) versuchen die Behörden vorzugehen. Mit solchen CDS sichern sich Investoren gegen den Ausfall von Krediten ab. Hedgefonds wird vorgeworfen, die Preise der Papiere in die Höhe zu treiben und auf diesem Weg Länder, Unternehmen oder Währungen erst in Schwierigkeiten zu bringen.
Die Branche verteidigt sich vehement gegen die Kritik: Der Präsident von Monness, Crespi, Hardt & Co, der zu dem Dinner eingeladen hatte, betonte, die Party werde in den Medien falsch dargestellt. "Wir handeln nur Aktien. Ich bestreite nicht, dass wir über Handelsideen sprechen, aber wir sind keine Firma, die sich mit Makro-Themen befasst", betonte Neil Crespi.
Anwalt Paul Roth von der Kanzlei Schulte Roth & Zabel, die mehrere prominente Fonds vertritt, betonte: "Ich glaube nicht, dass es illegal ist, sich ein Konzept zu überlegen, wie man den Euro niedriger handeln kann." Ron Resnick, Ex-Geschäftsführer des Hedgefonds Highbridge Capital, geht noch einen Schritt weiter: "Nicht mal Gott allein könnte den Euro-Markt bewegen."
(Reuters)


