ETFs sind Fonds und Fonds haben kein Emittentenrisiko. Somit haben auch ETFs kein Emittentenrisiko. Diese Aussage ist nicht ganz korrekt. Denn ETFs können auf drei Weisen erzeugt werden. Mit
1. vollständiger Indexnachbildung (Vollreplikation)
2. Samplingmethoden
3. Synthetische Indexnachbildung
1. Vollständige Indexnachbildung (full replication/Vollreplikation)
Diese Methode ist relativ einfach erklärt. Im ETF befinden sich einfach die Aktien im Verhältnis des jeweiligen Index. Das funktioniert gut, wenn der Index nur ein paar Dutzend Aktien enthält und diese auch alle ausreichend liquide sind. Hat ein Index aber hunderte Aktien, wie der S&P-500 oder der MSCI-World mit 1700 Aktien, so wird diese Methode ineffizient. Denn das ETF-Volumen ändert sich ja ständig, sodass dauernd diese zB 500 Aktien des S&P-500 gekauft und verkauft werden müssen – in Kleinstmengen, was hohe Spesen erzeugt. Zu Rundungsfehlern kommt es natürlich auch, weil sich der proportionale An/Verkauf in den seltesten Fällen ganzzahlig ausgehen wird. Und nicht zuletzt funktioniert die Vollreplikation nicht, wenn es sich um Aktien an Börsen handelt, wo der Fondsmanager nur schlechten oder keinen Zugang hat (wegen nicht-konvertierbarer Währung, Anlagebeschränkungen für Ausländer etc.). Und zuletzt kann die Illiquidität mancher Aktien ein Problem sein, was zu indirekten Kosten führt, da der ETF-Manager beim Kauf und Verkauf den Kurs beeinflusst. Zusammengefasst ist die Vollreplikation also vor allem bei Indizes mit nicht zu vielen und liquiden Aktien (wie zB dem Dax-30) sinnvoll. Der Vorteil ist jedenfalls, dass es kein Emittentenrisiko gibt und der Trackingerror (siehe unten) gering ist.
2. Sampling Methoden
Hier wird weiter zwischen der repräsentativen Sampling-Methode und der optimized Sampling Methode unterschieden. Bei diesen Methoden wird nur eine Teilmenge der Indexaktien gekauft. Dadurch steigt natürlich der Trackingerror (d.h. der ETF folgt dem Index nicht ganz exakt), dafür sinken aber die Verwaltungskosten. Bei der repräsentativen Sampling-Methode werden nun einfach die wichtigsten („schwersten“) und liquidesten Aktien des Index gekauft, da diese ihn auch am meisten beeinflussen. Die Auswahl trifft der ETF-Manager. Daher können die ETFs verschiedener Anbieter beim selben Index durchaus geringe Performancedifferenzen haben.
Die optimized Sampling-Methode greift nun zusätzlich auf ausgefeilte quantitative Überlegungen zurück. Es wird versucht, mittels Computersimulation einen Korb aus Aktien zu finden, der dem betreffenden Index möglichst gut folgt und dabei möglichst geringe Transaktionskosten produziert. Auch hier haben die einzelnen ETF-Anbieter verschiedene „Kochrezepte“. Auch bei den Sampling-Methoden gibt es kein Emittentenrisiko.
Der synthetischen Indexnachbildung wenden wir uns im Teil II dieses Beitrages zu. Hier besteht ein geringes Emittentenrisiko, auf das wir genauer eingehen werden.
(cr)






