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Schwellenländer auf dem Vormarsch   Facebook be



03.03.2010
 

Anleihen aus Schwellenländern erwirtschaften ähnlich hohe Renditen wie Aktien aus diesen Märkten – aber bei einem deutlich geringeren Risiko. Reformierte Finanzsysteme und eine vergleichsweise geringe Staatsverschuldung in den Schwellenländern sowie weltweit historisch niedrige Zinsen sprechen für die Anlageklasse. Und Schwellenländer-Anleihen eignen sich nicht nur als Beimischung fürs Portfolio, sagt John Carlson, Fondsmanager des Fidelity Emerging Market Debt Fund. Seine Einschätzung des Markets: "Viele Investoren schätzen eine Anlage in Schwellenlände-Anleihen als riskant ein. Doch die Schuldpapiere aus Schwellenmärkten sind – entgegen der landläufigen Meinung – keine qualitativ minderwertigen Papiere." Der Index besteht mittlerweile fast zu 60 Prozent aus Anleihen mit hoher Kreditnehmer-Bonität und ist selbst mit der Note Ba1/BB+ bewertet. „Der Emerging Markets-Debt-Index könnte 2010 sogar ein Invesment-Grade-Rating erhalten“, sagt Carlson.

In den vergangenen zehn Jahren haben Anleger mit Schwellenländer-Anleihen ähnlich hohe Renditen erzielt wie mit Emer- ging-Markets-Aktien, und das bei einem Volatilitätsanteil von 40 Prozent. Viele Schwellenländer haben in den vergangenen 25 Jahren grundlegende Reformen durchgeführt, um ihre Finansysteme zu stärken. Länder, die früher als besonders riskant galten, haben heute unabhängige Zentralbanken, Wechselkursregelungen und eine restriktivere Fiskalpolitik. Das Verhältnis von Staatsverschuldung zu Bruttoinlandsprodukt dürfte in den Schwellenländern vergleichsweise stabil bleiben, während es in den Industrieländern drastisch ansteigt. „Das Risiko der Schwellenländer ist angemessen eingepreist, bei den sich ver- schlechternden Fundamentaldaten der Industrieländer ist das noch nicht der Fall“, so Carlson.

Das historisch niedrige Zinsniveau weltweit hat es für Schwellenländer deutlich günstiger gemacht, neue Anleihen zu emittieren. Dank des schwachen US-Dollar konnten sie ihre auf den Greenback lautenden Schulden leichter zurückzahlen und dies durch Emissionen in Lokalwährung refinanzieren. Sollte die Inflation weltweit anziehen, werden die Anleger auf Sachwerte wie etwa Rohstoffe als Schutz vor steigenden Preisen umsteigen. Dies würde die Wirtschaft der an Bodenschätzen reichen Emerging Markets weiter ankurbeln und ihre Währungsreserven stärken. „Schwellenländer-Anleihen sind in der aktuellen weltwirtschaftlichen Situation nicht nur als Beimischung fürs Portfolio attraktiv. Allerdings sollten Anleger die Risiken dabei nicht ausser Acht lassen“, so Carlson.

Trotz der verbesserten Kreditqualität der Schwellenländer sind viele der in Umlauf befindlichen Staatsaleihen am unteren Ende der Investment-Grade-Skala einzuordnen. Ein zusätzliches Risiko liegt im Wechselkurs, wenn die Anleihen in Lokalwährung denominiert sind. Einige Währungen zeigen sich gegenüber dem US-Dollar nach wie vor recht instabil, was teilweise auf politische Unwägbarkeiten vor Ort zurückzuführen ist. „Die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern könnte grösser werden, je länger die liquiditätsgetriebene Rallye an den globalen Märkten weitergeht. Ich erwarte dann starke Unterschiede bei der Wertentwicklung von Schwellenländer- Anleihen“, so Carlson. „Auch den geldpolitischen Drahtseilakt zwischen Inflation und Deflation muss man im Auge behalten.“

Der Fondsmanager verfolgt deshalb eine konsequente Risikokontrolle, hat das Engagement in Unternehmenspapiere und Lokalwährungen klar begrenzt und hält einen Mindestbestand an Staatsanleihen auf Basis des US-Dollar. Mindestens zwei Drittel des Gesamtvermögens müssen in Dollar-Staatsanleihen oder Quasi-Staatsanleihen angelegt werden. Höchstens 20 Prozent dürfen in auf lokale Währungen lautenden Schuldtiteln gehalten werden. Daneben ist die Zahlungsfähigkeit ein enorm wichtiges Auswahlkriterium für den Fondsmanager. „Um die Liquidität einer Anleihe zu beurteilen, sehe ich mir das Emissionsvolumen an und achte darauf, wer die zeichnenden Banken sind“, so Carlson. 


 
 

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