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Kredite

De-facto-Verbot für Fremdwährungskredite: Bank Austria und Raiffeisen mit je rund 7 Mrd. Euro im Markt   Facebook be



03.03.2010
 
Banken bieten (freiwillige) spesenfreie Konvertierung

35 Milliarden Euro haben jetzt per Anfang März 2010 die Banken an private Haushalte - fast ausschließlich Häuslbauer - in Fremdwährung verliehen. Diese Summe wird die nächsten 15 bis 20 Jahre nur mehr abschmelzen. 250.000 Privatpersonen und Haushalte haben Fremdwährungsdarlehen laufen, durchschnittliche Laufzeit 20 bis 25 Jahre, das meiste in Schweizer Franken. Frühere Aussichten, sich viel zu ersparen, sind durch die Finanzkrise weggewischt. Die Kreditnehmer kamen von mehreren Seiten in die Mangel. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat die Bremse gezogen. Die Banken bieten (freiwillige) spesenfreie Konvertierung, wie etwa die Bank Austria.

Ein Drittel aller Wohnraumkredite sind in Fremdwährung. Durchschnittssummen: 120.000 bis 180.000 Euro. Österreichs Häuslbauer können sich künftig nicht mehr in Franken & Co verschulden und darauf spekulieren, sich mit Kurs- und Zinsdifferenzen viel Geld zu ersparen. Die meisten Banken haben schon aufgehört, riskante Fremdwährungskredite (Zins-/Wechselkursrisiko) mit ebenso riskanten kapitalmarkt-abhängigen Tilgungsträgern (Fonds-Veranlagungsrisiko) zu vergeben. Als Risiko hinzu kam steigende Arbeitslosigkeit mit wachsenden individuellen Kreditproblemen. Nach vergeblichen Versuchen einer freiwilligen Selbstregulierung der Banken hat nun die Finanzmarktaufsicht (FMA) durchgegriffen. Mit Kundmachung (Mindeststandards mit "dringender Empfehlung") wird noch im März dem privaten Fremdwährungskredit das "amtliche" Aus beschert. In der Bank Austria begrüßte das Management am Dienstag das De-Facto-Verbot zur Vergabe endfälliger privater Fremdwährungskredite auf Basis kapitalmarktabhängiger Tilgungsträger.

Nur ausgewählte Private - etwa grenzüberschreitend Tätige oder Haushalte mit sonstigem Fremdwährungseingang - sollen in Hinkunft am Bankschalter noch solche Darlehen bekommen. Handelsfinanzierungen von Firmen, wo das Gros der Summen in fremder Währung einen realen wirtschaftlichen Hintergrund hat, sind laut Bankenangaben nicht betroffen.

Für den Häuslbauer wird es diese Finanzierungsform mit Tilgungsträger nie mehr geben, hieß es bei der Bank Austria, die - ebenso wie Raiffeisen - auf 18 bis 20 Prozent des Marktes kommt. Also auf rund 7 Mrd. Euro. Die 60.000 Bank-Austria-Kunden werden jetzt beraten, in Richtung Umschichtung auf Euro oder auch Tilgungsträger-Umstellung oder auch Teil-Konvertierung. Zwangskonvertierung gebe es nicht, sagt die Bank.

Die Zeiten haben sich drastisch geändert: Lange Zeit, aktuell zwischen 2000 und 2008, lagen die Zinsen in der Schweiz bis zu 2 Prozent unter den Zinsen in Euro. "2.000 Euro bei einem 100.000-Euro-Kredit sind schon eine signifikante Summe gewesen", sagte am Dienstag Bank-Austria-Retailvorstand Rainer Hauser bei einer Pressekonferenz. Mittlerweile ist der Zinsvorteil vom Franken auf ein halbes Prozent geschmolzen.

Seit 2007 ist zudem das Währungsrisiko größer geworden: Seit 2007 schwankte der Franken zum Euro um bis zu 16 Prozent, der Yen zum Euro sogar um 35 Prozent. Jede Spekulation gegen den Euro beeinflusst direkt den Verschuldungsgrad des Häuslbauers.

Dazu kam das Problem mit dem Modell Tilgungsträger, der in endfälliger Variante am Ende der Laufzeit den Kredit tilgen soll. Oft sind das fondsgebundene Lebensversicherungen oder andere Fondsprodukte, die in der Finanzkrise zum Teil "unter Wasser" gerieten. Die "Liquiditätsfalle" schnappt schon zu, wenn die Performance um wenige Punkte sinkt. Beispiel: Endfälliger 200.000-Euro-Kredit mit erwarteter Nettoperformance von 4,5 Prozent beim Tilgungsträger. Sinkt die Performance nur um einen Prozentpunkt, fehlten am Ende schon 27.000 Euro, bei 2,50 Prozent fehlte schon ein Viertel (50.000 Euro).

Banken berichten, dass das Kundeninteresse anhaltend groß wäre. Die Bank Austria, die nach eigenen Angaben zu über 80 Prozent als Tilgungsträger Lebensversicherungen heranzog (davon ein Viertel Fondsgebundene) lobt das Aus für diese Darlehensvariante, hatte aber kein Problem "als Bank". Die Kredite sind zudem hypothekarisch besichert. "Aber wir wollen als Bank Austria keine Immobilien verwerten aus diesem Titel", versicherte der Leiter Privatfinanzierungen der Bank, Wolfgang Schilk. Die Kunden sollten aber wissen, dass Wohnraumbeschaffung nicht mit Spekulation zusammengeführt werden dürfe.

"Noch" sind es die bei allen Kreditarten üblichen 2 bis 3 Prozent der Kunden, wo sich die Rechnung gar nicht ausgeht. Die Zahl könnte in nächster Zeit steigen, verbunden mit dem Euro-Währungstrend. Zur Zeit werden viele 10-jährige Darlehen fällig, der große Schwung wird um 2018/2019 erwartet.

Die FMA drängt die Banken, die Fremdwährungspositionen rasch abzubauen, den Kunden den Ausstieg zu erleichtern. Die Bank Austria betont, auch diese Mindeststandards überzuerfüllen, mit vier abgestuften Paketen". Allen (privaten) Fremdwährungskreditkunden werden beim Umstieg auf Eurokredite die Konvertierungsgebühren erlassen. Im "Arbeitslosenpaket" erstreckt die Bank zudem die Laufzeiten und stellt das Darlehen ein Jahr tilgungsfrei. Darüber hinaus gefährdete FX-Kreditnehmern werden noch 12 Monate alle Zinsen erlassen. Besondere Härtefälle sind in einem Notfallplan Sache des "Ombudsprozesses", hier entscheidet ein Gremium und am Schluss der Vorstand von Fall zu Fall.

(APA)


 
 

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