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Investmentfonds

Investmentfonds-Branche: 2009 Fall gestoppt - Für 2010 weit weg von Euphorie   Facebook be



01.03.2010
 
Österreich "konservativ veranlagtes Land" - Verschiebung von Geldmarkt- zu Aktienfonds - Noch immer Vorsicht geboten - Angst vor Bankensteuer

Nach drastischen Verlusten im Jahr 2008 konnten die heimischen Investmentfonds im Vorjahr wieder zulegen. Die von österreichischen Kapitalanlagegesellschaften (KAG) verwalteten Volumina legten 2009 um 7,8 Prozent oder 10,7 Mrd. Euro auf 136,7 Mrd. Euro zu. Davon flossen etwa 4 Mrd. Euro an frischem Geld in Fonds, der Rest war Kursgewinnen zu verdanken. Vom Vorkrisenniveau ist man freilich noch weit entfernt. Die Branche blickt verhalten optimistisch ins heurige Jahr, ringt aber mit rechtlichen Rahmenbedingungen und der Bankensteuer. Von Euphorie kann keine Rede sein. "Es macht noch immer Sinn, vorsichtig zu sein", sagte Berndt May, Vorstand der Vereinigung der ausländischen Investmentgesellschaften (VAIÖ) am Montag vor Journalisten.

Auch wenn sich nach Angaben der Vereinigung der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG) die Aufwärtsentwicklung im Jänner und Februar 2010 fortgesetzt hat, wird es wohl noch eine Weile brauchen, bis die Volumina der Jahre 2005 bis 2007 erreicht werden. Im Spitzenjahr 2006 verwalteten die heimischen KAG ein Fondsvolumen von 167,3 Mrd. Euro, ein Jahr darauf waren es 163,8 Mrd. Euro.

"Nicht besonders überraschend" haben 2009 jene Segmente, die in der Krise am meisten verloren haben, am meisten gewonnen, sagte VÖIG-Präsident und Sparinvest-Chef Heinz Bednar. So haben sich die 2008 stark unter die Räder gekommenen osteuropäische Aktienfonds besonders gut erholt.

Auch in Österreich sind vor allem die Aktienfonds gewachsen. Sie verzeichneten 2009 mit 1,5 Mrd. Euro die höchsten Nettomittelzuflüsse, spielen hierzulande dennoch nur eine relativ geringe Rolle. Der Anteil der Aktienfonds am gesamten Fondsvolumen stieg im Vorjahr lediglich von 9 auf 13 Prozent an. Zum Vergleich: Weltweit beträgt deren Anteil laut May rund 38 Prozent.

Die höchsten Abflüsse erfuhren aufgrund der niedrigen Zinsen die Geldmarktfonds (-1,9 Mrd. Euro), deren Anteil am gesamten Fondsvolumen nur mehr 6 (2008: 9) Prozent ausmacht. Mit 63,1 Mrd. Euro steckte 2009 nach wie vor am meisten Geld in Rentenfonds (+393,3 Mio. Euro). Auch bei den gemischten Fonds (48,3 Mrd., +315 Mio. Euro) überwiegt laut Bednar der Rentenanteil. Relativ unbedeutend sind hierzulande die risikoreichen Dachhedge- und Alternativen Fonds. "Im wesentlichen sind wir noch ein relativ konservativ veranlagten Land", meinte der VÖIG-Präsident.

Nach Zielgruppen hat sich von 2008 auf 2009 bei den heimischen Investmentfonds nicht viel verändert. 47,58 (46,16) Prozent entfielen auf Publikumsfonds, 38,80 (35,53) Prozent auf Spezialfonds und der Rest auf Publikumsfonds für Großanleger. Institutionelle Anleger seien 2008 früher ausgestiegen als private, dafür aber schon im ersten Halbjahr 2009 wieder zurückgekehrt, sagte Bednar. Private Anleger hätten sich erst 2009 wieder auf Fonds-Terrain gewagt. Die meisten Nettomittelzuflüsse seien aber von institutionellen Anlegern gekommen. Gründe dafür sehen VÖIG und VAIÖ unter anderem in der unbegrenzten Einlagensicherung für private Sparguthaben. Dass diese mit Jahresbeginn 2010 wieder auf 100.000 Euro zurückgefallen ist und die Zinsen momentan extrem niedrig sind, gibt der Branche für heuer Hoffnung auf mehr frisches Geld auch von Privaten. Im Jahr 2008 hatten Investoren nach VÖIG-Schätzungen rund 6,7 Mrd. Euro aus Fonds abgezogen, der Rest der Verluste von insgesamt 37,8 Mrd. Euro resultierte aus der Finanzkrise, so Bednar zur APA.

Die Krise ist auch an den Fondsanbietern nicht spurlos vorübergegangen. "Wir sparen, wo es geht", sagte May. "Im Vertrieb wurde überall der eine oder andere Mitarbeiter gebeten, zu gehen." "Ein paar" internationale Fondsgesellschaften hätten sich aus im Vorjahr aus Österreich zurückgezogen, einige Fonds seien aufgelöst oder zusammengelegt worden. Die heimischen KAG hätten ebenfalls "massive Kosteneinsparungen durchführen" müssen, meinte Bednar. Bei den Mitarbeitern sei der Abbau aber "nicht dramatisch" gewesen, sagte VÖIG-Generalsekretär Dietmar Rupar.

Per Ende Dezember 2009 waren hierzulande 7.321 österreichische und ausländische Fonds zum Vertrieb zugelassen. Die Zahl der inländischen Fonds ist nach VÖIG-Daten von 2.300 im Jahr 2008 auf 2.174 im Vorjahr geschrumpft.

Zusätzlichen Druck befürchtet die Branche von regulatorischer und politischer Seite - Stichwort Bankensteuer. Sollten auch heimische KAG einen Beitrag leisten müssen, wäre man massiv im Wettbewerbsnachteil. Die ausländischen KAG wären von einer solchen Steuer nicht betroffen, weil sie im Gegensatz zu den österreichischen über keinen Bankenstatus verfügen, argumentierte Rupar. Außerdem "haben wir die Finanzkrise nicht verursacht". Sollte die Steuer kommen, "trifft das die Kunden, und nur die Kunden".

"Total verunglückt" ist aus der Sicht der Branche auch der EU-Richtlinienvorschlag für risikoreiche Anlageprodukte (AIFM), der eigentlich nur die Hedgefonds regulieren hätten sollen. In der Eile habe man aber zu viele Produkte über einen Kamm geschert, so wären in Österreich etwa 40 Prozent des Fondsvermögens davon betroffen, darunter Immobilieninvestment- und Spezialfonds, monierte Bednar. Bei Umsetzung des Entwurfs käme es zu einem "reinen Preiswettbewerb". (APA)


 
 

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