Schuldenproblem

'Inflation kommt'   Facebook be



23.02.2010
 

Martin Hüfner, volkswirtschaftlicher Berater der österreichischen Vermögensanlagebank direktanlage.at, geht in seinem aktuellen Marktkommentar auf das Problem der Teuerung ein. Hüfner erwartet aufgrund der hohen Staatsverschuldungen steigende Inflation in Europa. In den USA rechnet er gar mit einer Preissteigerung von vier bis sechs Prozent.

"Generell gilt die Formel: Hohe Staatsverschuldung + hohe Liquidität + gute Konjunktur = hohe Inflation", sagt Hüfner. "Die Formel beschreibt die historische Erfahrung, die Deutschland im 20. Jahrhundert zwei Mal gemacht hat. In den beiden Weltkriegen hatte sich der Staat zur Finanzierung seiner Ausgaben stark verschuldet. Die jeweiligen Notenbanken haben das durch grosszügige Liquiditätsausweitung finanziert. Jedes Mal wurde dann eine Währungsreform erforderlich."

So etwas könne aber auch in Friedenszeiten passieren, meint der Volkswirt. In Zeiten der Rezession baue der Staat seine Produktionskapazitäten aus, das Geld dafür komme von der Nationalbank. Springt die Konjunktur wieder an, steigen bei unveränderter Fiskal- und Geldpolitik die Preise. Dies sei unsere gegenwärtige Situation, sagt Hüfner. "Inflation kann aber auch durch Staatsverschuldung resultieren: Der Staat versucht sich zu entschulden, indem er Inflation fördert oder zulässt", erklärt der Experte. "Damit kann er seine Verbindlichkeiten mit einem Geld zurückzahlen, das weniger Wert ist."

Gewollte Inflation als Rezept gegen Staatsschulden?

Die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley hat kürzlich eine interessante Rechnung für die Zukunft aufgemacht: Wenn die Amerikaner ihre derzeitige Staatsverschuldung in den nächsten Jahren nicht ansteigen lassen wollen, dann haben sie zwei Alternativen: Entweder halten sie die Inflation konstant bei 2 Prozent. Dann müssen sie in den Haushalten Überschüsse von 2,4 Prozent erwirtschaften. Oder Sie verzichten auf Überschüsse in den öffentlichen Haushalten. Dann müssen sie eine Inflation von vier bis sechs Prozent pro Jahr zulassen.

In Europa seien die Zusammenhänge nicht viel anders, so Hüfner: "Selbst wenn die Budgetdefizite bald wieder auf unter drei Prozent sinken, wird ein weiterer Anstieg der Staatsschuld nur zu verhindern sein, wenn die Inflation stärker ansteigt."

Was heisst das für den Anleger? "Die Befürchtungen, dass die Staatsverschuldung zu mehr Inflation führt, sind nicht aus der Luft gegriffen", meint der direktanlage.at-Berater. "Die Zusammenhänge bestehen wirklich. Ich rechne damit, dass die Inflation in Europa mittelfristig höher sein wird als in den letzten Jahren, allerdings nicht so hoch wie die für die USA errechneten vier bis sechs Prozent."


 
 

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