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Inflation voraus

Inflation – ein Ausweg aus dem Schuldendebakel?   Facebook be



16.02.2010
 
Inflation das kleinere Übel als Deflation?

Inflation ist das kleinere Übel als Deflation, das ist die Leitmaxime, wenn man das derzeitige Deficit-Spending in den USA und Europa, die forcierte Niedrigzinspolitik und die Defizitfinanzierung durch die US-Zentralbank als Maßstab nimmt. Dies ist auch spätestens seit der Verkündung der ökonomischen Heilslehre durch Keynes das Credo der tonangebenden Ökonomen, die das Heft fest in der Hand halten. Noch ist die Inflationsrate trotz der oben genannten Maßnahmen gering, aber selbst Ökonomen halten inzwischen eine Beschleunigung der Inflation nicht für ausgeschlossen und Börsengurus wie Marc Faber warnen vor der Gefahr einer Hyperinflation. Sollte die Inflation nämlich über gewisse kritische Marken von 4 bis 5% ansteigen (es genügt auch ein befürchteter Anstieg), werden Anleger, die bisher in Staatsanleihen investierten, diese Papiere in einer panikartigen Reaktion abstoßen, was die Zinsen noch oben katapultieren wird. Bei diesem Szenario werden die Zentralbanken allerdings keine wirkungsvollen Gegenmaßnahmen mehr treffen können, und die bereits jetzt von einigen Vordenkern befürchtete Anleihenblase wird mit einem Knall zerplatzen, der noch um einiges lauter sein wird als das Platzen der Immobilienblase. Alle, die in Staatspapiere investiert haben, sowohl private Sparer, Anleihekäufer, Institutionelle und Fonds werden empfindliche Verluste erleiden, wenn diese größte aller Blasen birst.

Dabei hat selbst Keynes vor der Inflation gewarnt:

„Lenin soll gesagt haben, der beste Weg zur Zerstörung des kapitalistischen Systems sei die Verwüstung der Währung. Durch einen anhaltenden Prozess der Inflation können sich die Regierungen im Verborgenen und unbeobachtet einen beträchtlichen Teil des Vermögens ihrer Bürger aneignen. Aber die Regierungen können sich dabei nicht nur das Vermögen aneignen, sondern es sich zudem willkürlich aneignen, wodurch manche verarmen, während sich andere bereichern........ Wenn die Inflation fortschreitet und der reale Wert der Währung ungezügelt von Monat zu Monat schwankt, werden alle bestehenden Beziehungen zwischen Schuldnern und Gläubigern, welche die grundlegende Basis des Kapitalismus sind, schwerwiegend gestört bis hin zur weitgehenden Bedeutungslosigkeit; und der Prozess des Wohlhabend-Werdens verkommt zu Spiel und Lotterie. – Lenin hatte sicherlich recht. Es gibt kein subtileres, kein sichereres Mittel, die bestehende Grundlage der Gesellschaft umzustürzen als durch die Verwüstung der Währung. Dieser Prozess stellt all die geheimen Kräfte der wirtschaftlichen Gesetze in den Dienst der Zerstörung, und zwar auf eine Weise, die nicht einer aus einer Million richtig zu erkennen in der Lage wäre.“
(übersetzt aus John Maynard Keynes: The Economic Consequences of the Peace, 1919, Auflage 2005, S. 235-236)

Nicht alle Ökonomen halten Inflation für ein Übel

Allerdings messen manche Ökonomen der Inflation keine besondere Bedeutung bei und meinen vielmehr, dass ihre Bekämpfung zu unangemessenen Kosten führe.
An sich ist es „ziemlich egal, ob wir eine Inflation von zwanzig Prozent oder von null Prozent haben. Wichtig für die Wirtschaft ist nur, dass sie immer zwanzig Prozent beziehungsweise immer null Prozent beträgt", wird in „Die Zeit“ (28/1983) ein Experte zitiert. „Uns erscheint der Rang des Zieles der Geldwertstabilität in der politischen Diskussion maßlos übertrieben", meinte 1976 der Wiener Professor Erich Streissler in einem Gutachten im Auftrag der „Kommission für wirtschaftlichen und sozialen Wandel" (Die Zeit 28/1983). Und der bekannte Ökonom James Tobin sagte zur Inflation der 70er Jahre, dass der „Kreuzzug gegen die Inflation" in den letzten Jahren „Hunderte von Milliarden Dollar" gekostet habe (alle Zitate: http://www.zeit.de/ )

Die wirtschaftlichen Eliten profitieren von Inflation.....

Ist also Inflation gar nicht so schlecht, sondern vielmehr das unumgängliche Schmieröl der Wirtschaft? Oder muss man sich fragen, ob beim Kleinreden der Inflation nicht zum Tragen kommt, dass gerade die ökonomische Elite von einer kontrollierten Inflation übermäßig profitiert. Warum? Um der Inflation Paroli zu bieten, ist es erforderlich, bei der Veranlagung des eigenen Vermögens etwas mehr Know-How anzuwenden, als es simples Anlegen auf Sparbüchern erfordert. Dies führte dazu, dass Berater benötigt werden, die dem Anleger bei der Veranlagung hilfreich zur Seite stehen, ja dass eine ganze Industrie aufblühte, die auf der Jagd nach hohen Renditen immer komplexere Anlagemodelle entwickelte, und es sich dabei selbst wohlgehen lässt – die Boni kratzen bereits wieder am Rekordniveau, nachdem zwischendurch der Steuerzahler in Sippenhaftung genommen wurde.

.... Sparer werden dagegen schleichend enteignet

Anleger jedoch, die nicht über das nötige Wissen verfügen und ihr Geld auf althergebrachte Weise in Sparbüchern oder ähnlich einfachen Produkten veranlagen, werden auf perfide Weise vom Staat zur Kasse gebeten, indem nämlich der bescheidene Zinsertrag, der – wenn überhaupt – gerade zur Abdeckung des Inflationsverlustes ausreicht, noch einer Zinsertragssteuer unterliegt, die zu einem schleichenden, aber unaufhaltsamen Vermögensverlust führt. Die Forderung nach einer Wiedereinführung der Vermögenssteuer setzt dann dem Ganzen noch eine Krone auf.
Inflation führt also dazu, dass ein großer zeitlicher und intellektueller Aufwand betrieben werden muss, um ihr zu entrinnen, ein Aufwand, den man besser produktiv nützen könnte (ähnlich dem Aufwand, den ein überkomplexes Steuersystem mit sich bringt) und der zu einer Umverteilung in Richtung Staat und den finanziellen und ökonomischen Eliten führt, die letztlich den Staat beherrschen.

Inflation ist inzwischen politisch opportun

Inflation ist ein beliebtes Allheilmittel in der Politik. Denn Politiker tendieren dazu, unlösbare Probleme auszusitzen und wegzuinflationieren und sie nach ihrer Legislaturperiode den Nachfolgern aufzubürden. Zudem führt Inflation zu einem überproportional wachsenden Steueraufkommen, da in der Regel die Steuerklassen nicht an die Inflation angepasst werden und somit immer mehr Steuerzahler in hohe Steuerklassen vorrücken, von der oben erwähnten kalten Enteignung der Sparer mal ganz abgesehen. Auch das ist für den Politiker eine angenehme Begleiterscheinung der Inflation, kann er doch dann von Zeit zu Zeit längst überfällige und ohnehin zu geringe Anpassungen als großartige Steuer-Reform verkaufen. Allein schon unter diesem realpolitischen Aspekt ist es keineswegs egal, ob die Inflation 0%, 5% oder 20% beträgt.

Auch schleichender Verlust kumuliert sich

Doch nicht nur in einer Hyperinflation kommt es zu einem totalen Wertverlust des Papiergeldes, auch ein steter Tropfen höhlt den Stein: So hat der US-Dollar seit 1913, dem Gründungsjahr der FED, 95% an Wert verloren (nachdem er zuvor 100 Jahre wertstabil war), der Franken seit 1925 rund 84%, die DM/Euro seit 1950 rund 70%. Dies ist das Schicksal jeglicher Papierwährung, letztendlich tendiert sie gegen Null.

IMF stellt niedrige Inflationsziele in Frage

Auch wenn derzeit noch die Beschwichtigungsökonomen dominieren, die Weichen für den nächsten Entwertungsschub sind wohl gesetzt. Und auch der IMF stimmt die Öffentlichkeit bereits darauf ein, was kommt: Der IMF stellt die niedrigen Inflationsziele der meisten Notenbanken in Frage. „Statt bei 2 Prozent könne es auch bei 4 Prozent liegen“, zitiert das Manager-Magazin den IMF-Forschungsdirektor aus einem internen Papier (http://www.manager-magazin.de/
„Angesichts der schweren Finanzkrise von 2008 könnten sich die Zentralbanken jedoch überlegen, ob sie in normalen Zeiten eine höhere Inflation zuließen, so dass ihnen in wirklich harten Zeiten mehr geldpolitischer Spielraum bliebe“, meint IMF-Forschungsdirektor Olivier Blanchard weiter in diesem Bericht.
Gut zu wissen, worauf es hinausläuft.
(cr)


 
 

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