Erntezeit in der Stahlbranche. Dank der eingeleiteten Kostensenkungsmassnahmen verbessert sich die Gewinnsituation deutlich. Für Anleiheinvestoren sind das Good News.
Deutschlands grösster Stahlhersteller ThyssenKrupp hat nach drei verlustreichen Quartalen die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft - und das überraschend deutlich. Vor Steuern verdiente das Unternehmen zu Beginn des neuen Geschäftsjahres 313 Mio. Euro. Das war ein Plus von 73 Mio. im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatz fiel um 19 Prozent auf 9,4 Mrd. Euro. Gut für die
voestalpine - auch in der schwächelnden Edelstahlsparte ging es bei Thyssen aufwärts, der Vorsteuerverlust wurde im Auftaktquartal von 243 auf 59 Mio. Euro verringert. So sieht die voestalpine-Edelstahltochter Böhler die Situation: Das Edelstahlgeschäft ziehe in einigen Bereichen wieder an. Vor allem aus Asien gebe es wieder mehr Aufträge. „Und es sieht so aus, als wäre der Aufwärtstrend nachhaltig“, sagt der mit Jahresende scheidende Chef Claus Raidl. In Summe wurde bei Thyssen ein Gewinn je Aktie von 0,35 Euro erzielt, knapp drei Prozent weniger als in der Vorjahresperiode, aber fast doppelt so hoch, wie Analysten erwartet hatten.
Für das Geschäftsjahr 2009/10 geht der Konzern von einer Stabilisierung des Umsatzes aus. Für die Ergebnisentwicklung erwartet man eine signifikante Verbesserung hin zu einem wieder positiven Ergebnis. Grund sind die eingeleiteten Kostensenkungsprogramme - was dann auch für die voestalpine gelten müsste. Was aber in den Prognosen zum grössten Teil bereits eingearbeitet ist. So wird im Schnitt von den europäischen Stahlkochern zumindest eine Gewinnverdoppelung im heurigen Geschäftsjahr erwartet.
Unterstützt wird diese Situation durch eine zunehmende Preisfestsetzungmacht der Konzerne, aufgrund teilweise ansteigender Nachfrage: Für Rautaruukki-CEO Sakari Tamminen haben sich die Stahlpreise bereits stabilisiert: „Es konnten einige Preiserhöhungen durchgesetzt werden, keine grösseren, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.“ Auch für SSAB-CEO Olof Faxander ist die Rezession vorbei, er erwartet steigende Umsätze. Von der voestalpine wird es am 25. Februar dazu Stellungnahmen geben, im Rahmen der Ergebnispräsentation des dritten Quartals (erwartet wird ein Gewinnrückgang von 35% auf 0,3 Euro je Aktie).
Am Aktienmarkt sind deutliche Kurssprünge der Stahlbranche trotz aller Preiserhöhungsmeldungen keine ausgemachte Sache. vor allem werden diese Erhöhungen sehr wahrscheinlich von steigenden Preisen für Vormaterialien wie Eisenerz aufgefressen. Echtes Gewinnwachstum kommt also nur aus den Kosteneinsparungen - und da ist derzeit nicht mehr viel möglich, ausser dem Basiseffekt 2010. Weiteres Problem: Heute verschärfte China wieder seine Mindestreservestandards, was das Kreditwachstum weiter drücken wird. Für Zykliker, wie es Stahlkonzerne sind, gibt es erfreulichere News - Anleiheninvestoren ist das aber relativ egal. Wichtig ist hier vor allem die Fähigkeit der Unternehmen, ihre Verbindlichkeiten bedienen zu können. Der weiter verbesserte Gewinnausblick sollte das jedenfalls sicher stellen.
Von den Unternehmen her scheint ThyssenKrupp die interessantesten Papiere im Talon zu haben, da sie die höchsten Renditen aufweisen. Aber das ist relativ, hier wird bereits eine Verbesserung des Ratings vom derzeitigen Junk-Bond-Status gen Investment Grade (BBB-) eingepreist.
Die beiden interessantesten Papiere dürften voestalpine und ArcelorMittal (XS0431928760) sein. Bei Arcelor wird derzeit ein Downgrade auf ein BBB- eingepreist, das aber nicht in Sicht sein sollte. Vorteil für voestalpine ist sicher die für Privatanleger interessantere Stücklung von 500 Euro.
(gill)


