Ob die Immobilienkrise bereits ausgestanden ist, ist eine gute Frage. Denn erst vor zwei Tagen, am 8. Februar 2010, musste der Immofonds Anbieter Aberdeen die Assets des Degi Global Business Fonds um über 68 Mio. Euro abwerten. Wegen der vorhandenen Kreditfinanzierung sinkt der innere Fondswert um 21,6%, was laut Financial Times DE den höchsten Wertverlust bei einem offenen Immobilienfonds in Deutschland darstellt. Ein halbes Jahr davor musste bereits Morgan Stanley den Fonds P2 Value wertberichtigen, was dessen Net-Asset-Value um fast 14% verringerte.
Mindestens zehn Dachfonds stark betroffen
Der Degi Global ist zwar nur für institutionelle Anleger gedacht und findet sich in etlichen Dachfonds wieder, sodass auch Privatanleger betroffen sind. Es soll sich um zumindest zehn Dachfonds handeln, am stärksten betroffen mit einem fast 10%igen Portfolioanteil sind der CS Portfolio Real (Credit Suisse) und der GREIFF Rendite Plus OP (Oppenheim). In der Branche zeigt man sich über die unerwartete Abwertung schockiert; man ist verwundert, wieso ein turnusmäßig bewertetes Portfolio plötzlich dermaßen einbrechen konnte. Der Degi Global und der P2 Value sind zwei der offenen Immofonds, deren Anteilsrücknahme bereits im letzten Jahr ausgesetzt werden musste. Kann das Fondsvermögen offener Fonds nicht am Markt verkauft werden, was bei Immobilien häufig der Fall ist, müssen die Anleger in Deutschland auf die Rücknahme ihrer Anteile entsprechend lange warten, bis ein ausreichender Teil des Vermögens verkauft werden konnte (oder die Liquidität durch Zuflüsse wieder angestiegen ist), zu angemessenen Bedingungen, also nicht um jeden Preis. Und so etwas kann in der Krise schon dauern. Betroffen sind in Deutschland 300.000 Anleger, die auf ihr Geld in der Höhe von mehr als 6 Mrd. Euro warten müssen. Und dieser Betrag könnte noch steigen.
Kommt es zu einem Dominoeffekt?
Die Abwertung beim Degi Global zeigt bereits weitere Effekte: Heute musste der TMW Immobilien Weltfonds (TMW Pramerica Property Investors) erneut mangels Liquidität für drei Monate ausgesetzt werden, da wegen der von Degi Global ausgelösten Verunsicherung besorgte Anleger auch aus anderen Immobilienfonds Gelder abziehen bzw. abziehen möchten. Der TMW Immobilien Weltfonds war bereits über ein Jahr bis 11. Dez. 2009 ausgesetzt. „Wir sind entsetzt über die Brachialgewalt, mit der hier abgewertet wurde“, äußerte sich Günther Knappert, Manager des Stratego Grund Dachfonds der LBB-Invest, gegenüber Financial Times (www.ftd.de): „Das fügt der ganzen Branche einen großen Schaden zu!" Womit Knappert wohl nicht so unrecht haben könnte.
(wird fortgesetzt)
cr
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