Nach Überzeugung prominenter Marktstrategen deutet sich bei Schwellenländer-Aktienfonds eine Wiederholung des steilen Erholungsmusters aus dem Jahre 2004 an. Die jüngsten Rückschläge an den Märkten in China, Indien und anderen Emerging-Market-Börsen sind nach Überzeugung der Strategen nur ein Vorspiel für eine umfassende Erholung. Experten der Grossbanken Morgan Stanley, Credit Suisse Group AG and Goldman Sachs Group Inc. äussern sich daher ungeachtet der jüngsten Verluste so optimistisch wie seit Längerem nicht mehr.
So stellt Jonathan Gartner von Morgan Stanley dem MSCI Emerging Markets Index ein Wachstum von 34 Prozent bis zum Ende des Jahres 2010 in Aussicht. Die Unternehmensgewinne werden seiner Meinung um 40 Prozent zulegen. Sein Kollege Sakthi Siva von der Credit Suisse sieht Kursverluste als Einstiegschance. Kunden empfiehlt er, zu kaufen, wenn der MSCI Emerging Markets Index 5,3 Prozent unter den Schlusswert der vergangenen Woche fällt. Thomas Deng von Goldman Sachs setzt voll auf China und rechnet beim dortigen Benchmarkindex CSI 300 in den kommenden zehn Monaten mit einem Plus von 36 Prozent. Im Jahre 2004 hatte sich der MSCI-Index nach einer zweimonatigen Verlustphase elf Prozent verloren, bevor er ab Mai zu einer Erholung bis zum Jahresende von 26 Prozent ansetzte. Damals wie heute ziehen die Investoren ihre Gelder aus Schwellenmarkt-Fonds ab, was derzeit mit Sorgen über das eingeschränkte Kreditwachstum in China und den tendenziell steigenden Leitzinsen in Brasilien und Indien begründet wird. “Die Schwellenländer werden gestärkt aus dieser Situation hervor gehen”, sagte Vermögensverwalter Julian Mayo von Charlemange Capital in London. Im Moment habe es der Markt mit einem “Bremsklotz” zu tun. Aber 2004 habe sich auch als gutes Jahr für Investitionen in Schwellenmärkte erwiesen, sagte er. Seit dem bisherigen Jahreshoch vom 11. Januar hat der MSCI World rund 13 Prozent nachgegeben. Das war die stärkte Abwärtsphase seit dem 2. März 2009, als der Index eine 16- prozentige Korrektur beendet hatte. Die abgelaufene Woche beendete der Index um 3,8 Prozent schwächer bei 897,70 Zählern und damit auf dem niedrigsten Niveau seit dem 15. September.
Rohstoffwerte wie OAO Gazprom aus Russland, der brasilianische Minenkonzern Vale SA mit Sitz in Rio de Janeiro und viele Finanzaktien wie jene der Industrial & Commercial Bank of China Ltd. in Peking führten in ihren Branchen den Abwärtstrend an. “Die Situation erinnert mich an das Jahr 2004”, sagte Siva von der Credit Suisse, der hier als Stratege für die Region Asien-Pazifik in Singapur tätig ist. Er rät den Anlegern zum Zukauf bei einem Niveau des MSCI World von 850 Punkten, was 5,3 unterhalb des Schlussniveaus der letzten Woche liegt. Das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern wird vom IWF im laufenden Jahr auf sechs Prozent geschätzt und im kommenden Jahr auf 6,3 Prozent. Derzeit ist der MSCI auf dem 12- fachen der Gewinnprognosen bewertet. Zum Vergleich: Im April 2004 war diese Bewertung auf dem 14-fachen. Stratege Gartner rechnet mit einer Erholung der Gewinne im MSCI von 40 Prozent. Im vergangenen Jahr waren die Gewinne im Mittel um 15 Prozent geschrumpft. Noch immer bewegt sich der MSCI für die Schwellenländer 33 Prozent unterhalb seines Allzeithochs aus dem Jahre 2007. Auch die Bewertungen in China, dem wichtigsten Schwellenmarkt der Welt, sind derzeit nur halb so hoch wie auf dem Niveau des Allzeithochs im Jahre 2007. Das mittlere Kurs-Gewinn-Verhältnis im CSI 300 beträgt derzeit 26. Im Hoch betrug die Kennzahl 52.
(Bloomberg)









