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Absolute Return

Fonds für unsichere Börsenzeiten - Interview mit Thomas Loszach, BlackRock   Facebook be



04.02.2010
 
Long-Only ist keine optimale Langfrist-Strategie


BE: Die aktuelle Finanzkrise hat gezeigt, dass long-only-Aktienfonds keine ganz befriedigende Lösung sein können. BlackRock hat daher einigen Aktienfonds ein erweitertes Instrumentarium mitgegeben, um flexibler zu agieren. Herr Loszach, welche derartigen Fonds gibt es nun in Österreich, die auch für Privatanleger zugänglich sind?

Loszach: In Österreich können Privatanleger mit unserem BSF European Absolute Return Strategies Fund auf eine Investmentstrategie setzen, die unabhängig von der Bewegung an den Aktienmärkten einen positiven Ertrag anstrebt.

BE: Was ist das genaue Konzept dahinter? Welche Möglichkeiten hat der Fondsmanager bei fallenden Kursen?

Loszach: Absolute-Return-Fonds versuchen, bei einer gegenüber klassischen Fonds geringeren Volatilität Erträge zu erwirtschaften, die von der Börsenentwicklung unabhängig sind. Absolute-Return-Manager wenden dazu Techniken an, die ihnen sowohl bei steigenden als auch bei fallenden Kursen Erträge liefern können. Damit steigt die Bedeutung der Einzelwertauswahl für die Erzielung von Mehrerträgen („Alpha“), während der Einfluss der Gesamtmarktentwicklung („Beta“) sinkt.

BE: Inwieweit ist ein derartiger Fonds dann noch UCITS-konform, d.h. insb. für Privatanleger geeignet?

Loszach: Nach der UCITS III Richtlinie sind bei Investmentfonds synthetische Short-Positionen möglich. Leerverkäufe sind hingegen nicht erlaubt. In unserem Fonds nutzen wir zum Aufbau von synthetischen Short-Positionen Contracts for Differences (CFD). CFDs sind Differenzgeschäfte. Sie gehören zur Gruppe der Derivate und erlauben die volle Partizipation an der Kursentwicklung einer Aktie ohne deren physischen Besitz.

Neben synthetischen Short-Positionen stellen Pair-Trades ein wichtiges Werkzeug für einen Absolute-Return-Manager dar. Mit Pair-Trades lässt sich das Marktrisiko, das mit einem Aktieninvestment einhergeht, sehr effizient reduzieren. Der Mechanismus eines Pair-Trades lässt sich am besten anhand eines einfachen Beispiels erklären. Angenommen der Fondsmanager sieht in der Öl-Aktie A eine sehr gute Investmentchance, hält die Öl-Aktie B aber für ein schlechtes Investment. In diesem Fall würde er die Aktie A kaufen und die Aktie B über eine synthetische Short-Position – beispielsweise einen CFD – verkaufen. Da beide Aktien aus demselben Sektor – in unserem Beispiel der Ölbranche – stammen, wird durch diesen Pair-Trade ein Großteil des Marktrisikos eliminiert. Die Performance wird nicht aus der Entwicklung des Marktes generiert, sondern alleine aus der unterschiedlichen Wertentwicklung der beiden Aktien. Im Idealfall steigt die Aktie A, während die Aktie B an Wert verliert. Aber die Ertragschance ist nicht nur auf diese Konstellation beschränkt. Der Fondsmanager erzielt bereits dann Gewinne, wenn sich die Aktie A besser als die Aktie B entwickelt – sogar dann, wenn die Aktie A fallen sollte. Mit Pair-Trades lassen sich somit in jeder Marktsituation positive Renditen erzielen.

BE: Inwieweit kann auch bei steigenden Kursen gehebelt werden?

Loszach: Die UCITS-III-Richtlinie erlaubt dazu zwar keine Fremdfinanzierung von Investments, über Derivate kann allerdings eine Hebelwirkung aufgebaut werden. Diese Hebel können die Gewinne eines Fonds erhöhen – sie können aber auch Verluste verstärken.

BE: Hat sich die Strategie bewährt und konnte wirklich eine bessere Performance im Vergleich zu long-only erzielt werden?

Loszach: Man kann die Absolute-Return-Strategie eigentlich nicht mit einer long-only-Strategie vergleichen. Bei einer long-only-Strategie wollen die Anleger von einem langfristigen Marktanstieg profitieren und sind dafür bereit, Risiken einzugehen, falls der Markt nach unten laufen sollte. Bei Absolute-Return-Strategien steht die Verlustvermeidung an erster Stelle. Die Investoren wollen ein Basisinvestment, das ihnen aufs Jahr gesehen keinen Verlust bringt, aber höher rentiert als beispielsweise das klassische Sparbuch. Bislang hat der BSF European Absolute Return Strategies Fund diese Anforderung erfüllt.

BE: Wie groß ist das Risiko für den Anleger dadurch, dass Hedge-Instrumente eingesetzt werden?

Loszach: Die Hedge-Instrumente dienen grundsätzlich dazu, das Risiko des Fonds zu reduzieren und nicht zur Renditemaximierung. Daher sollten dem Anleger, wenn das Fondsmanagement seine Hausaufgaben ordentlich macht, keine höheren Risiken als bei einem klassischen Investmentfonds entstehen: Im Gegenteil! Dennoch ist ein gutes Risikomanagement wichtig. Das Risiko einer Short-Position verhält sich nämlich nicht symmetrisch zum Risiko einer Long-Position. Liegt der Fondsmanager mit einer Long-Position daneben, nimmt ihr Anteil am Gesamtportfolio ab. Im Extremfall geht ihr Anteil gegen Null. Bei einer Short-Position tritt das Gegenteil ein. Je stärker die Aktie steigt, auf deren Kursrückgang der Fondsmanager gesetzt hat, umso stärker wird der Anteil dieser Position am Gesamtportfolio. Deshalb sollte das Anlageteam täglich die Risiken der Positionen im Portfolio überwachen lassen. Nur so lässt sich auch in Zeiten hoher Volatilität sicherstellten, dass die Marktneutralität – also ein Beta von nahe Null – erreicht wird.


BE: Hat sich das Fondsgeschäft nach dem starken Einbruch 2008 wieder normalisiert oder sieht man noch eine große Skepsis bei den Anlegern bzgl. Aktienfonds?

Loszach: In 2009 haben in erster Linie die Profiinvestoren – also die institutionellen Anleger – die Chancen ergriffen, die sich an den Aktienmärkten geboten haben. Aber auch bei den Privatanlegern gab es mutige Investoren, die an den Aktienmarkt zurückgekehrt sind. Ehrlicherweise muss man sagen, dass die risikolosen Anlagealternativen – beispielsweise Festgeld oder das Sparbuch – so unattraktiv wie lange nicht waren.

BE: Gibt es besonders erwähnenswerte neue (aktive) Fondsprodukte in letzter Zeit bei BlackRock?

Loszach: Im vergangenen Oktober haben wir den BlackRock Strategic Funds (BSF) Fixed Income Strategies Fund aufgelegt. Das ist ein aktiv gemanagter, flexibler Fonds für Anleger aus der Euro-Zone, die mittelfristig attraktive absolute Erträge suchen. In diesem Februar werden wir zudem einen Agriculture Fund auf den Markt bringen, mit dem Anleger vom steigenden Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen profitieren können.

BE: Was ist der Hintergrund, in Österreich eine eigene Niederlassung zu eröffnen?

Loszach: Wir sind in Wien seit drei Jahren mit einer eigenen Niederlassung präsent, weil der österreichische Markt für uns sehr wichtig ist und wir so einfach eine bessere Kundenbetreuung sicher stellen können.

BE: Könnten Sie kurz BlackRock etwas beschreiben. Wo sieht BlackRock seine Stärken im Fondsgeschäft für Privatanleger?

Loszach: BlackRock ist ein weltweit führender Anbieter in den Bereichen Investmentmanagement und Risikomanagement sowie bei der Beratung von institutionellen und privaten Anlegern. Per 31. Dezember 2009 beliefen sich die verwalteten Kundengelder von BlackRock insgesamt auf 3,346 Billionen US-Dollar. Privatanleger finden bei uns für jedes Rendite-Risiko-Profil und jede Anlageklasse die passenden Produkte. Zudem hat unser Haus seit jeher eine sehr ausgeprägte Risikomanagement-Kultur.

BE: Herr Loszach, vielen Dank für das ausführliche Gespräch und viel Erfolg in Österreich.

Zur Person:
Thomas Loszach
ist Leiter Retail Business Österreich bei BlackRock. BlackRock ist der größte globale Anbieter aktiv gemanagter Fonds und seit der Übernahme von iShares auch Weltmarktführer bei ETFs. Die Assets under Management belaufen sich auf über 3 Billionen USD.
(cr)


 
 

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