Drei grosse westliche Notenbanken trafen sich zu ihren jeweiligen Zinssitzungen - das Ergebnis war überall das Gleiche: Nirgendwo wurde der Zinssatz angetastet.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hält den Leitzins für den Euro-Währungsraum unverändert auf einem Rekordtief. Der Satz bleibt bei 1,0 Prozent. Seit Mai 2009 verharrt der entscheidende Zinssatz zur Versorgung von Geschäftsbanken mit Zentralbankgeld wegen der Finanzkrise auf diesem historisch niedrigen Niveau. Obwohl das tiefe Konjunkturtal in vielen Euro-Ländern inzwischen durchschritten ist, rechnen Volkswirte erst in der zweiten Jahreshälfte mit einer Leitzinserhöhung. Denn noch sind die Konjunkturaussichten unsicher und das Wachstum wird weitgehend durch staatliche Pakete und eine expansive Geldpolitik getragen. Höhere Zinsen würden Kredite für Firmen und Verbraucher noch verteuern - das könnte die Erholung der Konjunktur hemmen. Dreht die Notenbank dagegen zu spät den Geldhahn zu, droht Inflation. Doch auch an der Preisfront herrscht derzeit für die EZB angesichts niedriger Teuerungsraten kein Druck.
Die Bank of England lässt ihr Ankaufprogramm für Anleihen unverändert. Die britische Notenbank kündigte am Donnerstag an, das Programm zum Ankauf von Anleihen im Umfang von 200 Mrd. Pfund (229 Mrd. Euro) zu belassen und die Stärke der Wirtschaftserholung zu beobachten. Die Notenbank beliess ausserdem die Leitzinsen unverändert auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent. “Die Unsicherheiten in der Haushaltspolitik vor den Wahlen sind der Grund für die abwartende Haltung, die die Notenbank einnimmt”, sagte Nick Kounis, ehemaliger Mitarbeiter im britischen Finanzministerium und jetzt Ökonom bei Fortis. Der geldpolitische Ausschuss unter dem vorsitzenden Notenbankgouverneur Mervyn King muss die Gefahr einer neuerlichen Talfahrt der Wirtschaft austarieren mit den Risiken steigender Inflation und Sorgen, dass eine kommende Regierung das rekordhohe britische Haushaltsdefizit nicht senkt. Der geldpolitische Ausschuss werde den angemessenen Umfang der Anleihekäufe laufend prüfen und weitere Käufe vornehmen, sollte der Ausblick dies erforderlich machen, heisst es in der Mitteilung der Bank of England.
Australiens Exportunternehmen atmen ebenfalls durch. Die Entscheidung der Notenbank, die Leitzinsen bei 3,75 Prozent zu belassen und nicht weiter zu erhöhen, gibt ihnen die Möglichkeit, die vielen Zinsanstiege des vergangenen Jahres besser zu verdauen. Hintergrund: 2009 hatte die australische Währung gegenüber dem US-Dollar rund 28 Prozent an Wert gewonnen. Das machte in Australien hergestellte Produkte im Ausland potenziell teurer und damit weniger attraktiv. Angetrieben wurde die Währungs- Rally durch die Entscheidung der australischen Notenbank, die Leitzinsen in dem Jahr gleich dreimal zu erhöhen. Doch damit scheint nun erst einmal Schluss zu sein. „Wenn man der einzige ist, der die Zinsschraube anzieht, hat man ein echtes Problem“, sagte Zinsexperte Matthew Johnson von der UBS mit Bezug auf Australiens Notenbankchef Glenn Stevens. „Höhere Leitzinsen strangulieren immerhin einen Teil der Konjunktur.“ Unter Devisenhändlern war der australische Dollar im vergangenen Jahr hingegen „der Liebling aller“, sagte Mansoor Mohi-uddin, ein ebenfalls in den Diensten der UBS stehender Währungsexperte aus Singapur. „Jetzt, wo die Zentralbank ganz offensichtlich einen anderen Blickwinkel eingenommen hat, wird es wohl einige Gewinnmitnahmen bei in den australischen Dollar investierten Anlegern geben.“ Devisenhändler sehen inzwischen nur noch eine Chance von 28 Prozent, dass die australischen Währungshüter bei ihrer nächsten Sitzung am 2. März die Leitzinsen anheben werden. Das geht aus Bloomberg-Daten hervor. Vor der jüngsten Notenbank-Entscheidung Anfang dieser Woche lag die Wahrscheinlichkeit für einen Anstieg nach Meinung des Marktes noch bei 100 Prozent.
Hinter der Strategie von Notenbankgouverneur Glenn Stevens, den Leitsatz auf seinem aktuellen Niveau zu belassen, stehen möglicherweise auch die jüngsten Probleme in der Euro-Zone: Die Finanzklemme von Griechenland schürt hier Befürchtungen, die Krise könne sich auf andere Länder ausweiten und die europäische Gemeinschaftswährung unter Druck setzen. Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), erklärte erst vor wenigen Tagen, dass er die relativ niedrigen Leitzinsen im Euroraum von derzeit einem Prozent für „angemessen“ hält. Ähnliche Signale kamen vergangene Woche von der amerikanischen Fed. Sie bekräftigte frühere Aussagen, die Leitzinsen für „eine Weile“ nahe Null halten zu wollen. Vor diesem Hintergrund waren Stevens und seine Kollegen „besorgt, sie könnten alleine dastehen“, sagte Volkswirt Joshua Williamson von Citigroup. Ihre Entscheidung, die Leitzinsen nicht weiter zu erhöhen, „gibt zudem anderen Zentralbanken die Möglichkeit, aufzuschliessen. Oder zumindest zu signalisieren, dass sie sich in Richtung einer Zinserhöhung bewegen.“
Das dürften australische Unternehmen wie Foster’s Group Ltd., die weltweite Nummer zwei unter den Weinherstellern, oder der Stahlkonzern BlueScope Steel gerne hören. Beide setzen stark auf den Export. Unterm Strich werden rund 35 Prozent der Gewinne von börsengehandelten australischen Unternehmen von einem Anstieg der australischen Währung zum US-Dollar beeinflusst, schätzte Stratege Chris Pidcock von Goldman Sachs. Der starke australische Dollar und anziehende Finanzierungskosten haben im Dezember zu einem Rückgang des australischen Geschäftsklimas geführt. Es fiel auf das niedrigste Niveau in sechs Monaten, wie eine Erhebung der National Australia Bank Ltd. in dieser Woche zeigte. Neben den Unternehmen bekommen aber auch die privaten Haushalte die Leitzinserhöhungen des vergangenen Jahres zu spüren. So sind laut Stevens die meisten Hypothekensätze seit Oktober um rund ein Prozent gestiegen - was klar über den 75 Basispunkten liegt, um die der Leitzins kletterte. Finanzminister Wayne Swan ist sich sicher: Die Entscheidung der Notenbank, nicht die Zinsen zu erhöhen, wird von den “Haushalten und Unternehmen gleichermassen begrüsst“, wie er bei einer Parlamentssitzung diese Woche in Canberra erklärte.
(Bloomberg)








