Australiens Notenbank hat überraschend auf eine Zinserhöhung verzichtet und damit die Landeswährung auf Talfahrt geschickt. Die Währungshüter nannten am Dienstag die höheren Hypothekenzinsen sowie die straffere Geldpolitik in China als Begründung dafür, den Leitzins in Australien bei 3,75 Prozent zu lassen.
Sollte sich die Wirtschaft des Kontinents aber weiterhin so gut entwickeln wie erwartet, seien weitere Zinserhöhungen nötig, sagte Notenbank-Chef Glenn Stevens. Experten werten das als Hinweis darauf, dass die Währungshüter früher als erwartet die Zinspause eingelegt haben. "Es ist kein Stopp", sagte Peter Jolly von der National Australia Bank. Der Australische Dollar verlor zeitweise mehr als einen Cent.
Die Zurückhaltung der Notenbank trifft auf die Zustimmung der Regierung. Noch in diesem Jahr stehen Wahlen an, und auf die regierende Labour-Partei könnte ein harter Wahlkampf zukommen. "Die Familien und Unternehmen werden diese Entscheidung begrüßen", sagte Finanzminister Wayne Swan. Hypothekenzinsen sind ein heikles Thema in Australien, wo der private Immobilienbesitz eine nationale Obsession darstellt.
Doch auch die weltweiten Entwicklungen mahnen die Australier zur Vorsicht. So ist China dazu übergegangen, die ausufernde Kreditvergabe der Banken zu drosseln, was Sorgen vor einem schwächeren Wachstum der weltweit drittgrößten Volkswirtschaft ausgelöst hat. Dazu kommt, dass die Kreditkonditionen in vielen Ländern schwierig sind, an den Finanzmärkten ist zudem die ausufernde Verschuldung in vielen Staaten ein Thema.
Australiens Notenbank gehörte zu den weltweit ersten Zentralbanken, die im Zuge der anziehenden Konjunktur die Zinszügel wieder angezogen haben.
(APA)








