Das grösste Risiko, mit dem sich der Bankensektor derzeit konfrontiert sieht, ist nicht finanzieller, sondern politischer Natur. Die politische Einflussnahme ist das grösste Risiko für den weltweiten Bankensektor. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Banking Banana Skins", die heute vom "Centre for the Study of Financial Innovation" (CSFI) gemeinsam mit PricewaterhouseCoopers (PwC) veröffentlicht wurde. Die "Politisierung" der Banken als Folge von Rettungsprogrammen und Übernahmen stelle eine grosse Bedrohung für die finanzielle Gesundheit von Banken dar, sagen die 450 befragten Senior-Banker, engen Beobachter der Bankenszene und Aufsichtsbehörden für den Bankensektor.
Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: Banker sind der Ansicht, dass die Politik ihre Kreditvergabeentscheidungen verzerrt. Nach den staatlichen Bankenrettungspaketen fordern Regierungen von den Banken verstärkt, trotz Finanzkrise Kredite zur Verfügung zu stellen. Naturgemäss ist es ein Spagat für Banken, einerseits mehr Kredite zu vergeben, um die Wirtschaft anzukurbeln, gleichzeitig aber auch selbst die Eigenkapitalbasis zu stärken. Nicht-Banker meinten hingegen, dass politische Rettungsmassnahmen Banken zu waghalsigen Geschäften verleiteten, weil sie die Folgen von Risikoüberschreitungen ohnedies nicht selbst zu tragen haben. Aufsichtsbehörden wiederum sorgten sich, die staatliche Unterstützung könnte wieder entzogen werden, bevor Banken genug Zeit gehabt hätten, finanziell wieder auf die Beine zu kommen - ein neuerlicher Kollaps wäre so vorprogrammiert.
David Lascelles, Herausgeber der Studie, meinte: "Es ist schon ironisch, dass sich gerade die Politik als grösster Risikofaktor erweist, obwohl die Banken doch durch staatliche Unterstützung gerettet werden mussten. Die Beziehung zwischen Banken und Gesellschaft ist ganz eindeutig gestört, und es wird Jahre dauern, das Vertrauen wieder aufzubauen. Bis dahin werden die Banken unter diesem Handicap zu leiden haben."
Nr. 3 "Überregulierung"
Das Nr. 1 Risiko "Politische Einflussnahme" steht auf der Liste der 30 grössten Bankenrisiken in engem Zusammenhang mit dem Risiko Nr. 3 "Überregulierung" und der Sorge, dass der Bankensektor durch Überreaktionen auf die Krise (z.B. durch zu strikte gesetzliche und regulatorische Vorgaben) weiteren Schaden nehmen könnte, was sich in weiterer Folge auch auf andere Wirtschaftsbereiche ausweiten könnte. Erwartungsgemäss teilen Aufsichtsbehörden diese Einschätzung der Banker und Beobachter der Branche nicht. Sie sehen das Problem eher in zu wenig Regulierung, als in einer Überregulierung. "Die Studienergebnisse zeigten deutlich, dass den Banken Veränderungen von aussen aufgezwungen werden" so Thomas Strobach von PwC.
Das an zweiter Stelle der aktuellen Studie gereihte Kreditrisiko - und viele andere von der Studie identifizierten Risiken - ergeben sich aus der Unsicherheit darüber, welche Auswirkungen die Rezession auf den Bankensektor hat. Grund für diese Angst ist, dass Banken den Berg ihrer risikobehafteten Kreditstrukturen vielleicht noch nicht überwunden haben und weitere Kreditausfälle drohen.
Banking Banana Skins 2010 ((Reihung vom Jahr 2008 in Klammern)
1 Politische Einflussnahme (-)
2 Kreditrisiko (2)
3 Überregulierung (8)
4 Makroökonomische Trends (5)
5 Liquidität (1)
6 Kapitalverfügbarkeit (-)
7 Derivative (4)
8 Qualität des Risikomanagements (6)
9 Kredit-Risikoprämien (3)
10 Aktienwerte (7)
11 Wechselkursentwicklung (13)
12 Corporate Governance (16)
13 Rohstoffe (12)
14 Zinsen (9)
15 Betrug (11)
16 Management-Vergütung(17)
17 Emerging Markets (18)
18 Große Technologie-Abhängigkeit (15)
19 Hedge Fonds (10)
20 Verlustrisiko durch unkontrollierbare
Händler ("Rogue Trader") (14)
21 Business-Kontinuität (23)
22 Einzelhandelspraktiken (20)
23 Interessenskonflikte (21)
24 Back Office (19)
25 Umweltrisiken (25)
26 Zahlungssysteme (27)
27 Geldwäsche (24)
28 Fusionsfieber (28)
29 Zu wenig Regulierung (29)
30 Konkurrenz durch neue Wettbewerber (30)


