Viele Anleger begehen beim Erwerb von Investmentfonds den „klassischen“ Fehler – sie ziehen im Rahmen ihrer Anlageentscheidung lediglich die bisherige Wertentwicklung der zur Auswahl stehenden Produkte heran und vergleichen sie miteinander. Diese Orientierung ist nicht grundsätzlich falsch, greift aber zu kurz. Zwar können – sofern die Kategorisierung korrekt erfolgt – aus der relativen Performance eines Fonds zu seiner Vergleichsgruppe durchaus Rückschlüsse auf die Qualität des Fondsmanagements bzw. des Investmentansatzes möglich sein. Wichtig ist es aber, diese Betrachtung nur als Teil des Gesamtbildes zu sehen. Denn die isolierte Betrachtung dieses Kriteriums bringt erhebliche Gefahren mit sich. Häufig stehen Fonds, die falsch zugeordnet sind, ganz oben in den Bestenlisten. Oft weisen gerade diese Produkte auch besondere Risiken auf, die es für den Investor zu beachten gilt. Das ist auch der Grund dafür, dass die Top-Performer der Vergangenheit häufig die Verlierer der Zukunft sind, heisst es im Schoellerbank Analysebrief Nr. 157 zu den "größten Fallen beim Fondskauf".
Nicht selten wird der Vergleichszeitraum bei dieser Analyse sehr kurz gewählt. Entscheidend ist aber, wie sich ein Fonds über mehrere Wirtschafts- bzw. Börsezyklen hinweg entwickelt hat. Dabei muss aber wiederum beachtet werden, ob es zwischenzeitlich zu maßgeblichen Änderungen z. B. in der Fondsstrategie oder zu einem Wechsel im Fondsmanagement gekommen ist, was natürlich die Aussagefähigkeit stark einschränken kann. Die Historie zeigt uns, dass es Fonds mit einer ausgewogenen, auch unter Risikoaspekten gut durchdachten Anlagestrategie gibt, die in einzelnen Jahren nie einen absoluten Spitzenrang innerhalb ihrer Kategorie erreicht haben, aber trotzdem längerfristig zu den ertragsstärksten Produkten zählen.
"Daher: So verführerisch einfach die Ausrichtung an den Bestenlisten auch ist – sich bei der Anlageentscheidung nur nach der Wertentwicklung der Vergangenheit zu orientieren, gleicht einer Autofahrt, bei der man statt nach vorne nur in den Rückspiegel blickt. Unfälle sind bei dieser Vorgangsweise vorprogrammiert!", so Bernhard Saringer, Dachfondsmanager, CPM.
Genauso wenig zielführend ist es, beim Fondserwerb nach dem Bekanntheitsgrad eines Fonds vorzugehen oder sich davon beeinflussen zu lassen, dass ein Produkt von Bekannten oder Verwandten empfohlen
worden ist. Warum? Der Bekanntheitsgrad lässt eher Rückschlüsse auf das Werbebudget der Fondsgesellschaft zu, als auf die Qualität des beworbenen Produktes. Empfehlungen unter Freunden sind (auch) deshalb kritisch zu beurteilen, da sich die Bedürfnisse einzelner Anleger stark voneinander unterscheiden können, z. B. im Hinblick auf die Risikobereitschaft, den Anlagehorizont etc.
Im Folgenden werden im Schoellerbank Analysebrief einige wesentliche Auswahlkriterien – die unbedingt vor einem Fondskauf abzuklären sind – beschrieben.
Anlageuniversum und Anlagestrategie
Ein wesentliches Auswahlkriterium beim Fondserwerb ist die Ausrichtung des Produktes im Hinblick auf die abgedeckte Assetklasse bzw. die Fokussierung auf bestimmte Länder, Regionen, Branchen, Themen etc. Wie sieht es bezüglich des Einsatzes von Fremdwährungen aus, auf welche Bonitäten wird bei Anleihefonds gesetzt? Darüber hinaus gilt es zu prüfen, mit welchem Investment-Ansatz versucht wird, dieses Ziel zu erreichen, z. B. ob ein quantitativer oder qualitativer Investmentstil vorliegt. Weiters sollte abgeklärt werden, ob das Fondsmanagement versucht, einen Markt möglichst exakt nachzubilden (passives Management) oder anstrebt, durch aktive Über- bzw. Untergewichtungen einen Mehrwert zu erzielen. Erst wenn diese Fakten bekannt sind, kann ein geeignetes Produkt gewählt werden, denn Anleger und Produkt müssen zusammenpassen. Das heißt, der Käufer sollte das jeweilige Anlageuniversum, den Investmentstil und auch die einsetzbaren Instrumente eines Fonds wirklich im Detail kennen und verstehen. Dabei sind die oben genannten Punkte nur ein kleiner Auszug dessen, was es abzuklären gilt. Nur wenn der Anleger sämtliche Merkmale eines Fonds kennt, ist auch sichergestellt, dass keine falschen Erwartungen bestehen.
Risiko
Einen weiteren und sehr wichtigen Faktor stellt das „Risiko“ dar, das für jedes Anlageinstrument gesondert, aber auch im Kontext der Gesamtveranlagungen eines Investors zu bewerten ist. Ein unumstößlicher Grundsatz der Vermögensanlage ist bekanntlich die Risikostreuung, die darauf abzielt, in einem Depot Klumpenrisiken (z. B. Veranlagungen in gleiche Titel, Emittenten etc.) zu vermeiden. Sicherzustellen ist demnach, dass keine überhöhten Einzelrisiken bestehen. Generell sollte – abgestimmt auf die Bedürfnisse des Anlegers – in einem Wertpapierdepot eine ausgewogene Mischung (Produkte, Länder, Branchen, Schuldner…) gewählt werden. Auch Fremdwährungskomponenten sind in einem Depot aufgrund des damit verbundenen Wechselkursrisikos genau zu prüfen. Da viele (auch auf Euro lautende) Investmentfonds einen globalen Ansatz haben und somit auch Wertpapiere im Portfolio halten, die nicht in Euro denominiert sind, kann über diesen Umweg ein Wechselkursrisiko für den Anleger entstehen, das ihm möglicherweise nicht bewusst ist. Um das zu vermeiden, besteht zum Teil die Möglichkeit, eine währungsgesicherte Fondstranche zu erwerben.
Kostenfaktor
Letztlich zählt für den Anleger, „was unter dem Strich herauskommt“. Damit ist gemeint, dass nicht nur die Leistung des Fondsmanagements von Relevanz ist, sondern – neben der steuerlichen Komponente – auch die Kosten zu prüfen sind. Hier ist darauf zu achten, wie die Kostenstruktur eines Anlagevehikels aussieht. Im Fondsbereich ist durch die verpflichtend im vereinfachten Verkaufsprospekt zu publizierende Total Expense Ratio (abgekürzt: TER) ein hohes Maß an Transparenz gewährleistet. Die TER umfasst die laufenden Kosten eines Fonds und beinhaltet beispielsweise die Verwaltungsgebühr, die Kosten für den Wirtschaftsprüfer, Publizitätskosten, Depotbankgebühr etc. Bei manchen Fonds ist die Höhe der Verwaltungsgebühr an die Performance des Fonds gekoppelt. Dies schafft einerseits einen Anreiz für das Fondsmanagement, besonders hohe Erträge zu erzielen, kann sich andererseits aber auch negativ auf dessen Risikobereitschaft auswirken. Außerdem sollte im Fall einer performanceabhängigen Fee vom Anleger hinterfragt werden, ob bei deren Berechnung eine sogenannte „High Watermark“ zu berücksichtigen ist. Ist dies der Fall, dann müssen Verlustjahre zunächst wieder ausgeglichen werden, bevor erneut eine Performancegebühr verrechnet werden darf. Dieser Variante ist aus Anlegersicht jedenfalls der Vorzug zu geben.
Neben den laufenden Gebühren wird in der Regel beim Fondserwerb ein einmaliger Ausgabeaufschlag
verrechnet sowie fallweise eine Rücknahmegebühr beim Verkauf. Während die laufenden Fondsgebühren ohnehin bereits im „Errechneten Wert“ eines Fonds und somit in der ausgewiesenen Fondsperformance berücksichtigt sind, ist dies bei den einmal anfallenden Kosten nicht der Fall.
Anlagehorizont und Steuerstatus
Wie lange möchte bzw. kann ich mein Geld veranlagen? Diese Frage gehört vor jedem Kauf abgeklärt, um sich für die richtige Veranlagungsform entscheiden zu können. So sollten beispielsweise Investments in Aktienfonds nur von Anlegern mit mittel- bis langfristigem Anlagehorizont in Erwägung gezogen werden.
Sollte sich der Anleger für einen ausländischen Investmentfonds entscheiden, so muss sichergestellt werden, dass dieser in Österreich den Steuerstatus „blütenweiß“ aufweist. Nur so ist gewährleistet, dass ein im Inland steuerpflichtiger Anleger steuerlich keinen Nachteil erleidet. Bei sogenannten „schwarzen Fonds“ ist im Gegensatz dazu sogar in Verlustjahren ein nicht unerheblicher Obolus an den Fiskus zu leisten.
Conclusio
Um derartige Fehler zu vermeiden, ist eine systematische Vorgangsweise erforderlich. Die Schoellerbank hat mit dem „Schoellerbank FondsRating“ einen mehrstufigen Selektionsprozess entwickelt, der die „Spreu vom Weizen“ trennt.









