Die Pläne zur Aufsicht der Europäischen Union über Fonds und Private-Equity-Investments könnten dazu führen, dass in der EU ansässige Investoren erhebliche Einschränkungen erfahren. Diese Auffassung vertritt ein Vertreter der britischen Finanzaufsicht FSA.
“Rechtlich einwandfreie Geschäftsmodelle wären damit gezwungen, sich an Offshore-Handelsplätzen anzusiedeln. Es kann nicht die sinnvolle Konsequenz aus der Richtlinie sein, dass der Anlegerschutz zu Lasten der Finanzstabilität hergestellt wird”, sagte Dan Waters, bei der FSA für den Bereich Vermögensverwaltung zuständig, in einer am Dienstag veröffentlichten Rede in London. Waters beruft sich dabei auf einen im Oktober veröffentlichten Bericht seiner Behörde.
Bei Private-Equity-Anlagen schätzt Waters den Anteil der Investments, die für EU-Investoren in einem solchen Szenario nicht mehr zugänglich wären, auf 35 Prozent. Von den weltweit angebotenen Hedgefonds wären es sogar 40 Prozent.
Das Europaparlament befasst sich derzeit mit einer Direktive zur Regulierung des Managements solcher Fonds. Die EU- Parlamentarier wollen 2010 über den endgültigen Entwurf der Richtlinie abstimmen. Ein Knackpunkt ist das geplante Zulassungssystem für die Fondsmanager. Voraussetzung dafür wiederum soll sein, dass die Länder, in denen die Fonds domiziliert sind, über einen von der Europäischen Kommission als äquivalent anerkannten Steuer- und Rechtsrahmen verfügen.
Großbritannien ist in der EU der bisher dominierende Standort der Branche. Rund 80 Prozent der europäischen Hedgefonds und etwa 60 Prozent der Private-Equity-Fonds sind in Großbritannien ansässig. Einzelne Fondsmanager fallen unter die Aufsicht der FSA.
Die Initiative zur Neuordnung der Branche geht auf den ehemaligen dänischen Premierminister Poul Nyrup Rasmussen zurück. Rasmussen bezeichnete den von der FSA in Auftrag gegebenen 120-seitigen Bericht bei seiner Veröffentlichung im vergangenen Oktober als parteiisch. Der Bericht war zum Ergebnis gekommen, dass die vorgeschlagenen Regeln der Branche Kosten im Umfang von mindestens 4,6 Mrd. Pfund (5,3 Mrd. Euro) auferlegen.
( Bloomberg )


