China sollte keine griechischen Staatsanleihen in grossen Mengen kaufen, um die Nation vor einem Staatsbankrott zu bewahren. Diese Meinung vertritt Yu Yongding, ehemaliger Berater der chinesischen Notenbank. Gegenüber Bloomberg News verwies er darauf, dass griechische Staatsanleihen ein höheres Risiko bergen als US-Treasuries.
“Ein Ökonom kann keine Diversifizierung von einer unsicheren Vermögensklasse auf eine noch viel weniger sichere Vermögensklasse befürworten”, sagte Yu, der derzeit der chinesischen Akademie der Gesellschaftswissenschaften angehört. “Die europäischen Regierungen und die Europäische Zentralbank sollten Griechenland beistehen.”
Das griechische Finanzministerium hatte gestern mit einem “kategorischen” Dementi auf einen Bericht der Tageszeitung Financial Times reagiert, wonach Athen versucht hätte, China zum Kauf griechischer Staatsanleihen im Wert von 25 Mrd. Euro zu bewegen. China ist daran interessiert, seine Devisenbestände in Höhe von 2,4 Billionen Dollar effizienter zu verwalten, wie die staatliche Devisenverwaltung am 6. Januar bekanntgab. Im vergangenen November hielten chinesische Institutionen US-Treasuries im Wert von 789,6 Mrd. Dollar. Das waren 9,3 Mrd. Dollar weniger als ein Jahr zuvor.
Yus Meinungsäusserungen liegen in der Regel auf der Linie der Regierung. Im vergangenen Februar forderte er, China solle Garantien verlangen, dass seine Investments in amerikanische Treasuries nicht durch eine “leichtsinnige Politik” entwertet würden. Einen Monat später machte sich Ministerpräsident Wen Jiabao Yus Standpunkt beim jährlichen Volkskongress zu eigen.
Griechenland will mit der Emission die Lücke im Staatshaushalt finanzieren verringern, die knapp 13 Prozent des Bruttoninlandprodukts ausmacht. In dieser Woche hat Athen Anleihen mit einer Laufzeit von fünf Jahren und einem Kupon von 6,1 Prozent auf den Markt gebracht und damit 8 Mrd. Euro erlöst. Finanzminister Giorgos Papaconstantinou sagte am 20. Januar, die Regierung erwäge Anleihe-Emissionen in Asien und in den USA. Die Ratingagentur Moody’s bewertet die Bonität Griechenlands mit der Note “A2”, das ist die fünftniedrigste Stufe der Güteklasse Investment Grade. S&P beurteilt Griechenland zwei Stufen niedriger, mit “BBB+". “Selbst wenn sie attraktiv gepreist sind, haben griechische Staatsanleihen ein Grundproblem: den Mangel an Glaubwürdigkeit”, erklärte Yu. “Wir vertrauen den amerikanischen Statistiken über Schulden und Defizite. Die Zahlen sind nicht schön, aber sie geben ein ziemlich genaues Bild, da wissen wir, was wir kaufen. Die griechischen Statistiken hingegen sind von der Europäischen Kommission scharf kritisiert worden.”
(Bloomberg)
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